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Schleswig : In diese Halle soll das Landestheater ziehen

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Stadt Schleswig will ein Lagerhaus auf der Freiheit für zwei Jahre als Übergangs-Spielstätte anmieten.

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erstellt am 29.Jun.2016 | 07:07 Uhr

Schleswig | Wer vor dieser Halle steht, der fühlt sich, als befinde er sich abseits jeglicher Zivilisation. Das Gras auf dem Grundstück wächst an manchen Stellen hüfthoch. Irgendwo hat jemand ein altes Sofa abgeladen. Die letzte verbliebene Zufahrtsstraße hat keinen Asphalt mehr. Hier sollen ab dem nächsten Jahr das Landestheater und das „Heimat“-Varieté ein neues Zuhause finden. Jedenfalls so lange, bis das alte Mannschaftsheim auf der Freiheit, das die Stadt jüngst gekauft hat, umgebaut ist für die Bedürfnisse des Theaters. Das soll zwei Jahre dauern, vielleicht auch länger.

Seit dem Abriss des alten Schleswiger Theaterbaus 2014 am Lollfuß sucht die Stadt nach einem neuen Standort. Die Stadt an der Schlei war bislang eine der drei tragenden Säulen des Landestheaters gewesen. Die Probleme in Schleswig belasten das gesamte Landestheater, das bereits seit mehreren Jahren von der Insolvenz bedroht ist.

Die Idee, für die Übergangszeit in Schleswig ein Theaterzelt aufzubauen, scheint inzwischen vom Tisch zu sein. Das liegt nicht nur daran, dass Landestheater-Generalintendant Peter Grisebach die Zeltlösung vehement ablehnt. Inzwischen hat sich auch herausgestellt, dass die Zeltlösung wesentlich mehr Geld kosten würden als die 300.000 Euro Miete, die bislang als Kosten genannt wurden. Hinzu kämen unter anderem Kosten für Toiletten und Garderobenräume, für den Aufbau und für die Heizungsanlage. Ein internes Rathaus-Papier beziffert die Gesamtkosten auf 530.000 Euro. Darin sind die Ausgaben für den Sicherheitsdienst, der das Zelt bewachen müsste, noch nicht enthalten.

Für die alte Lagerhalle, die jetzt im Gespräch ist, sollen sich die Gesamtkosten hingegen nur auf 250.000 Euro belaufen. Die Halle befindet sich nordöstlich des Mannschaftsheims ebenfalls auf dem ehemaligen Kasernengelände auf der Freiheit. Sie gehört nicht mehr der Freiheits-Entwicklungsgesellschaft Team Vivendi, sondern wurde schon vor längerer Zeit an einen Schleswiger Unternehmer verkauft. Dieser soll nun bereit sein, die Halle für 60.000 Euro zwei Jahre lang zu vermieten. Für Instandsetzungs- und Umbauarbeiten rechnet die Stadt mit 165.000 Euro. Dazu kommen 25.000 Euro für Versicherung und Sachverständigenaufwand. Weil das Gebäude aus zwei getrennten Teilen besteht, wäre es sogar denkbar, einen Teil für das Landestheater herzurichten und einen für die „Heimat“.

Der Kulturausschuss soll in Schleswig auf einer Sondersitzung am Donnerstag, 7. Juli, ab 17 Uhr über das Angebot beraten. Die Entscheidung trifft dann die Ratsversammlung. Die Stadtverwaltung spricht sich klar für die Lagerhallen-Lösung aus. Und auch als die Mitglieder des Hauptaussschusses nach ihrer Sitzung am Montag sich gemeinsam die Immobilie ansahen, waren die Reaktionen überwiegend positiv. Die Fraktionschefs von SPD und CDU, Stephan Dose und Holger Ley, können sich beide eine Zustimmung vorstellen, verweisen aber darauf, dass das Thema noch nicht in den Fraktionen besprochen worden sei. Auch Ratsherr Ingo Harder, der mit seiner Wählergemeinschaft BfB bereits 700 Unterschriften für die Zeltlösung gesammelt hat, hält die Halle zum gegenwärtigen Zeitpunkt für die beste Variante. „Die Unterschriften werden wir trotzdem abgeben – für den Fall der Fälle, dass es mit der Halle doch nicht klappt“. Im Raum steht auch nach wie vor die Möglichkeit, den Mietvertrag für den Saal im Slesvighus zu verlängern, in dem das Landestheater derzeit spielt. Mit 300 Plätzen wäre er aber zu klein für die großen Comedy-Abende der „Heimat“.

Mit der Lagerhalle auf der Freiheit hingegen könnte „Heimat“-Macher Mario Hoff leben. „Wenn ich die Kapazitäten habe, bekomme ich mein Publikum überall hin“, meint er. „Ich wünsche mir vor allem, dass ich endlich Planungssicherheit habe.“ Landestheater-Generalintendant Peter Grisebach war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Es wird jedoch kolportiert, dass er die Halle als Spielstätte akzeptieren würde.

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