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Freie Wähler für Schleswig : Im Clinch mit den Ex-Mitgliedern

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Mitgliederversammlung der Freien Wähler für Schleswig (FWS) war geprägt von Formalien.

Es war eine Versammlung der ganz eigenen Art: Ein gutes Dutzend Mitglieder der Freien Wähler für Schleswig (FWS) saß aufgereiht wie bei einem wissenschaftlichen Fachvortrag. Als stille Beobachter in der letzten Reihe: CDU-Bürgermeisterkandidat Frank Neubauer und seine Frau Sabrina. Am Kopfende des Tagungsraumes im Alten Kreisbahnhof hatten der Vorsitzende Arne Olaf Jöhnk und sein Beisitzer Michael Ostrowski hinter ihren Laptops Platz genommen. Die Anspannung stand ihnen ins Gesicht geschrieben. Wären Gurte an ihre Stühlen gewesen, sie hätten sich angeschnallt. Denn sie rechneten mit heftigen Turbulenzen. Mit Björn Sven Bergemann hatten sie eigens einen Rechtsanwalt hinzugebeten, der für einen ordnungsgemäßen Ablauf sorgen sollte.

Aber alles blieb ruhig. Denn zwei Personen, mit denen alle gerechnet hatten, kamen nicht: Die zurückgetretenen stellvertretenden Vorsitzenden Helge Ketelsen und Bärbel Kahlund. Sie hatten kurz nach den Kommunalwahlen ihren Austritt aus den FWS erklärt und liegen seither mit der Wählergemeinschaft im Clinch. Inzwischen betrachten sie ihre Austritte für nicht wirksam, weil in der Satzung ein Verlassen der Wählergemeinschaft nur zum Jahresende vorgesehen ist.

Das Problem wollte der Vorstand nun aus der Welt schaffen: Einstimmig beschlossen die anwesenden Mitglieder, die Ausgetretenen „einvernehmlich“ mit sofortiger Wirkung auszuschließen. Und dann gab es auch noch einen Antrag auf Ausschluss des Vorsitzenden. Schriftlich eingereicht von Helge Ketelsen. Die Versammlung lehnte es einstimmig ab, diesen Antrag überhaupt zu behandeln und ging stattdessen zur Wahl über, um den Vorstand zu komplettieren, der wegen der Austrittswelle nicht mehr beschlussfähig war. Ostrwoski rückte auf vom Beisitzer zum ersten stellvertretenden Vorsitzenden. Zweiter Stellvertreter ist Jörg Ziemert. Neue Beisitzer sind Ingrid Rosendahl und Michael Sager.

Jedenfalls bis auf weiteres. Denn gestern Vormittag tauchten Helge Ketelsen und Bärbel Kahlund doch noch auf. Und zwar in der SN-Redaktion. Sie wollten ihre Sicht der Dinge schildern. Und die lautet: Die Versammlung vom Vorabend hätte so niemals stattfinden dürfen. Die beiden sagen, sie wüssten von Mitgliedern, die nicht ordnungsgemäß eingeladen worden seien. Mithin seien alle Beschlüsse nichtig.

„Eigentlich wollen wir mit den FWS nichts mehr zu tun haben“, sagte Kahlund. Aber dass Jöhnk und Ostrowski die Wählergemeinschaft weiterführen, das möchten sie nicht akzeptieren. Sie werfen ihnen Eigenmächtigkeiten vor und Verrat an den Idealen der Gruppe. Kahlund: „Die FWS ist unser Baby. Wir haben sie gegründet, um uns für Transparenz in der Kommunalpolitik einzusetzen.“ Sie sagen offen, dass sie die Arbeit der Jöhnk-FWS torpedieren wollen. Ob ihnen das mit juristischen Mitteln gelingt, ist offen. Selbst wenn es ihnen gelingen sollte, die Beschlüsse für ungültig zu erklären: Jöhnks politische Arbeit als Mitglied in der Ratsversammlung bliebe davon unberührt.

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erstellt am 12.Sep.2013 | 07:45 Uhr

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