Verkauf gescheitert : Im Schleswiger Bahnhof gehen die Lichter aus

Die Bahnhofsmission hat nur noch drei Helfer: Renate Erichsen, Volker Schlüter und Alfred Koscink. Foto: oje
Die Bahnhofsmission hat nur noch drei Helfer: Renate Erichsen, Volker Schlüter und Alfred Koscink. Foto: oje

Der Schleswiger Bahnhof gibt ein trostloses Bild ab: Der Verkauf ist gescheitert und der Kiosk erneut geschlossen.

Avatar_shz von
23. März 2013, 11:30 Uhr

Schleswig | Der Kiosk hat nach nur gut einem Jahr mit neuem Pächter schon wieder geschlossen. Der Verkauf des Gebäudes an den Immobilienunternehmer Hermann Heyer ist vorerst gescheitert - und jetzt hat auch noch die Bahnhofsmission ihr Angebot massiv eingeschränkt. Der Bahnhof - eigentlich die Visitenkarte einer jeden Stadt - gibt in Schleswig ein trostloses Bild ab.

Wie berichtet, war der Versuch der Bahn AG gescheitert, das rund hundert Jahre alte denkmalgeschützte Bauwerk über den Weg einer Auktion zu verkaufen. Der Interessent, der für 193.000 Euro den Zuschlag bekommen hatte, sprang vor wenigen Wochen ab. Gegenüber dem sh:z erklärte Heyer jetzt auch, warum: Er meint, die Bahn habe im Auktionskatalog höhere Mieteinnahmen angegeben, als tatsächlich zu erzielen seien. Mit dem Versuch, den Kaufpreis im Nachhinein um 18.000 Euro zu drücken, biss er jedoch auf Granit. Nach Auskunft von Unternehmenssprecher Egbert Meyer-Lovis soll der Bahnhof nun ab April erneut zum Verkauf angeboten werden - möglicherweise auch wieder mit einer Versteigerung. Heyer möchte dann erneut mitbieten.

Kiosk ist erneut seit einigen Wochen geschlossen

Auch dass der Bahnhofskiosk seit wenigen Wochen geschlossen ist, soll mit der Unsicherheit zusammenhängen, wem das Gebäude künftig gehört und welche Pläne ein möglicher neuer Eigentümer verfolgt. Allerdings lag auf dem Laden schon längere Zeit kein Segen. Bevor der letzte Pächter, Reinhard Lemke, Ende 2011 einzog, stand der Kiosk mehr als ein Jahr leer. Lemke betreibt jetzt einen Laden in der Mozartstraße am Brautsee.

Auch die weithin sichtbaren Helfer der Bahnhofsmission sind nicht mehr so häufig auf den Bahnsteigen zu sehen wie noch im vergangenen Jahr. Das allerdings hat andere Ursachen. Ein Großteil der ehrenamtlichen Mitarbeiter hat die Mission verlassen. Einer der Gründe war, dass im Zuge der Kirchenkreis-Fusion die evangelischen Gemeinden Friedrichsberg und St. Michaelis die Trägerschaft abgaben. Jetzt sind Diakonie und Caritas verantwortlich. Es sind nur noch drei Helfer übrig, die sich die täglichen Schichten aufteilen. Für die ausgeschiedenen Leiter Andrea Kalthoff und Otto Reutelsterz gibt es bisher keine Nachfolger. Die verbliebenen Volker Schlüter, Alfred Koscink und Renate Erichsen unterstützen behinderte Reisende beim Ein- und Aussteigen, geben Auskünfte und helfen Menschen weiter, die zum Beispiel ohne Geld für eine Fahrkarte in Schleswig gestrandet sind.

Im vergangenen Jahr kam die Bahnhofsmission im Schnitt auf ein Dutzend große und kleine Einsätze pro Tag. Jetzt sind es weniger, denn ihre Anlaufstelle ist nicht mehr neun Stunden täglich besetzt, sondern nur noch werktags von 10 bis 14 Uhr. Um dies zu ändern, suchen Diakoniepastor Thomas Nolte (Tel. 0461/48083030) und Caritas-Leiter Norbert Kock (Tel. 0461/23174) nun nach neuen ehrenamtlichen Kräften.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen