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Wildwechsel : In der Dämmerung wird’s gefährlich

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Im Kreis Schleswig-Flensburg ereignen sich fast 2300 Wildunfälle pro Jahr. Jetzt ist Brunftzeit beim Damwild: Jäger und Versicherer warnen Verkehrsteilnehmer.

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erstellt am 03.Okt.2015 | 18:29 Uhr

Der Herbst ist nicht die liebste Jahreszeit der Autofahrer. Es wird früher dunkel, Nebel behindert häufig die Sicht und es ist gerade in ländlichen Regionen nicht unwahrscheinlich, dass plötzlich Wild im Scheinwerfer-Kegel auftaucht. Brunftzeit, Erntezeit, Unfallzeit. „Im Herbst ist es für das Wild besonders gefährlich, weil durch die Ernte, insbesondere von Mais, den Tieren plötzlich die Deckung fehlt“, sagt der stellvertretende Kreisjägermeister und Vorsitzende der Hochwild-Hegegemeinschaft Schleswig, Friedhardt Rickertsen. Er rät Autofahrern dringend dazu, ihre Fahrweise der besonderen Lage anzupassen.

Die Gefahr lauert im Kreisgebiet nicht nur in Bereichen, wo großflächig der Mais abgeerntet wird und Damwild, Rehe, aber auch Wildschweine auf der Suche nach Schutz sind, sondern vor allem auch in Waldgebieten. „Im Oktober ist die Brunftzeit beim Damwild“, erklärt Rickertsen. Die Tiere durchstreifen das Gelände und überqueren die Straßen auf dem Weg zu ihren Brunftplätzen.

Besonders gefährlich sei allerdings auch die unfreiwillige Begegnung mit Rotwild. „Im Oktober steht plötzlich ein Hirsch vor einem, ein Tier von mehr als 100 Kilo.“ Komme es zum Zusammenstoß, sei das nicht nur für das Tier meist tödlich, sondern auch für die Fahrzeuginsassen lebensgefährlich, so Rickertsen. Weil das Rotwild langbeinig sei, bestehe die Gefahr, dass das Tier durch die Windschutzscheibe ins Fahrzeuginnere geschleudert werde. Besondere Vorsicht ist nach den Worten Rickertsens auf der Betonstraße im Bereich des Jardelunder Moores geboten, wo bis zu 100 Hirsche unterwegs seien.

Dass Wildunfälle keine Seltenheit sind, belegen die Zahlen der Unteren Jagdaufsicht beim Kreis. Dort wird das „Verkehrsfallwild“ gemeldet, das von den Jägern der Hegeringe im Kreis tot eingesammelt oder, bei verletztem Wild, von seinem Leid erlöst wird. Zwischen dem 1. April 2014 und dem 31. März 2015 kamen demnach im Straßenverkehr 2019 Rehe ums Leben, hinzu kamen 79 Stück Damwild, 90 Füchse, 21 Stück Sikawild, zwei Rothirsche, ein Wildschwein und 17 Marderhunde.

Anders als beispielsweise der Nachbarkreis Rendsburg-Eckernförde treibt der Kreis Schleswig-Flensburg nach wie vor Jagdsteuer ein (es ist die einzige Steuer die der Kreis erheben kann). Weil aber ein Teil des Geldes an die Jäger zurückfließt, beispielsweise zum Erhalt von Schießständen, sind diese bereit, sich um das Fallwild zu kümmern, das heißt: bei Wind und Wetter bereit sein, falls es auf den Straßen im Revier kracht. „Das ist auch ein Stück Öffentlichkeitsarbeit für uns“, sagt Rickertsen, der aber zudem betont, dass die Jagdverbände die Politik ständig daran erinnern, dass die Jagdsteuer nicht gerechtfertigt sei.

Angesichts einer jährlichen Versicherungsleistung von bundesweit 560 Millionen Euro (2013) durch Wildunfälle rät der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) zur Vorsicht.

So ist es richtig: Warnschilder (Wildwechsel) ernst nehmen. An Wiesen, Feldern und Wäldern vor allem in der Dämmerung die Geschwindigkeit verringern. Wenn Wild auftaucht, hupen. Nicht mit Fernlicht aufblenden, das verwirrt die Tiere, so dass sie oft instinktiv auf die Lichtquelle zulaufen. Ausweichmanöver vermeiden. Wird ein Tier angefahren, dieses nicht berühren (Tollwutgefahr). Absichern der Unfallstelle: Warnblinklicht einschalten und das Warndreieck aufstellen. Polizei benachrichtigen. Wildbescheinigung vom zuständigen Förster oder Jagdpächter ausstellen lassen. Fotos von Unfallort, Tier und Fahrzeug machen. Versicherer anrufen. 

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