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Flüchtling bei der Feuerwehr Rüde : Integration mit Helm und Schlauch

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der Afghane Zaid Nayebi (20) ist neuer Feuerwehranwärter in Rüde: „Ich hatte den Wunsch, etwas Soziales zu tun.“

Mittelangeln | „Passt!“, freut sich Stefan Lorenzen und stülpt seinem Gegenüber einen Feuerwehrhelm über. Zaid Nayebi schüttelt sich den Helm ein wenig zurecht, bevor er sitzt. Zaid Nayebi ist ein neues Mitglied in der Freiwilligen Feuerwehr Rüde (Kreis Schleswig-Flensburg). Bei der Jahresversammlung wurde der 20-Jährige von Wehrführer Stefan Lorenzen als Anwärter in der Wehr aufgenommen. „Da ich nebenan wohne, habe ich immer interessiert zugeschaut, wenn die Feuerwehr geübt hat“, berichtet der junge Afghane, der Ende 2011 nach waghalsiger Flucht in Deutschland ankam und hier mit seiner Mutter und seinem ein Jahr jüngeren Bruder um Asyl bat.

2012 bekam die Familie in Rüde eine eigene Wohnung. Die Nachbarn kümmerten sich um die Nayebis, so dass sie schnell in die Dorfgemeinschaft hinein wuchsen. Zielstrebig integrierten sich Zaid und sein Bruder Hamed in ihre neue Umgebung. Nach einem sechswöchigen Deutschkurs besuchte Zaid Nayebi das Berufsbildungszentrum (BBZ) in Schleswig und erlangte dort den Hauptschulabschluss. „Ich hatte leider nicht so viel Zeit wie mein Bruder, sonst hätte ich auch den Realschulabschluss bekommen“, ist sich Zaid Nayebi sicher.

Sehr früh sei er sich darüber im Klaren gewesen, dass er die deutsche Sprache beherrschen müsse, wenn er in seiner neuen Heimat weiterkommen wolle, sagt er. „Ich will hier leben“, begründet er seinen Eifer. Wehrführer Stefan Lorenzen ergänzt auf Platt: „He mott ja min Kommandos verston.“ Hier winkt Zaid Nayebi dann lächelnd ab, denn Platt lernen kommt später.

Seit dem Umzug der Familie nach Rüde hatte der junge Afghane immer wieder Kontakt zur Feuerwehr, die ja direkt neben der Wohnung der Familie ihr Gerätehaus hat. Einsätze, Übungen, Geräteschau und Treffen der Kameraden – die Feuerwehr war für ihn immer präsent. Nach der Schule und mit Beginn seiner Lehre zum pharmazeutisch-kaufmännischen Angestellten hatte der damals 19-Jährige endlich den Kopf frei, um sich noch intensiver mit seiner Umgebung zu beschäftigen, den Blick nach vorne zu richten. „Ich hatte den Wunsch, etwas Soziales zu tun“, berichtet er in fließendem Deutsch. Was lag da näher als die Feuerwehr? Die anfängliche Zurückhaltung schwand, und nachdem auch der Bruder den Schritt von Zaid Nayebi unterstützte, ging er auf die Aktiven der Feuerwehr zu. Und da er und seine Familie in Rüde keine Unbekannten sind, nahmen ihn die Kameraden freundlich auf. Ein Grund, nun auch die Aufnahme in die Feuerwehr zu beantragen. „Wi freit uns över jede nije Liddmaat“, sagt der Wehrführer.

Im Frühjahr geht es los mit der Anwärter-Ausbildung, und dann kommen die Truppmann-Lehrgänge hinzu. Seine Ausgeh-Uniform ist noch nicht vollständig, aber die „Übungsklamotten“, wie Zaid Nayebi es schnell gelernt hat, besitzt er bereits. Wichtig ist ihm die sprachliche Weiterbildung. „Die Kameraden helfen mir dabei“, berichtet der junge Feuerwehrmann. Mit seiner Entscheidung, in der Feuerwehr einen Dienst an der Gemeinschaft zu leisten, will Zaid Nayebi auch unterstreichen, dass er ein Teil dieser Gemeinschaft ist, in der er seine Zukunft sieht.

Seinen ersten offiziellen Auftritt hatte Zaid Nayebi bei der Jahresversammlung der Rüder Wehr. Für Amtsvorsteher Helmut Wacker, der nach 30 Jahren aktiven Dienst in der Rüder Wehr in die Ehrenabteilung verabschiedet wurde und der sich als Amtsvorsteher intensiv um die Integration der Flüchtlinge bemüht, war es ein besonders schönes Zeichen, dass ein Flüchtling seinen frei werdenden aktiven Posten in der Wehr übernimmt.

Am Rande: Leif Lorenzen wurde für zehn Jahre und Horst Dieter Wenzinski für 20 Jahre aktiven Dienst geehrt. Wehrführer Lorenzen beförderte Andreas Peters zum Hauptfeuerwehrmann und Detlef Albrecht zum Hauptfeuerwehrmann drei Sterne. 

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