Feuerwehr : Imagefilm gegen Mitgliederschwund

Sie werben für die Feuerwehren: Bernd Waschnick (von links), Annelie Sievers, Klaus Nielsky, Johannes Jessen und Klaus Uck.
Sie werben für die Feuerwehren: Bernd Waschnick (von links), Annelie Sievers, Klaus Nielsky, Johannes Jessen und Klaus Uck.

Drei Jahre arbeitete der Förderverein für die Freiwilligen Feuerwehren im Kreis an einem Imagefilm. Mit dem Streifen sollen Mitglieder für die Wehren geworben werden. Das scheint dringend nötig, denn einige sind zeitweise nicht einsatzbereit.

shz.de von
07. März 2014, 07:45 Uhr

Stellen Sie sich vor, Sie kommen mit dem Auto von der Straße ab, überschlagen sich, werden im Fahrzeug eingeklemmt, sind schwer verletzt. Der Rettungsdienst kommt rechtzeitig, aber es gibt niemanden, der Sie aus dem Auto befreien kann. Im schlimmsten Fall sterben Sie an Ort und Stelle. Soweit ist es im Sommer 2011 nicht gekommen, als eine junge Frau auf der B 201 bei Grumby mit ihrem Kleinwagen verunglückte. Rettungssanitäter und Notarzt konnten sie aus dem völlig zerstörten Fahrzeug befreien. Technische Hilfe war nicht nötig – zum Glück. Denn die alarmierte Feuerwehr aus Twedt war nicht ausgerückt, sie war schlicht nicht einsatzbereit. Kein Einzelfall, wie man beim Kreisfeuerwehrverband bestätigt, und Grund genug, die Mitgliederwerbung zu verstärken. Das hat sich auch der Förderverein der Feuerwehren im Kreis auf die Fahnen geschrieben. Er nahm den Unfall von 2011 zum Anlass, einen Imagefilm zu drehen.

Ziel dieses Films ist es in erster Linie, neue Mitglieder für die 190 Feuerwehren in den Dörfern des Kreises zu gewinnen. Denn die Zahlen sind in den vergangenen zehn Jahren stetig gesunken – von 7093 auf inzwischen nur noch 6545 Aktive. Aus Sicht des Kreisfeuerwehrverbandes ist das der wesentliche Grund dafür, dass die Einsatzbereitschaft in vielen Dörfern – wie vor zwei Jahren in Twedt – nicht durchgängig gegeben ist.

Aber es ist nicht der einzige Grund. „Ein großes Problem ist, dass vielen Menschen das Bewusstsein fehlt, dass Hilfe nicht automatisch kommt, sondern jemand wie du und ich von der Arbeit losfährt, um andere gegebenenfalls aus ihrem verunglückten Auto zu schneiden.“ Das sagt Annelie Sievers, Geschäftsführerin der Kreisfeuerwehrverbandes und Leiterin des Löschzuges Gefahrgut.

Das Beispiel verunglückter Verkehrsteilnehmer mache zudem deutlich, dass Engagement in der Feuerwehrdienst inzwischen weit mehr bedeutet als nur das Löschen von Gebäuden. Der Dienst in der Feuerwehr habe auch viel mit Technik zu tun, ergänzt der amtierende Kreiswehrführer Bernd Waschnick. Dies gelte es zu kommunizieren. Und gerade das gelinge in dem Film des Fördervereins sehr gut, sagt er. Schnelle Schnitte, wenige Worte – bereits auf vier Versammlungen sei das gut angekommen.

Dabei ist sowohl dem Verband als auch dem Förderverein klar, dass das Setzen auf die Jugend inzwischen kein Allheilmittel mehr für den leidenden Brandschutz ist. Die Leistungsverdichtung in der weiterführenden Schule, Nachmittagsunterricht und auch die Änderung der Konsumgewohnheiten junger Menschen bereiten nicht nur Sportvereinen und Musikschulen Sorgen, sondern eben auch den Jugendwehren. Waschnick: „Wir hatten schon Austritte, weil die Jugendlichen das nicht mehr unter einen Hut bekommen haben.“

Der Fokus richtet sich daher zunehmend auch auf junge Familien, die ihre Kinder bekommen und ihr Häuschen gebaut haben. Mancher Wehrführer geht mit dem Bürgermeister inzwischen in Neubaugebieten von Tür zu Tür, um Neubürger zu begrüßen und ihnen die Wichtigkeit des freiwilligen Engagements deutlich zu machen. „Vielen Menschen ist gar nicht bewusst, dass wir hier keine Berufsfeuerwehr haben, sondern der Nachbar kommt, wenn es brennt“, sagt Fördervereinsvorsitzender Klaus Nielsky.

Der ehemalige Bürgermeister der Stadt Schleswig (1990 bis 2002) ist besorgt, denn er weiß, was geschieht, wenn der Brandschutz durch die ehrenamtlichen Helfer nicht mehr in ausreichendem Maße gewährleistet werden kann. „Dann kommen Zwangsfeuerwehren – zwei gibt es mit Sylt und Burg in Dithmarschen schon im Land.“

Die Arbeiten an dem knapp dreiminütigen Image-Film, den der Förderverein komplett selbst produziert hat, dauerten insgesamt drei Jahre. Das Equipment dafür stellte der Offene Kanal zur Verfügung, vor die Kamera traten Feuerwehrkameraden. Manchmal sind die treibenden Kräfte der Produktion – Nielsky und Vereinskollege Klaus Uck – im Bild zu sehen, quasi als stille Beobachter jener Verkehrsunfall-Szene, die eingangs beschrieben wird. Diesmal allerdings mit Feuerwehr und Happy End.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen