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SN-DIskussion im WAhlkreis DIthmarschen-Schleswig : „Ich weiß jetzt, wen ich nicht wähle“

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Schleswiger Nachrichten luden zur Podiumsdiskussion mit den Direktkandidaten des Wahlkreises 6 Dithmarschen-Schleswig.

shz.de von
erstellt am 28.Apr.2017 | 07:55 Uhr

Acht Direktkandidaten des Wahlkreises 6 (Dithmarschen-Schleswig) für die Wahl des schleswig-holsteinischen Landtags am 7. Mai hatte die Lokalredaktion der Schleswiger Nachrichten zur Podiumsdiskussion in den Gasthof Bandholz nach Kropp eingeladen – sechs waren gekommen. Während der AfD-Kandidat Sven Chilla nach Aussage von Moderator Gero Trittmaack „lieber eine Kreuzfahrt im Mittelmeer macht“, fehlte Axel Sieck von der Piraten-Partei zunächst unentschuldigt. Die Erklärung für sein Fernbleiben folgte am nächsten Tag mit der Begründung, kurzfristig arbeitsbedingt verhindert gewesen zu sein.

Den 50 Zuhörern präsentierten sich Karl-Heinz Engkusen (SPD, 67 Jahre, selbstständiger Industrieberater), Kerstin Hansen (Grüne, 52, Sozialökonomin), Andreas Hein (CDU, 49, Markenverantwortlicher in einem Heider Autohaus), Sybilla Lena Nitsch (SSW, 36, Lehrerin), Michael Schilke (Linke, 52, Informatiker) und Ulrich Schmück (FDP, 55, Informatiker). Bei der Vorstellung zeigte sich, dass vier Kandidaten aus dem Kreis Dithmarschen kommen. Dies nahm Moderator Gero Trittmaack zum Anlass, den Zuschnitt des Wahlkreises als „unglücklich“ zu kritisieren, was das Publikum zustimmend aufnahm.

Über Parteigrenzen hinweg kristallisierten sich in der zweistündigen Veranstaltung zentrale politische Themen heraus: Infrastruktur, Bildung und innere Sicherheit. Die Landesstraße 39 „ist eine Katastrophe“, so CDU-Kandidat Andreas Hein, der die Favoritenrolle annahm und sich angriffslustig zeigte. Die Landesregierung von SPD, Grünen und SSW hätten Straßen und Schulen „verrotten lassen“, sagte er.

Lena (l.) und Kaja Kramer (l.) gehörten zu den jüngsten Zuhörern.
Lena (l.) und Kaja Kramer (l.) gehörten zu den jüngsten Zuhörern. Foto: kra
 

Hein selbst wurde von der 21-jährigen Lena Kramer gefragt, warum die CDU das Abitur nach neun Jahren (G9) wieder einführen möchte. Er erklärte, junge Menschen bräuchten mehr Zeit für ihre persönliche Entwicklung und zitierte Umfragen, wonach sich 75 Prozent der Schüler, Eltern und Lehrer G9 wünschten. Während Schilke (Linke) ihm zustimmte, widersprach Hansen (Grüne): „Viele Schüler und Eltern, mit denen ich gesprochen habe, wollen G8 behalten.“ Sie verstünde die Aufregung nicht, da man nach wie vor überall Abitur nach neun Jahren machen könne. Auch FDP-, SPD- und SSW-Politiker plädierten dafür, die Schulen in Ruhe arbeiten zu lassen und stattdessen in die Qualität zu investieren.

„Wie stehen Sie zur freien Schulwahl?“, fragte CDU-Kommunalpolitiker Thomas Klömmer aus Erfde aus dem Publikum heraus – mit dem Hinweis, dass man sich angesichts des demografischen Wandels Sorgen um den Fortbestand weiterführender Schulen mache. Kein Kandidat wollte sich an dem Thema die Finger verbrennen, auch wenn deutlich wurde, dass genau dieser Elternwille als Problem gesehen wird. Dennoch: „Der Elternwille geht vor“, so Engkusen (SPD). Schilke (Linke) und Nitsch (SSW) befürworteten, Schulen als Außenstellen zu erhalten. Kerstin Hansen (Grüne) bevorzugte Kooperationen auf Augenhöhe. Wie Nitsch sah sie die Notwendigkeit, die Schülerbeförderung neu zu organisieren. Hein (CDU) plädierte dafür, Mindestschülerzahlen abzuschaffen. Schmück (FDP) indes sprach sich für die landesweite Planung von Schulstandorten aus.

Holger Schwien, CDU-Gemeindevertreter in Kropp, fragte, wie Kindertagesstätten künftig finanziert werden sollen. CDU-Politiker Andreas Hein kritisierte, dass die Landeszuschüsse bei 20 Prozent gedeckelt würden. Die CDU werde die Drittel-Regelung – wonach Land, Kommune sowie Eltern je ein Drittel zahlen – wieder einführen und dann den Elternanteil auf 25 Prozent zurückfahren, wofür er Applaus erhielt. Der FDP-Vertreter will die Elternbeiträge bei 200 Euro deckeln, Grüne und SSW plädierten für eine neue Regelung der Finanzierung. „Wenn wir sagen, Bildungseinrichtungen sollen frei sein, gilt das auch für Kitas“, so Kerstin Hansen. Karl-Heinz Engkusen sprach sich für eine grundsolide Grundfinanzierung der Betriebskosten aus. Wie die Maßnahmen finanziert werden sollen, blieb offen.

Einig waren sich die Kandidaten darin, mehr Polizisten ausbilden und in der Fläche stationieren zu wollen. FDP und CDU planen, geschlossene Dienststellen teilweise wiederzueröffnen, SPD und SSW fordern mehr Mobilität. Kerstin Hansen (Grüne) betonte, man müsse in die Ausstattung investieren.

„Ich weiß jetzt, wen ich nicht wählen werde“, so das Fazit von Lena Kramer. „Bei der Wahl des Direktkandidaten hat die Veranstaltung geholfen – bei der Zweitstimme nicht“, ergänzt ihre 18-jährige Schwester Kaja.



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