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Glücksburg : Intermar soll Hotel bleiben – Eigentümer drohen mit Klage

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ein entsprechender Bebauungsplan wurde einstimmig verabschiedet. Die Eigentümer wollen ihre Zimmer aber weiter dauerhaft privat nutzen – und drohen mit Klage.

Glücksburg | Der Glücksburger Bauausschuss ist hart geblieben: Das Intermar soll in Zukunft als Hotel genutzt werden. Um dieses Vorhaben zu verwirklichen, wurde die Aufstellung des Bebauungsplans Nr. 39, der viele Monate öffentlich ausgelegen hatte, einstimmig beschlossen. Nun müssen noch die Stadtvertreter in ihrer Sitzung am 14. Juni zustimmen. Die Stadt wolle ihre weitere Entwicklung auf den Tourismus fokussieren, hieß es zur Begründung.

Das Intermar Hotel in bester Lage am Glücksburger Strand verfällt seit einigen Jahren zusehends. Seit der Hotelbetrieb 2010 eingestellt wurde, sorgen schwierige Eigentumsverhältnisse für Verzögerungen bei der notwendigen Sanierung und machen Pläne für die künftige Nutzung zu einem langwierigen Prozess.

Die Geschehnisse beschäftigen vor allem 18 private Eigentümer, die zwischen einer und mehreren Wohnungen in dem Objekt besitzen. Insgesamt sind „weit über 40“ der ehemals 160 Hotelzimmer betroffen, hieß es aus dem Umfeld der Eigentümer. Die Zimmer wurden nach und nach aus der Hotelmasse veräußert. Die neuen Eigentümer nutzen diese Räume zum Teil dauerhaft selbst – genau das, was die Stadt in Zukunft verhindern möchte.

Alle 18 Parteien haben der Stadt ihre Einwände schriftlich vorgelegt. Drei Eigentümer beauftragten zudem eine Hamburger Rechtsanwaltskanzlei. Deren Schreiben erreichte die Stadt nur wenige Stunden vor Sitzungsbeginn. Darin ist die Rede von einem Normkontrollantrag, der beim Oberverwaltungsgericht gestellt werden soll, „um die Rechtswidrigkeit des Bebauungsplans feststellen zu lassen“. Eigentümer Olaf Plessow bezeichnete den Brief „als letzten Versuch, um zu einem Kompromiss zu kommen“.

Die Eigentümer fühlen sich im Recht. So schreibt einer: „Weder anlässlich des Kaufvertrages noch in den Jahrzehnten danach war behördlicherseits auf Nutzungseinschränkungen hingewiesen worden.“ Er sehe sein Recht auf Eigentum stark beeinträchtigt. Er fordere eine Ausnahmelösung, andernfalls werde er Klage erheben.

„Die Gemeinde kann neue Pläne für die Zukunft aufstellen“, meinte ein weiterer Eigentümer sehr ruhig am Telefon. Sie könne aber nicht das Grundgesetz aushebeln. Insofern gebe es keinen Grund für „Irritation“. „Wir gehen davon aus, dass wir die Rechtmäßigkeit der Nutzung unseres Wohnungseigentums im Hotel Intermar von der Kreisverwaltung bestätigt bekommen“, heißt es in einem weiteren Sammelschreiben an die Stadt. Zur Sitzung waren einige Eigentümer erschienen. Sie äußerten sich dort jedoch nicht öffentlich.

Das Recht auf Dauerwohnnutzung hatte sich nur ein Eigentümer explizit vom Kreis geben lassen. Ist so eine Genehmigung aber erforderlich? Hierüber muss im Extremfall ein Gericht entscheiden.

Doch so weit möchte es die in Geldnot steckende Stadt, die sich bei der Aufstellung des Bebauungsplans von der Planungsfirma Pro Regione beraten ließ, nicht gerne kommen lassen. Als Antwort auf die Einsprüche der Eigentümer formulierte sie daher eine mögliche Lösung: Die betroffenen Zimmer könnten unter die Organisationshoheit eines zukünftigen Hotelbetriebs gestellt werden. Eine weitere Nutzung durch die Eigentümer sei in diesem Rahmen zu gestatten.

Aus Sorge vor juristischen Unklarheiten beantragte Bürgermeisterin Kristina Franke die erneute Verschiebung des Tagesordnungspunktes „Bebauungsplan Intermar“. Dem widersprachen einige Mitglieder des Bauausschusses vehement. Das wäre „ein Hammer, eine Katastrophe“, so als wenn die Aufarbeitung der Problematik binnen eines Jahres seitens der Stadt „versemmelt worden“ wäre, meinte Werner Kiwitt (Bündnis 90/Grüne). Die Angelegenheit müsse auf den Punkt gebracht werden, pflichtete Burkhard Repenning (LWL) bei. Andernfalls entstehe die „Hölle“. Des Weiteren ende eine Veränderungssperre für das Gebiet am 30. Juni dieses Jahres. Man sei also zum Handeln gezwungen.

Der Mehrheitseigentümer des Gebäudes (75 Prozent), die Intermar Holding GmbH & Co. KG um Herman und Stefan Densch, erhob keinen Einspruch gegen den Bebauungsplan. „Der Beschluss beeinflusst unser Vorhaben nicht“, sagte Gesellschafter Stefan Densch. „Unsere Einheiten sollen weiterhin verkauft werden und anschließend an einen Vermietungsbetrieb im Erdgeschoss des Hauses vermarktet werden.“

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