Schleswig : Immer weniger Forensik-Insassen

Den Maßregelvollzug in Schleswig übernimmt das Helios-Klinikum für das Land.
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Den Maßregelvollzug in Schleswig übernimmt das Helios-Klinikum für das Land.

Derzeit sitzen in der Schleswiger Forensik nur noch 66 Patienten – nun werden Stellen abgebaut. Unmut in der Belegschaft

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27. März 2017, 19:16 Uhr

Erst vor knapp anderthalb Jahren hatte das Land kräftig investiert in die Schleswiger Forensische Psychiatrie am Neufelder Weg. 3,8 Millionen Euro kostete damals die Aufstockung von „Haus 10“, um die Patienten großzügiger unterbringen zu können. Mittlerweile sind die Belegungszahlen der auf 89 Plätze ausgelegten Forensik jedoch stark zurückgegangen. Aktuell befinden sich dort nur noch 56 Männer und zehn Frauen hinter Gittern. Und das hat nun auch Konsequenzen für die Mitarbeiter. Die Zahl der Vollzeitkräfte wird von 121 auf 116 reduziert.

Jochen Goerdeler, Leiter des für Maßregelvollzug und Psychiatrie zuständigen Referats im Kieler Sozialministerium, sprach gestern gegenüber den SN von einer „moderaten Personalanpassung“. Kündigungen solle es nicht geben. Stattdessen wolle man vakante Stellen nicht wiederbesetzen. Auch sei es denkbar, dass Mitarbeiter in andere Abteilungen der Fachklinik wechseln.

In der Belegschaft herrscht nach Informationen unserer Zeitung gleichwohl Unmut, seit die Klinikleitung die Pläne unlängst in einer Personalversammlung vorgestellt hat. Der Vorwurf: Es seien zusätzliche Kollegen eingestellt worden, obwohl nicht abzusehen gewesen sei, wie ausgelastet die neuen Stationen sein würden. Auch wird befürchtet, dass es zu einem noch stärkeren Stellenabbau kommen könnte.

Dass die Zahl der suchtkranken Straftäter, die im Schleswiger Maßregelvollzug untergebracht sind, in den vergangenen drei Jahren zurückgegangen ist, liegt nach Angaben von Goerdeler an der veränderten Rechtsprechung. Diese unterliege gerade im Bereich der nach Paragraf 64 des Strafgesetzbuches Verurteilten starken Schwankungen.

Die jüngsten Millionen-Investitionen in die Forensik verteidigte der Ministerialbeamte jedoch. „Aus der Situation heraus war es genau die richtige Entscheidung.“ Goerdeler wies darauf hin, dass die Zimmer in der Forensik zuvor „extrem überbelegt“ gewesen seien. Dieser Zustand sei für die Therapien der Patienten kontraproduktiv gewesen.

Stellung bezog der Referatsleiter auch zu den jüngsten Fällen geflohener Forensik-Insassen. Im vergangenen Oktober hatte zunächst ein aus Algerien stammender 29-Jähriger einen Freigang zur Flucht genutzt. Der Gewalttäter wurde erst vor gut zwei Wochen in Berlin gefasst. In der vergangenen Woche wurde dann in Pinneberg ein 26-jähriger Osteuropäer, der am 17. Februar ebenfalls bei einem Freigang verschwunden war, bei einer Polizeikontrolle festgenommen. Beide Männer sitzen inzwischen wieder am Neufelder Weg hinter Schloss und Riegel. Ihre Fälle würden genau analysiert, sagte Goerdeler. Grundsätzlich seien Lockerungen im Maßregelvollzug jedoch nicht nur gesetzlich vorgeschrieben, sondern für die Patienten auch notwendig. „In aller Regel verläuft das völlig problemlos“, fügte Goerdeler hinzu.

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