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Helios-Klinikum Schleswig : Im Notfall zählt jede Sekunde: Die Geschichte eines Unfallopfers

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Wie Holger Mordhorst nach einem schweren Verkehrsunfall im Schockraum des Krankenhauses das Leben gerettet wurde.

Wie es ist, schwerverletzt dazuliegen, bis der Rettungswagen kommt – daran kann sich Bankkaufmann Holger Mordhorst (55) aus Stolk noch heute, ein Jahr nach seinem Verkehrsunfall, minutiös erinnern. Es war am 13. Juli um die Mittagszeit, auf der Nachhause-Fahrt im Auto auf der B76, Höhe Idstedt/Arenholz, als es passierte. Vor ihm gerät der Anhänger eines Fahrzeugs, mit Stallgitterteilen beladen, immer mehr ins Schlingern. Das Ganze bei etwa 100 Stundenkilometern. „Mir war schon mulmig zumute, als ich das beobachtete“, berichtet Mordhorst, „aber ich hatte nicht damit gerechnet, dass sich die Gitter tatsächlich lösen und frontal in mein Auto stoßen würden.“ Sekunden später wurde es dunkel vor seinen Augen.

Dass Holger Mordhorst seine lebensbedrohlichen Verletzungen von damals gut überstanden hat und seit kurzem auch wieder bei der Bank im Friedrichsberg arbeiten kann, dafür ist er seinem Schicksal, besonders aber seinen Ärzten im Trauma-Zentrum des Schleswiger Helios-Klinikums, dankbar. Beide Seiten, Patient Mordhorst sowie Oberarzt Dr. Alexander Kießling und Chefarzt Dr. Volker Stein, schildern im Gespräch mit den SN, worauf es ankommt in der Rettungskette. Welche Logistik und Organisation dahinter stecken, um Menschen nach Unfällen wie diesen schnellstmöglich zu behandeln.

Der Unfall und die Ersthelfer

Nach dem Aufprall an jenem 13. Juli umgibt Holger Mordhorst Dunkelheit. „Ich hatte einen lauten Knall gehört, der von den Airbags kam, die sich vor meinem Kopf entfalteten.“ Sein erster Retter ist der Mann, der hinter ihm gefahren war. Der hievt nun den Verletzten aus dem Auto, während ein anderer gleichzeitig die Rettungsleitstelle unter 112 alarmiert.

Holger Mordhorst selbst registriert nach und nach, was geschehen ist mit ihm: „Ich konnte beide Beine nicht bewegen, mein linker Arm stand im 45-Grad-Winkel schräg zur Seite, und ich konnte sehen, dass der nackte Knochen rausragte. Richtig atmen ging nicht mehr.“ Da weiß er noch nicht, dass auch sein Brustbein gebrochen war.

Waren denn die Schmerzen bei derart schweren Verletzungen nicht unerträglich? „Seltsamerweise nicht, Schmerz habe ich nur wenig verspürt“, sagt er. Wenig später hört Mordhorst Leute rufen, dass sein Auto beginnt zu qualmen. Schnell wird er daraufhin von Passanten nochmals angehoben, um ihn in Sicherheit auf die Straßenbankette zu bringen. „Ich bin groß und wiege etwa zwei Zentner. Das Anheben war sicherlich nicht leicht, das tat mir auch sehr weh.“ Was wohl am beiderseitigen Fußknöchelbruch gelegen hat, meint er.

Der Notarzt kommt

Das Auto ist schon vollständig ausgebrannt, als der Notarztwagen kommt – genau sechs Minuten nach der Alarmierung. Nach der Erstversorgung rast das Rettungsteam mit Holger Mordhorst direkt ins Trauma-Zentrum des Helios-Klinikums. Dort hört er vom Notarzt den Satz: „Wir lösen Schockraum aus“.

Im Schockraum

Was das bedeutet, erläutert Alexander Kießling, Unfallchirurg und Mordhorsts behandelnder Arzt. Der Schockraum ist Teil der Notambulanz. „Dorthin kommen Schwerverletzte als erstes, um alle Vitalfunktionen zu überprüfen oder auch wieder herzustellen.“ Ziel ist es, in kürzester Zeit alle Verletzungen des Patienten zu erkennen. Dafür stehen Ärzte und Pflegekräfte verschiedener Fachrichtungen bereit, die Hand in Hand zusammenarbeiten – in geübter Schnelligkeit und in klar strukturierten Abläufen. Der Schockraum sei standardmäßig ausgestattet mit modernsten Apparaten, Laboren, Beatmungsmaschinen, Röntgen- und Infusionsgeräten. Der Patient kann hier apparativ überwacht, gegebenenfalls beatmet werden. Direkt dahinter befindet sich der Computertomograf (CT). Die radiologische Diagnostik gibt einen ersten Überblick, etwa ob innere Blutungen da sind.

Im Durchschnitt kommt ein Schwerverletzter pro Woche hierher und erfährt lebensrettende Erstbehandlung, berichtet Chefarzt Volker Stein. „Der Faktor Zeit spielt im Schockraum eine entscheidende Rolle und wird deshalb ständig überprüft“, ergänzt Kießling, der regelmäßig Daten aus der Schleswiger Klinik ins Netz des Trauma-Registers der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie einspeist. „Anhand dieser Statistik können wir erkennen, dass wir gut sind“, betont er.

Die OP

Patient Holger Mordhorst hat das am eigenen Leib erfahren, bestätigt er. Nach der Schockraum-Behandlung hatte Kießling ihn fünf Stunden lang operiert. „Zusammengeflickt“, sagt Mordhorst dazu. Dabei bewegt er seinen Fuß, dreht sein Handgelenk – und freut sich: „Funktioniert gut, alle Teile wieder dran.“ Ob ihn sein Unfall verändert habe? Ja, dankbarer fürs Leben sei er. Und dann: „Ich bin spontaner geworden. Wenn ich zum Beispiel die Idee habe, schön essen zu gehen, mach’ ich das noch am selben Tag und verschieb es nicht mehr.“

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erstellt am 15.Jul.2017 | 07:10 Uhr

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