Intelligente Pflegebetten : Innovation made in Schleswig

Fühlt sich gut gebettet: Wirtschaftsminister Bernd Buchholz testet eines der Pflegebetten, die Clemens Winter und seine Kollegen entwickelt haben. Für seine neuen Medizinsparte hat die Firma Laroma eigens die Laromed GmbH gegründet. Fotos: wim
Fühlt sich gut gebettet: Wirtschaftsminister Bernd Buchholz testet eines der Pflegebetten, die Clemens Winter und seine Kollegen entwickelt haben. Für seine neuen Medizinsparte hat die Firma Laroma eigens die Laromed GmbH gegründet.

Der Matratzenhersteller Laroma hat gestern die Idee eines intelligenten Pflegebettes vorgestellt.

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10. August 2018, 07:00 Uhr

Ein Jahr lang lag die Mutter von Günter Nieuwenhuis im Sterben. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes: Sie lag. Wie sie lag, wie lange sie vielleicht in ihrem Urin lag, wann sie gedreht wurde? Das alles wusste Nieuwenhuis nicht. Das hat ihn – abgesehen davon, dass er viel Geld für die Pflege seiner Mutter zahlte – so sehr gewurmt, dass er Kontakt zu Clemens Winter, Geschäftsführer des Schleswiger Matratzen-Herstellers Laroma, aufnahm. Damit war der Grundstein gelegt für eine innovative Idee, die – so hoffen die beiden – von der Schlei aus die Welt erobern soll.

Gestern nun stellten die beiden eine von ihnen gemeinsam entwickelte intelligente Matratze erstmals öffentlich vor, die in Zukunft besonders pflegebedürftigen Menschen und auch ihren Pflegern eine echte Hilfe sein soll. Zur Präsentation hatten sie unter anderem Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Bernd Buchholz in den Firmensitz im Gewerbegebiet St. Jürgen eingeladen. Ebenfalls vor Ort dabei war Hinrich Habeck, Geschäftsführer der Life Science Nord Management GmbH, die als zentrale Projekt- und Servicegesellschaft der Länder Hamburg und Schleswig-Holstein Biotech-, Pharma und Medizintechnik-Unternehmen fördert.

Denn Ziel der Laroma-Macher um Winter und Nieuwenhuis war es nicht nur, Werbung für ihre Idee und das dahinter stehende Produkt zu machen, sondern auch potenzielle starke Partner neugierig zu machen, die ihr Geschäftsmodell unterstützen. „Wenn so eine Innovation aus unserem Land kommt, dann ist es wichtig, dass man die Player an einen Tisch bringt. Dies ist ein klassisches Verbundprojekt, bei dem mehrere Unternehmen und auch Hochschulen kooperieren könnten“, meinte Buchholz, der sich sichtlich begeistert von der Idee des intelligenten Pflegebettes zeigte.

Das indes kann schon jetzt sehr viel und soll, sollte es denn in Serie gehen, später noch sehr viel mehr können. Ausgestattet mit 4000 Sensoren misst die Matratze punktgenau, wo die Belastung, bei demjenigen, der darauf liegt, am größten ist. Gewicht, Bewegungen, Feuchtigkeit und sogar die Körpertemperatur, die Herz- und Lungenfrequenzen: All das kann gemessen werden, und zwar über einen sehr langen Zeitraum. Das Ganze läuft über eine App, die über eine sogenannte Cloud gesteuert wird. „Wir sind überzeugt davon, dass dies hier ein einmaliges Produkt ist. Bisher haben wir nur positive Rückmeldungen bekommen“, sagte Clemens Winter. Dabei wolle man mit dem Produkt keinesfalls Personal in der Pflege abbauen, sondern diese vielmehr verbessern.

Beispiel: Eine bettlägerige Person muss etwa alle zwei Stunden gewendet werden, damit sie sich nicht wund liegt. Falls sie selbst ihre Position gerade ändert und kurz danach ein Pfleger kommt, weiß dieser das nicht. Im ungünstigsten Fall würde er sie wieder in die Lage drehen, in der sie zuvor schon gelegen hat. „Unsere Matratze würde das verhindern“, sagt Winter. Das Potenzial, das hinter der Idee steckt, erkannte auch Buchholz. „Wir müssen die Produktivität in der Pflege deutlich erhöhen. Das geht nicht ohne Technik. Es ist toll, dass solche Lösungen hier bei uns im ländlichen Raum entwickelt werden.“

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