Ehrenamtlich unterwegs : Im Einsatz für ein sauberes Schleswig

Mit Feuereifer war der neunjährige Zayan Ahmad (vorne) in der Friedrichstraße frühmorgens als Müllsammler mit Warnweste und Greifarm unterwegs.
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Mit Feuereifer war der neunjährige Zayan Ahmad (vorne) in der Friedrichstraße frühmorgens als Müllsammler mit Warnweste und Greifarm unterwegs.

Mitglieder der islamischen Ahmadiyya-Gemeinde befreiten die Straßen der Stadt gestern Vormittag vom Silvester-Müll.

shz.de von
03. Januar 2015, 07:21 Uhr

Zu Silvester sorgten sie für staunende Blicke gen Himmel, doch spätestens am nächsten Morgen sind die Silvesterraketen nur noch Schall und Rauch und haben vor allem eines hinterlassen: Müll. Die Böller wiederum verfärben den Asphalt lange nach ihrem Gebrauch von mausgrau in orangerot und erinnern selbst dann noch an den Jahreswechsel, wenn man die ersten Vorsätze schon wieder vergessen hat und damit nachweislich im neuen Jahr angekommen ist.

In Schleswig sorgt allerdings die Jugendorganisation der Ahmadiyya Muslim Jamaat – zu Deutsch Muslim-Gemeinschaft – seit 17 Jahren dafür, dass der gröbste Dreck schon am Tag nach Neujahr aus dem Stadtbild verschwindet. Gestern war es wieder so weit: Morgens um 8 Uhr trafen sich die jungen und alten Männer auf dem dunklen Hof der Bugenhagenschule, wo die Mitarbeiter der Schleswiger Stadtwerke in guter Tradition bereits vorgefahren waren, um neben Müllgreifern und Handschuhen auch blaue Säcke zu verteilen.

Eine wichtige Neuerung gegenüber den Vorjahren gab es allerdings: Diesmal waren es nicht nur Muslime alleine, die sich orange-farbene Warnwesten überstreiften, sondern „zum ersten Mal sind unter den 21 Teilnehmern auch drei Gäste“, freute sich Tahir Chaudhry über die Unterstützung von Seiten der Grünen Jugend. Damit ging ein Wunsch in Erfüllung, den die Schleswiger Mitglieder der Ahmadiyya-Gemeinde schon seit vielen Jahren geäußert hatten: Der gemeinsame Neujahrsputz aller Bürger, egal welchen Glaubens.

So wie in Schleswig beteiligten sich laut Tahir Chaudhry bundesweit in 239 Orten rund 5000 der 30  000 Ahmadiyya-Mitglieder an dieser Aktion. Und dass diese Arbeit keine Last ist, sondern vielmehr Spaß machen kann, zeigten schon die jüngsten Müllsammler. Deshalb waren die beiden Jungs Zayan (9) und Hozefa (11) bereits zum zweiten Mal bei der Aktion dabei. Mit Feuereifer machten sie sich daran, nach Plastik und roten Böllerresten Ausschau zu halten und diese mit ihren Greifern in den großen blauen Sack zu schmeißen, den Ammar Ahmad (18) hinter den beiden her trug.

Die Kinder werden schon früh an diesen freiwilligen Arbeitseinsatz herangeführt, dem in der Ahmadiyya-Gemeinschaft der arabische Begriff „Waqar-e-Amal“ („ehrenvolle Arbeit“) gewidmet ist. Im Mittelpunkt steht dabei stets der Gedanke, seinen Beitrag für die Gesellschaft zu leisten sowie das Für- und Miteinander zu fördern – daher auch die Einladung an die Mitbürger, sich am Neujahrsputz zu beteiligen. Doch spätestens seit dem 11. September 2001 gehe es auch darum, dem negativen Bild, das viele Menschen in Deutschland mit dem Islam verbinden, entgegenzuwirken, erklärte Chaudhry. Dies sei heute angesichts der Fanatiker des Islamischen Staats (IS) wichtiger denn je, meinte er.

Dabei ist es sehr wahrscheinlich, dass die weltweit 80 Millionen Mitglieder der 1889 in Indien gegründeten reformislamischen Ahmadiyya-Gemeinschaft selbst ins Fadenkreuz dieser radikalen Islamisten geraten würden, denn sie werden in vielen islamischen Ländern nicht als Muslime anerkannt und von Fanatikern verfolgt. Dieser Hintergrund macht ihren Einsatz für ein friedliches Miteinander umso glaubwürdiger.

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