5,5 Millionen Euro Schulden : In Kropp ist nicht mehr „alles anders“

Stefan Ploog (vorn) unterzeichnet im Beisein von Claus Röhe, Thomas Klömmer und Karsten Jasper (v. l.) den Managementvertrag für das Eider-Treene-Sorge-Gebiet.
Stefan Ploog (vorn) unterzeichnet im Beisein von Claus Röhe, Thomas Klömmer und Karsten Jasper (v. l.) den Managementvertrag für das Eider-Treene-Sorge-Gebiet.

Neu-Bürgermeister Stefan Ploog muss große Probleme bewältigen – und auf mehreren Baustellen trotz hoher Schulden Millionen investieren.

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09. Mai 2015, 12:00 Uhr

In Kropp, so haben es Ex-Bürgermeister Reinhard Müller und zahlreiche Funktionsträger häufig gern bei Feierlichkeiten erzählt, sei alles anders. Gemeint war, in Kropp sei alles besser. Zu feiern aber hat die 6400-Einwohner zählende Mittelpunktgemeinde nicht mehr viel. Stefan Ploog, der seit gut vier Monaten als Nachfolger von Müller im Rathaus die Geschäfte führt, sitzt und steht vor großen Problemen. Kreispräsident Ulrich Brüggemeier, der nebenbei in Kropp als Stellvertreter des Bürgermeisters agiert, befürchtete in der Anfangszeit nach dem Bürgermeister-Wechsel gar, Ploog würde seinen Stuhl schnell wieder räumen. Der aber blieb sitzen und legt Hand an. „Ich habe eine Herausforderung gesucht und sie gefunden“, gibt sich Ploog kämpferisch. Und überlegt, auf und mit welcher Baustelle er beginnen sollte.

Die Mängelliste ist lang: Das Rathaus selbst steht zur Disposition. Nicht nur wegen großer Feuchtigkeitsschäden. Die Dorfzentrale am Marktplatz entspricht nicht mehr zeitgemäßen Ansprüchen. Demnächst wird entschieden, ob der Komplex abgerissen wird und ein Neubau entsteht. Kommt es so, würde auch ein Bürger-Büro entstehen. Ploog und seine Mitarbeiter möchten mit den Menschen ihrer Gemeinde intensiver ins Gespräch kommen. Was bislang weitgehend ausgeblieben ist.

Abgerissen wird die Gaststätte Rosengarten, das frühere Soldatenheim. Das steht in den Gemeindebüchern noch immer mit Verbindlichkeiten in Höhe von 635 000 Euro. Ploog verhandelt mit den früheren Besitzern, das waren Bund und Kirche, über ein Ende dieser unerfreulichen Liaison. Gegenwärtig werden in einer Bundeswehr-Liegenschaft alte Unterlagen gesucht. Die liegen in irgendeinem Keller, gefunden wurden sie noch nicht. Noch hat die Gemeinde nicht entschieden, was auf dem Grundstück geschehen soll. Über eine Art von günstigem Wohnungsbau wird nachgedacht.

Damit nicht genug. Schwimmbad, Schule, Sportheim, das erst Anfang der 90er Jahre gebaute Rettungszentrum. Überall bröckelt es oder die Kapazitäten reichen nicht mehr aus. Der Investitionsbedarf ist hoch. Insgesamt rund 15 Millionen Euro. Und das bei über 5,5 Millionen Euro Schulden, die Kropp angehäuft hat.

Ploog hat noch andere Sorgen. Kropp ist auf dem Wege zu einem Schlafort. Wer abends einen Spaziergang macht, sieht sich einem menschenleeren Ort ausgeliefert. Nur noch eine Traditions-Gaststätte hat geöffnet. In den achtziger Jahren gab es noch zehn Theken, an denen sich die Einwohner trafen. Der Ortskern blutet aus. Eingekauft wird zumeist im Gewerbegebiet. Derzeit werden in bester Lage altengerechte Wohnungen gebaut. Direkt gegenüber vom Rathaus.

Ploog blickt aus seinem Bürofenster: „Ja, wir haben sehr viel zu tun.“ Jürgen Muhl

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