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Schleswiger Nachrichten

24. November 2017 | 21:39 Uhr

Segelabenteuer : In acht Jahren um die Welt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die abenteuerliche Reise von Familie Jacosen begann auf den Britischen Jungferninseln und endete jetzt in Oeversee

shz.de von
erstellt am 15.Sep.2013 | 07:00 Uhr

„Drei Tage lang jagten die Böen mit unglaublichen 75 Knoten über unser Schiff und die Wellen waren unvorstellbar hoch. Mit so einem Orkan hatten wir gar nicht gerechnet, denn der Wetterbericht hatte keine extremen Stürme vorausgesagt.“ Während Holger Jacobsen von dem schlechtesten Wetter seiner Weltumseglung erzählt, scheinen die Erinnerungen wie in einem Film vor seinem inneren Auge abzulaufen. „Wir hatten Angst, dass wir da nicht mehr lebend rauskommen.“ Doch die Dharma Bum III trotzte dem Wetter und Holger Jacobsen konnte zusammen mit seiner Frau Gloria (43) und seiner Tochter Aurora Ulani (9) das Schiff wohlbehalten vor Colon (Panama) ankern.

Insgesamt acht Jahre waren die drei mit ihrem zwölf Meter langen und 6,4 Meter breiten französischen Katamaran auf den Meeren der Welt zu Hause. Im Juli endete ihre große Tour und die Familie mietete sich in Oeversee eine Wohnung. Damit kehrte Holger Jacobsen nach 31 Jahren wieder in seinen Heimatort zurück, wo seine Eltern und Geschwister sowie einige alte Freunde leben.

Den Wunsch, die Welt auf dem Wasser zu erkunden, hatte Holger Jacobsen schon als Kind. Mit seiner taiwanesischen Frau Gloria, die er in den 1980-ern bei einem Auslandsjahr in Taiwan kennenlernte, hatte er dafür die ideale Partnerin gefunden. Sie heirateten und blieben in Taiwan. Um das nötige Geld für die Weltumseglung zuverdienen, eröffneten sie eine Sprachschule, in der die beiden als Lehrer arbeiteten.

Aber dass es gar nicht so einfach ist, die Welt zu umsegeln, mussten auch Holger und Gloria Jacobsen erleben: Drei Anläufe brauchte es, bis es klappte: 1987 scheiterten sie, als ihr Motor kaputt ging. 1995 schlug ein Blitz in das Boot ein.

Holger Jacobsen hoffte aber weiter auf die große Tour: „Als meine Frau vorschlug, es noch ein letztes Mal zu probieren, war ich sofort Feuer und Flamme.“ Es dauerte aber noch zwei Jahre, bis die beiden ihre Sprachschule in Taiwan verkaufen konnten und das passende Boot gefunden hatten.

2005 war es dann soweit: Zusammen mit der damals eineinhalb Jahre alten Tochter ging es von Tortola (Britische Jungferninseln) hinaus in die weite Welt. Holger Jacobsen erinnert sich: „Vor der Reise hatten wir mit verschiedenen Herausforderungen gerechnet.“

Aber es kam anders als gedacht: „Das größte Problem war nicht das Wetter, nicht die Piraterie. Es waren die Visa“ Denn Gloria Jacobsen besitzt nur einen taiwanesischen Pass, mit dem sie aber in den wenigsten Ländern ein längeres Visum bekam. So musste die Familie häufig lange um die Einreise kämpfen.

Waren sie dann auf dem Weg zum nächsten Hafen, ging die Gefahr vor allem von anderen Schiffen aus. Riesige Dampfer düsen so schnell über die Weltmeere, dass sie kleinere „Nusschalen“ erst sehr spät oder gar nicht wahrnehmen. Um nicht mit den „Riesen“ zusammenzustoßen, schoben Holger und Gloria Jacobsen im Sechs-Stunden-Rhythmus Wache.

„Alle anderen Aufgabenbereiche waren auf dem Schiff klar getrennt“, betont Jacobsen, der sich um die Maschinen kümmerte und das Boot reparierte, während seine Frau kochte. „Es gab nicht nur Fisch, sondern ich habe meistens chinesisch gekocht“, erzählt Gloria Jacobsen. Die Lebensmittel sowie genügend Trinkwasser für den nächsten Turn wurden bei Landgängen gekauft.

In den acht Jahren war die Familie bis zu einem Jahr an Land. Zwischen den Landgängen verbrachten sie manchmal mehrere Monate auf dem Wasser.

Die Familie lebte während der gesamten Zeit auf sehr engem Raum. „ Klar hat man auch mal zu Streit. Aber da wir es vorher schon gewohnt waren, uns 24 Stunden am Tag zu sehen, wussten wir, wann der Andere mal Zeit für sich braucht.“, erklärt Holger Jacobsen, und Gloria Jacobsen betont: „Langweilig wurde es uns auf dem Wasser nicht, denn neben den Alltagsaufgaben mussten wir auch unsere Tochter unterrichten.“ Das Unterrichtsmaterial dafür wurde von der Calvert School, einer Fernschule, geliefert. Trotzdem gibt Holger Jacobsen zu: „ Das kann nicht jeder, man muss schon der Typ dafür sein.“

Aber jede Reise ist irgendwann vorbei. Die Familie verkaufte ihren Katamaran in Trinidad und bezog ihr Heim in Oeversee. Mit einem Online-Shop wollen Holger und Gloria Jacobsen in Zukunft ihr Geld verdienen. Ihre Tochter besucht seit August die 4. Klasse in der Grundschule. Das Fernweh aber bleibt und Holger Jacobsen ist sich sicher: „ Ich werde mich noch oft an die wunderschöne Zeit erinnern und versuchen, so viele meiner Freunde aus aller Welt zu besuchen.“

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