Lornsenschule : Im Austausch zurück in die Heimat

Möchte gerne nach Schleswig zurück: Sine Mitransky lebt in Frankreich und bringt seit zehn Jahren junge Franzosen in die Schleistadt.
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Möchte gerne nach Schleswig zurück: Sine Mitransky lebt in Frankreich und bringt seit zehn Jahren junge Franzosen in die Schleistadt.

Lehrerin Sine Mitransky kommt aus Schleswig, lebt aber schon seit 21 Jahren in Frankreich und unterrichtet dort an einem Collège die deutsche Sprache – alle zwei Jahre besucht sie mit ihren Schülern die Schleistadt.

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06. Juni 2014, 07:45 Uhr

Hier geht ihr das Herz auf. Sine Mitransky ist Schleswigerin – und das mit Leib und Seele. Sie wurde zwar in Hamburg geboren und lebt mittlerweile im nordfranzösischen Beauvais, aber sobald die Deutschlehrerin auf den Königswiesen steht und auf die Schlei blickt, ergreift sie das Heimweh. „Und es schmerzt“, sagt die 43-Jährige. Die Schleswiger wüssten gar nicht, was sie an ihrer tollen Stadt hätten, findet sie. Deshalb teilt die Lehrerin ihre Heimatliebe mit ihren französischen Schülern aus Argenteuil in der Nähe von Paris. Und das nun schon seit zehn Jahren.

„Auf diese Weise konnte ich das Private perfekt mit der Arbeit verbinden“, sagt Mitransky, die während der Austauschwoche bei ihren Eltern in der Stadt wohnt. Die waren es damals auch, die sie als Schülerin zunächst ein Jahr nach Frankreich schickten. „Mein Vater hatte schon immer einen familiären Draht dorthin“, erzählt die Lehrerin. Überzeugt von den Plänen war sie aber nicht, denn in der Schule war Französisch nur ihre dritte Sprachenwahl. „In dem Jahr davor hatte ich sogar nur eine Vier darin“, berichtet sie. Die zwölf Monate danach formten aber ihre Liebe zur Grande Nation. Ihr Studium in Kunstgeschichte absolvierte sie deshalb in Trier, um näher dran zu sein. Die große Liebe brachte sie schließlich hinter der Grenze. Inzwischen zieht es die zweifache Mutter aber allmählich wieder zurück.

Die Verbindung nach Norddeutschland hatte sie sowieso nie schleifen lassen. Vor zehn Jahren suchte sie dann zum ersten Mal eine Schule für einen Austausch mit ihrem Collège Paul-Vaillant-Couturier d'Argenteuil. Zunächst ohne Erfolg, aber dann kam ein ehemaliger Lehrer der Lornsenschule bei einem ihrer Heimatbesuche auf sie zu. „Sein Angebot kam genau zur rechten Zeit“, berichtet Mitransky. Seitdem sind über 250 Schüler nach Schleswig gereist. Zum zehnjährigen Jubiläum sind es wieder 39 Siebt- und Achtklässler, die die Lornsenschule besuchen. Der Großteil von ihnen mit starken historisch begründeten Vorurteilen gegenüber Deutschen, da diese in Frankreich noch immer geschürt werden, wie Mitransky sagt.

„In meinem Unterricht lernen sie aber, dass die Realität anders aussieht“, sagt die Wahl-Französin. Statt strenger Töne bekommen ihre Schüler während ihres Besuches viele Freiheiten, die für sie Neuland darstellen: „An der Schule in Argenteuil geht ein Zaun ums ganze Gelände“, sagt sie. Die Kontrollen am Eingang würden zum Teil schon amerikanische Züge annehmen. „Hier können sie dagegen frei herumlaufen und müssen nicht jedes Mal fragen, ob sie auf die Toilette gehen dürfen“, erklärt Mitransky. Manche Schüler würden ihr Fach inzwischen sogar gerade wegen des Austausches wählen.

Danach würden viele von ihnen am liebsten länger hier bleiben. Ihre deutschen Pondons waren ebenfalls begeistert: „Die Familien haben uns toll aufgenommen“, erzählt zum Beispiel Jerry Tucker (18), der im kommenden Jahr sein Abitur an der Lornsenschule macht. Man blicke dort in sehr viele lächelnde Gesichter und komme mit der Pariser U-Bahn „Metro“ schnell ins Zentrum der Hauptstadt, erzählt seine gleichaltrige Mitschülerin Viviane Bauer.

Mitransky kann das gut nachvollziehen. Zurück nach Deutschland möchte die Lehrerin aber irgendwann auf jeden Fall. Vielleicht wird es nicht Schleswig, aber sicherlich ein Ort in Norddeutschland. „Mein Partner möchte an die Ostsee ziehen“, verrät sie. Nun ja, soweit weg von Schleswig liegt die ja auch nicht.

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