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Abstimmungsprobleme, fachliche Mängel : Im Bauamt knirscht es gewaltig

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Mitarbeiter kritisieren das Teilzeitmodell an der Spitze der Behörde. Der Bürgermeister weist Vorwürfe jedoch zurück.

Es war die Entscheidung von Bürgermeister Arthur Christiansen, die Leitung des Bauamtes aufzusplitten – zu Gunsten zweier Teilzeitkräfte. So teilen sich seit Jahresbeginn Manja Havenstein (37) und Britta Gutknecht (42) den gut dotierten Führungsposten (Besoldungsgruppe A  15). Doch immer stärkere Zweifel werden laut, ob es eine gute Idee war, die Verantwortung für die wichtige Nahtstelle in der städtischen Behörde auf zwei Schultern zu übertragen. Wie auch soll Job-Sharing gerade an dieser Stelle funktionieren, kritisieren einige Ratsfraktionen sowie Rathaus-Mitarbeiter. Also dort, wo alle Fäden zusammenlaufen, wo die Bauprojekte in der Stadt koordiniert und betreut werden müssen, wo Entscheidungen zu treffen sind, wo während eines Arbeitstages ein zeitlich uneingeschränktes Engagement gefragt ist.

Vielfach geäußerte Hinweise gegenüber den SN verdichten sich darauf, dass genau dies alles nicht klappt. Es knirscht gewaltig im Gebälk des Bauamtes – insbesondere, weil das Duo, wie verlautet, seinen Führungsaufgaben nicht nachkomme. Ihre Arbeitszeiten etwa hätten beide Teilzeitler – anders als ursprünglich vorgesehen – nicht aufeinander abgestimmt. So arbeiten beide von Montag bis Donnerstag vorwiegend nur an den Vormittagen und am Freitag gar nicht. Sie sind also meist nicht anwesend an den Nachmittagen. Nur wenn dann Gesprächstermine anberaumt seien oder Bauausschuss-Sitzungen anstünden, würden sie extra zu diesen Anlässen kommen, was dann jedoch als Überstunden zähle. Bei dieser Konstellation sei natürlich der zeitliche Aufwand insgesamt für Abstimmungsgespräche untereinander sowie mit ihren Mitarbeitern im Bauamt enorm hoch. „Das Ganze ist für uns alle der reinste Zeitfresser“, meint ein Insider.

Doch noch schlimmer wiegen einige Vorwürfe, die Britta Gutknecht betreffen. Sie erscheine oft unpünktlich und unvorbereitet zu Besprechungen, kenne häufig nicht ausreichend die Örtlichkeiten bei den Bauprojekten, kümmere sich schlichtweg nicht genug um ihren Job, heißt es. Manja Havenstein dagegen gilt als kompetent und offen für Kritik. Sie erkenne mittlerweile offenbar die Probleme im Amt, die durch die jetzige Situation entstanden seien, wird ihr zugesprochen.

Dass die häufige Abwesenheit der Bauamtsleiterinnen und die dadurch entstehende Mehrarbeit auf die Mitarbeiter abgewälzt wird, liegt in der Natur der Sache. Und das sorgt für mächtig Frust.

Ein Punkt, für den letztlich der Verwaltungschef im Rathaus die Verantwortung trägt. Zumal es im Bauamt heißt, der Bürgermeister ignoriere entsprechende Hinweise. Doch Arthur Christiansen wiegelt auf SN-Nachfrage ab: „Die angebliche Unzufriedenheit kann ich nicht bestätigen. Die beiden Damen arbeiten sehr fleißig und zielorientiert.“ Das werde allein dadurch sichtbar, „was an Produkten rauskommt“. Sämtliche Projekte lägen im Zeitplan und würden „sauber abgearbeitet“, betont Christiansen. Und wenn die Bauamtsleiterinnen nicht im Hause sind, dann seien eben die Fachdienstleiter gefordert, Verantwortung zu übernehmen. „Die werden ja auch nicht schlecht bezahlt.“

Havenstein und Gutknecht wollten sich gegenüber den SN nicht äußern. Heute Vormittag findet indes im Rathaus ein Gespräch zwischen ihnen und dem Bürgermeister statt, in dem es vor allem um die im Raum stehenden Vorwürfe geht.

Bereits im Juni waren die Wogen hoch geschlagen in den städtischen Gremien, nachdem Christiansen beantragt hatte, das Arbeitszeit-Kontingent der beiden Teilzeit-Bauamtsleiterinnen von jeweils 50 auf 60 Prozent heraufzusetzen. Seine Begründung: Beide hätten außerhalb ihrer regulären Arbeitszeit, also quasi „in ihrer Freizeit“, am Nachmittag Ausschusssitzungen und Abstimmungsgespräche wahrgenommen, was die Zahl ihrer Überstunden in die Höhe treibe. Doch das Ansinnen des Bürgermeisters, entsprechend mehr Geld für die beiden zur Verfügung zu stellen, sorgte für viel Wirbel unter den Ratsmitgliedern und wurde schließlich abgelehnt.

Das Job-Sharing-Modell an der Spitze des Bauamtes gilt nach Auskunft des Rathauses als landesweit und eventuell sogar bundesweit einmalig. Die Architektin Manja Havenstein war vor ihrer Elternzeit, die Anfang Dezember 2014 endete, eineinhalb Jahre als alleinige Bauamtsleiterin in Vollzeit tätig. Nach der Geburt ihres Kindes hatte die Beamtin dann ihren Anspruch auf eine Teilzeitbeschäftigung in einer adäquaten Position geltend gemacht. Britta Gutknecht ist Ingenieurin für Landschaftsplanung und Regionalentwicklung. Anfang des Jahres hatte sie die Teilzeit-Konstellation als ein „für sie persönlich riesigen Glücksfall“ bezeichnet. Bevor die zweifache Mutter an die Schlei wechselte, war sie unter anderem bei der Entwicklungsagentur Nord tätig, wo sie für die Projektförderung im Kreis zuständig war und zum Beispiel die Stadt Schleswig in Sachen interkommunales Gewerbegebiet beraten hat. Führungsverantwortung hatte Gutknecht bislang nicht.

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