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Vor der Entscheidung um den Theater-Neubau : Im Rathaus liegen die Nerven blank

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Am Donnerstag stimmt die Ratsversammlung über das Theater auf dem Hesterberg ab. CDU-Mann Heinrich Bömer könnte zum Zünglein an der Waage werden.

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erstellt am 25.Feb.2014 | 07:45 Uhr

Am Ende richteten sich wieder alle Augen auf Heinrich Bömer. Der CDU-Ratsherr enthielt sich gestern Abend der Stimme, als nach fast vier Stunden Diskussion die Ausschüsse der Ratsversammlung ihre Empfehlung für den Bau des Theaters auf dem Hesterberg abgaben. Es war genau wie im Dezember, als das Thema schon einmal auf der Tagesordnung der städtischen Gremien stand. Während der Rest der CDU-Fraktion gegen den Theaterbau stimmte, enthielt Bömer sich auch damals. Allerdings nur in den Ausschüssen. Wenige Tage später in der Ratsversammlung war er wieder auf Parteilinie.

Sollte es an diesem Donnerstag wieder so kommen, würde die entscheidende Rats-Abstimmung genau so enden wird wie im Dezember: 13 Stimmen von SPD und SSW für den Neubau, 13 Stimmen von allen anderen Ratsmitgliedern dagegen. Antrag abgelehnt. Damals wie heute wollte Bömer sein Stimmverhalten nicht kommentieren.

Die Nerven liegen blank. Das war gestern während jeder Sekunde der Marathon-Ausschusssitzung zu spüren. Anderthalb Stunden dauerte allein die Einwohnerfragestunde. Vor allem Mitglieder der Bürgerinitiative Zukunftswerkstatt und der Wirtschaftsinitiative „Pro Lollfuß“ hielten flammende Appelle für den Erhalt des bisherigen Theaterstandortes – sei es nun mit einem Neubau oder mit der Sanieung des alten Stadttheaters, das seit zweieinhalb Jahren gesperrt ist. Ein Name fiel dabei immer wieder: Der des Bau-Ingenieurs Günther Harenberg aus Lindaunis. Er ist zum großen Hoffnungsträger der Lollfuß-Befürworter geworden, seit er in der vergangenen Woche nach einem Rundgang durch das Theater erklärte, es sei nicht akut einsturzgefährdet und mit geringem Aufwand wieder zu stabilisieren.

Wie diese Einschätzung einzuordnen ist, darüber gab es auch nach stundenlanger Debatte keine Klarheit. Der CDU-Ortsvorsitzende Helge Lehmkuhl war der erste, der eine Protokoll-Notiz aus dem Jahr 2011 hervorholte, in der die Sanierungskosten auf rund 8,7 Millionen Euro geschätzt wurden. Die Kosten nur für die Standsicherung seien deutlich geringer, meinte er (siehe Interview in der linken Spalte). Klaus Bosholm (SPD) hielt dem entgegen, dass das alte Gebäude viele weitere Mängel habe wie zum Beispiel feuchte Räume, die nicht mehr zu benutzen seien.

Für Bürgermeister Arthur Christiansen spielte dieser Streit ohnehin nur eine Nebenrolle. Er sagte: „Zum Hesterberg gibt es keine Alternative.“ Das sei keine Drohkulisse, sondern eine Beschreibung der Tatsachen. „Wenn wir uns nicht für den Hesterberg entscheiden, werden wir gar kein Theater mehr haben.“ Er las ein Brief aus Kiel von Kulturministerin Anke Spoorendonk vor, in dem sie noch einmal klarstellt, dass die Zuschüsse von Land und Kommunalem Investitionsfonds „endverhandelt“ seien. Christiansen verwies darauf, dass der Hesterberg als Standort für das neue Theater im Haushaltsbegleitgesetz des Landtages festgeschrieben sei. Wollte man dies neu verhandeln, bestehe die Gefahr, aus dem Kommunalen Finanzausgleich gar kein Geld mehr zu bekommen, weil es inzwischen viele andere Begehrlichkeiten gebe.

Klaus Bosholm vermutete, die CDU wolle in Wahrheit gar kein Theater. Otmar Petersen (SSW) mutmaßte, es gehe den Christdemokraten „nicht ums Theater, sondern um eine Retourkutsche nach der verlorenen Landtagswahl.“ Das wies Helge Lehmkuhl entschieden zurück. Das Wort „Hesterberg“ aus allen Beschlüssen zu streichen, sei „bloß ein Federstrich“.

Aber nicht nur die Standortfrage erhitzte die Gemüter. Auch das Geld. Als CDU im Dezember gegen den Theater-Neubau stimmte, begründete sie das nicht mit dem Standort, sondern mit ihrer Sorge, die Stadt würde mehr als die vereinbarten fünf Millionen Euro zu dem 14-Millionen-Vorhaben beisteuern müssen.

Aus Sicht von SPD, SSW und Bürgermeister sind diese offenen Finanzierungsfragen mittlerweile geklärt. Nicht so für die CDU. Sie erkundigte sich unter anderem nach den Folgekosten für den Betrieb des neuen Theaters und erfuhr vom Bürgermeister, dass mit jährlich 1 083 000 Euro zu rechnen seien – im Vergleich zu 587 000 Euro für das alte Stadttheater.

Einen am Wochenende veröffentlichten Antrag von CDU und Grünen, dem Bürgermeister „zivilrechtlich und strafrechtlich in Anspruch zu nehmen“, falls er den Kostenrahmen überschreite, hatten die Fraktionen bereits vor der Sitzung wieder zurückgenommen.

 


>Die entscheidende Sitzung der Ratsversammlung beginnt am Donnerstag, 27. Februar, um 17.30 Uhr im Ständesaal des Rathauses.

 

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