zur Navigation springen

Landesmuseen : In Riesenschritten zum neuen Archiv auf dem Hesterberg

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Für mehrere Millionen Euro entsteht auf dem Hesterberg das Zentralmagazin der Landesmuseen. Am Donnerstag war erster Spatenstich.

Dass Magazine in der öffentlichen Wahrnehmung nicht gerade den Ruf hätten, sexy zu sein, sei ihr bewusst. Dennoch sprach Kulturministerin Anke Spoorendonk (SSW) gestern Vormittag von einem „echten Meilenstein“ und „einem bedeutenden Tag“, als sie auf dem Hesterberg in Schleswig den offiziellen Startschuss für den Neubau des Zentralmagazins der Schleswig-Holsteinischen Landesmuseen gab. „Das ist der erste wichtige Teil des Masterplanes für die Weiterentwicklung der Landesmuseen“, so Spoorendonk.

Bereits seit dem Frühjahr 2014 laufen die Umbauarbeiten auf dem Gelände des ehemaligen Volkskundemuseums auf Hochtouren. Zunächst wurden die bestehenden Gebäude umfassend saniert. Jetzt haben die Erdarbeiten für den im nördlichen Bereich geplanten zweistöckigen Neubau begonnen. Auf insgesamt 1600 Quadratmetern Nutzfläche sollen dort ab Ende 2017 in erster Linie besonders empfindliche Exponate gelagert werden – und zwar unter idealen klimatischen Bedingungen. Rund 3,2 Millionen Euro kostet allein dieses hochmoderne Bauprojekt. Bereits 2,8 Millionen wurden für die Umbauarbeiten an den Bestandsgebäuden veranschlagt. Dafür wurde im Haupthaus, dem sogenannten Körnerhaus, unter anderem ein Schwerlastaufzug eingebaut. Hinzu kam die Einrichtung einer elektronischen Entlüftung. Andere Gebäude wurden mit Hochregalen, Heizungen und Klimaanlagen ausgestattet. Auch mehrere mit Schadstoffen belastete Fußböden wurden ausgetauscht.

Eine Besonderheit ist zudem die Anschaffung einer großen Wärmekammer. „Eine Sonderanfertigung, die einzigartig ist in ganz Norddeutschland. Darin können wir auch große Exponate vor der Einlagerung hygienisch reinigen und so von Holzwürmern und ihren Larven befreien“, erklärte der Geschäftsführer der Landesmuseen, Guido Wendt, der gleichzeitig betonte, dass man im ersten Bauabschnitt fast 100  000 Euro unter den kalkulierten Kosten geblieben sei. „Dieses Geld überweisen wir an das Land zurück. Das ist ein Anspruch, den wir auch für den Neubau haben.“

Insgesamt lässt sich Kiel die Einrichtung des Zentralmagazins rund 4,3 Millionen Euro kosten (1,2 Millionen investieren die Landesmuseen). „Ein gut funktionierendes Museum setzt eine Sammlung voraus. Sie ist die Entwicklungs- und Produktionsabteilung des Museumsbetriebes“, betonte Spoorendonk. Nur etwa zehn bis 25 Prozent der Bestände würden in Ausstellungen präsentiert. Der Rest braucht Platz – in einem angemessenen Magazin. Dieser Meinung schlossen sich auch die Vertreter der Hamburger Hermann-Reemtsma-Stiftung an. Diese unterstützt im Rahmen der Initiative „Kunst auf Lager“ das Bauvorhaben in Schleswig mit 500  000 Euro. Eine weitere halbe Million Euro hat die Stiftung zudem für den Aufbau eines digitalen Inventarisierungsprogramms zugesagt. „Das Herz eines Museums ist seine Sammlung. Wir haben uns unter anderem den Erhalt des kulturellen Erbes in Norddeutschland als Ziel gesetzt. Diese Investition ist ein guter Beitrag dazu“, sagte Vorsitzender Bernhard Reemtsma.

Vielleicht sprach der Leitende Direktor der Landesmuseen, Professor Claus von Carnap-Bornheim, auch deshalb gestern von einem „vorgezogenen Weihnachtsgeschenk“. Zumal ihm das Land weitere Gelder zugesichert hat: 3,45 Millionen Euro gibt es für die anstehenden Renovierungsarbeiten im Wikingermuseum, weitere zehn Millionen Euro sind für den Neubau eines Volkskundemuseums in Molfsee eingeplant. Zudem wurde die institutionelle Förderung der Landesmuseen für 2016 um 1,2 auf nun 8,3 Millionen Euro erhöht.

„Wir stehen also zu unserer Verantwortung“, sagte Spoorendonk. Dass es lange danach aussah, dass die Ministerin eines Tages zum Spatenstich für den Bau eines neuen Schleswiger Theaters auf den Hesterberg kommen würde, kommentierte sie derweil nur knapp: „Ich glaube nach wie vor, dass es eine große Chance für die Stadt gewesen wäre. Dieses Gelände hier hat großes Potenzial.“ Zur aktuellen Diskussion rund um den Ausbau der „Heimat“ zu einer Stadthalle wollte sie sich nicht weiter äußern. Nur so viel: „Wir beobachten das. Warten wir es mal ab.“

zur Startseite

von
erstellt am 03.Dez.2015 | 19:10 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen