ZDF-Krimi : Im Kloster kühl kombiniert

Winter drinnen und draußen: Die Kommissarin (Natalia Wörner)  suchte in der schneebedeckten Kloster-Kirche die Wahrheit. Foto: ZDF/Laewen
Winter drinnen und draußen: Die Kommissarin (Natalia Wörner) suchte in der schneebedeckten Kloster-Kirche die Wahrheit. Foto: ZDF/Laewen

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09. November 2010, 09:07 Uhr

Schleswig | Die vereiste Schlei in der Wintersonne, die Allee am St.-Johannis-Kloster, das Kloster im Schnee, das Polizeirevier in der alten Bischofskanzlei, das erste Fischerhaus auf der Freiheit, der Holm und immer wieder das winterliche Schleswig mit Dom und Kloster aus der Vogelperspektive - diese Bilder machten gestern Abend zur besten Sendezeit den im vergangenen Winter gedrehten fünften Teil der Reihe "Unter anderen Umständen - Tod im Kloster" für Schleswig-Liebhaber zu einem optisch besonders ansprechenden ZDF-Fernseherlebnis.

Die von ihrem Vater als Jugendliche vergewaltigte Lena Brandner (Annett Renneberg) gestand: "Ich musste ihn töten, damit das alles endlich aufhört." So kam die Botschaft des Films klar zum Ausdruck - Missbrauchsopfer werden von den erlittenen Qualen ihr Leben lang verfolgt und können sie unter normalen Umständen nicht verarbeiten.

Lena Brandner hatte sich ins Kloster zurückgezogen, denn sie wollte Trost im Glauben finden. Ihr Geständnis war allerdings falsch und Jana Winter (Natalia Wörner) als Kommissarin gut genug, um das bald zu bemerken. Lena wollte nur ihre jüngere Schwester Corinna in Schutz nehmen. Sie sah sich in ihrer Schuld, weil sie ihr Jahre zuvor, als nach der älteren auch die jüngere Tochter vom Vater missbraucht wurde, nicht hatte helfen können.

Neben den weiblichen Hauptrollen spielte Martin Brambach (Dezernatsleiter Arne Brauner) in einer Szene überzeugend einen kurzen Rückfall in den Alkoholismus und Ralph Herforth (Kommissar Matthias Hamm) weniger überzeugend einen nervigen Proll, der andauernd aß und trank - bevorzugt Schoko-Croissants und Bier. Als sich alle drei Kollegen Winters nacheinander aus dem gleichen Grund in ihrer Wohnung einfanden, wurde es gegen Ende des Films wenigstens einmal richtig komisch. Und das, obwohl der Anlass traurig war: Eine Leiche war als Winters vermisster Mann identifiziert worden.

Das Produktionsteam hatte im Januar alles daran gesetzt, die Außendreharbeiten vollständig im schneebedeckten Schleswig abzuschließen. Davon versprach man sich und den Zuschauern außergewöhnliche Bilder und eine besondere Stimmung, die ins Mystische gehen und an den Kino-Klassiker "Der Name der Rose" erinnern sollte. Das gelang in Ansätzen, und so wurden zwei Dinge deutlich: Schleswig ist im Winter besonders schön und auch das ZDF macht aus einer kleinen Stadt nicht zwangsläufig großes Kino.

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