zur Navigation springen

Kreis Schleswig-Flensburg : Integrations-Zentren für Flüchtlinge

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Verwaltung soll Konzept für Anlaufstellen mit allen relevanten Behörden und Organisationen erstellen.

von
erstellt am 17.Mai.2017 | 16:40 Uhr

Schleswig | Im November und Dezember 2015 kamen jeweils mehr als 400 Flüchtlinge im Kreishaus an, um von dort auf den Kreis verteilt zu werden. Die neu gegründete Task Force für Flüchtlingsfragen hatte alle Hände voll zu tun, die Registrierung und Verteilung der Menschen zu organisieren. Ab Januar 2016 ebbte ihre Zahl rapide ab, inzwischen kommt jeden Monat nur noch eine Handvoll Schutzsuchender im Kreishaus an der Flensburger Straße in Schleswig an. Und so ist inzwischen auf den Fluren ein wenig Ruhe eingekehrt. „Aber das lange Ende kommt jetzt“, sagte der CDU-Fraktionsvorsitzende im Kreistag, Walter Behrens, am Montag im Sozialausschuss. Gemeint war die Integrationsarbeit, die derzeit vor allem eines ist: kompliziert.

Stephan Asmussen, Leiter des Fachdienstes Regionale Integration, hatte zuvor die Bilanz der Task Force für 2016 vorgestellt. Dabei richtete er das Augenmerk vor allem auf die schwierige Gemengelage, wenn es um die Integrationsarbeit geht, die dann Fahrt aufnimmt, wenn die Betroffenen ein Bleiberecht zugesprochen bekommen haben. So seien beispielsweise mit der Förderung in den Bereichen Sprache, Ausbildung und Arbeit mindestens sechs Organisationen und Behörden als Akteure gleichzeitig tätig. „Kein Wunder, dass bei Flüchtlingen und ihren Betreuern da der Eindruck entsteht, dass man sich nicht zurechtfinden kann“, sagte Asmussen. Sein Vorschlag: Sämtliche Kompetenzen sollen an einem Ort gebündelt werden – Arbeitstitel: Integrationszentren.

Damit lief er bei den Sozialpolitikern offene Türen ein. „Wir würden das sehr unterstützen“, sagte Inke Asmussen (SPD), die zudem erklärte: „Mir erzählen fast täglich Lotsen, wie schwierig es ist, immer von Pontius zu Pilatus laufen zu müssen.“ Auch SSW und Grüne signalisierten Zustimmung, wenngleich Grünen-Sozialexperte Manfred Wilner-Höfer mahnte, das zu erarbeitende Konzept solle nicht nur auf die Bewältigung des aktuellen Flüchtlingsgeschehens gerichtet sein, sondern für alle Migranten im Kreis gelten.

Ganz neu ist die Idee für Integrationszentren nicht. Asmussen machte das an zwei Beispielen deutlich. Unter dem Stichwort „Maßarbeit Osnabrück“ beispielsweise firmiert ein Konzept, in dessen Mittelpunkt sogenannte Migrationszentren stehen. In diesen findet die Orientierungsberatung für die Geflüchteten statt, es wird eine Integrationsstrategie festgelegt, es gibt ein Profiling für den Arbeits- beziehungsweise Ausbildungsmarkt, und es findet die Fallsteuerung für jeden Migranten statt. Alle Hilfen aus einer Hand in mehreren dezentralen Zentren, die zudem als Anlauf- und Koordinierungssstellen für Lotsen, Organisationen und Bildungsträger dienen. In Nordrhein-Westfalen gibt es seit Januar 2016 flächendeckend sogenannte „Integration Points“, in denen Agentur für Arbeit, Jobcenter und Kommunen die relevanten Kompetenzen ebenfalls bündeln.

Asmussen skizzierte ein mögliches Integrationszentrum Schleswig. Dies wäre nach derzeitigem Stand für 1819 Geflüchtete aus den Bereichen der Sozialzentren Schleswig-Stadt, Schleswig-Umland, Kropp und Eggebek zuständig. Von ihnen befinden sich noch 572 im Geltungsbereich des Asylbewerberleistungsgesetzes. Das heißt, sie haben noch keine Aufenthaltserlaubnis, 1247 von ihnen sind hingegen schon anerkannt und in der alleinigen Obhut der Sozialzentren. Sie beziehen Hartz-IV-Mittel.

Für derartige Einrichten, das machte Stephan Asmussen deutlich, werde nicht mehr Personal benötigt. „Die Mitarbeiter erhalten nur ein anderes Umfeld für ihre Arbeit.“

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen