Stadtmuseum : In Sorge um das Teddybärhaus

Attraktion zur Weihnachtszeit: Bunte Gabenteller aus Pappe.
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Attraktion zur Weihnachtszeit: Bunte Gabenteller aus Pappe.

Mechthild Reichstein hat die Ausstellung ihrer Sammlung im Stadtmuseum umgestaltet – und hofft, dass nun wieder mehr Besucher kommen.

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22. November 2013, 19:45 Uhr

Bären am Lenkrad eines Holzautos, Bären auf dem Karussell, Bären mit Reisekoffer, Bären im Nachthemd und im feinen Tuch: Rund 300 Teddys zeigen sich im Stadtmuseum seit elf Jahren in ihrer ganzen Vielfalt. Im historischen Günderothschen Hof an der Friedrichstraße haben sie ein ganzen Haus für sich allein. Doch die Zeiten, in denen die Ausstellung ein großer Publikumsmagnet war, sind vorbei. Mechthild Reichstein, die Fahrdorfer Bärensammlerin, macht sich große Sorgen um die Zukunft des Hauses. Das mochte sie nicht verheimlichen, als sie gestern durch die neu gestalteten Räume führte, während Bürgermeister Thorsten Dahl und Museumsleiter Dr. Holger Rüdel stets bemüht waren, die positiven Seiten zu betonen.

Man müsse dringend wieder mehr Kindergärten für die Ausstellung begeistern, sagte Reichstein. Es seien moderne pädagogische Konzepte nötig. „Stillstand bekommt keinen Museum gut, erst recht nicht einem Spielzeugmuseum“, sagte sie.

Deshalb hat die zierliche ältere Dame jetzt selbst angepackt. In monatelanger Arbeit hat sie die Vitrinen neu bestückt. Raum für Raum, so dass das Haus für das Publikum jederzeit offen blieb. Die Fahrdorferin hat in fast 30 Jahren rund 2000 Teddybären gesammelt. 600 davon überließ sie 2002 für einen Zeitraum von 25 Jahren dem Stadtmuseum. Aktuell sind 300 Teddys ausgestellt. Die andere Hälfte befindet sich in Magazinräumen irgendwo im Stadtgebiet. Wo genau, wird nicht verraten, denn unter ihnen sind wahre Kostbarkeiten.

Zuletzt hatte Reichstein die Ausstellung im Herbst 2009 umgestaltet. Damals hatten die Teddys das Gebäude für ein paar Monate komplett räumen müssen, um Platz zu machen für eine Haribo-Sonderausstellung. Danach legte die Sammlerin den Schwerpunkt der Ausstellung auf historische Bären aus der Produktion der Firma Bernhard und Max Hermann aus Thüringen. Nach Möglichkeit schon zwei Jahre später sollte alles wieder umgestaltet werden, war sich Reichstein mit Sonja Heinz einig, der damaligen Leiterin des Teddybärhauses.

Dass es deutlich länger gedauert hat, liegt auch daran, dass Heinz innerhalb des Kulturamtes inzwischen andere Aufgaben übernommen hat. Mechthild Reichstein fühlt sich oft allein auf weiter Flur. Die Ideen gehen ihr dabei nicht aus. In den vergangenen Wochen war sie fast jeden Tag im Museum. In den meisten Räumen des verwinkelten alten Gebäudes erleben die Besucher jetzt eine Zeitreise vom Anfang des 20. Jahrhunderts bis in die 1960er Jahre. Zu den Höhepunkten zählen große Kirmesbären, wie es sie in der Nachkriegszeit auf Jahrmärkten zu gewinnen gab. „Damals war das Billigware, aber inzwischen ist aus ihnen ein Stück Kulturgeschichte geworden“, sagt Reichstein. Sie möchte anhand der Spielzeuge Kindern ein Gespür für die historische Entwicklung geben. Ganz fertig ist sie mit den Umbauten noch nicht. Die beiden letzten Räume will sie sich Anfang des kommenden Jahres vornehmen.

Wer schon jetzt durch das Teddybärhaus geht, kann außer Kuscheltieren auch noch etwas anderes entdecken: Auf den Fensterborden stehen bunte Gabenteller aus Pappe, wie sie früher fast jedes Kind unter dem Weihnachtsbaum fand. Nach ihnen begann Mechthild Reichstein in den neunziger Jahren auf Flohmärkten Ausschau zu halten. „Damals waren sie spottbillig.“ Inzwischen seien aus ihnen echte Sammlerobjekte geworden, die für bis zu 20 Euro pro Stück gehandelt werden. Eine weitere weihnachtliche Attraktion ist ein zwei Meter hoher Adventskalender im Eingangsbereich. Jeden Tag darf ein Kind, das ins Museum kommt, eine Tür öffnen.

>Das Teddybärhaus im Stadtmuseum in der Friedrichstraße 9-11 ist dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

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