zur Navigation springen

Ex-Bürgermeister Thorsten Dahl : „Ich bereue keine Sekunde“

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Nach zwölf Jahren verabschiedete sich Thorsten Dahl im Januar als Schleswiger Bürgermeister – inzwischen hat er sich an seine neue Rolle gewöhnt.

von
erstellt am 16.Mai.2014 | 15:00 Uhr

Wenn Thorsten Dahl heute durch den Stadtweg geht, kommt er relativ zügig voran. Früher, zumindest in den letzten zwölf Jahren, war das nicht ganz so einfach. Da wollte immer irgendjemand noch schnell etwas vom Bürgermeister wissen, hatte einen Tipp parat oder eine ganz wichtige Sache auf dem Herzen, die er mal kurz ansprechen wollte. Meistens wurde es dann doch etwas länger, insbesondere dann, wenn Dahl es eigentlich eilig hatte. „Das hat sich natürlich geändert. Aber ich werde doch immer mal wieder angesprochen. Meistens wollen die Menschen wissen, was ich jetzt mache“, sagt er.

Tatsächlich ist es in den vergangenen Monaten still geworden um Dahl. Am 17. Januar hatte er seinen letzten Arbeitstag als Schleswiger Bürgermeister. Seitdem hat sein Nachfolger Arthur Christiansen das Steuer übernommen und wirkt dabei zuweilen fast omnipräsent. Dahl hingegen hat sich, bis auf wenige Ausnahmen („Nachtraben“, Förderverein des Stadtmuseums), in sein Privatleben zurückgezogen. „Ich war zwölf Jahre lang fast jeden Tag im Einsatz, in der Zeit ist viel liegen geblieben. Man kann sich kaum vorstellen, was alleine im Haus an Arbeit nachzuholen war“, erzählt er. Genügend Zeit zum Aufräumen hätte er nun allemal. Aber mit 49 Jahren fühlte er sich zu jung, um sich gänzlich dem Pensionärs-Dasein hinzugeben. Also ging er bald nach seinem Abschied aus dem Bürgermeisteramt auf Jobsuche – und wurde, eher per Zufall, schnell fündig. „Ich hatte einen Termin bei dem Berater meiner Versicherung, bei der ich schon über 30 Jahre Mitglied bin. Dabei kamen wir ins Plaudern – und am Ende stand die Frage im Raum, ob ich dort nicht anfangen wollte“, sagt Dahl. Nach ein paar Tagen Bedenkzeit willigte er ein. Seit dem 1. April ist Dahl nun selbst Versichertenberater bei der Debeka. Ein Job, der ihm „sehr viel Spaß macht“, wie er sagt. Mit Menschen zu sprechen, ihnen bei Problemen weiterzuhelfen, das sei schon immer seine Sache gewesen.

Genau so blickt Dahl auch auf seine Zeit als Schleswiger Bürgermeister zurück. Es sei eine tolle Aufgabe gewesen, erster Repräsentant der Stadt zu sein. „Ich bereue keine Sekunde. Aber es war mir immer auch klar, dass es eine Arbeit auf Zeit sein würde“, sagt er. Zwar hätte er noch die Kraft für eine weitere Amtszeit gehabt. „Aber man sagt nicht umsonst, dass ein Jahr als Bürgermeister zwei Jahre Lebenszeit kosten.“

Deshalb gefällt ihm seine neue Rolle als „interessierter Beobachter“ des Stadtgeschehens inzwischen ganz gut. Einmischen möchte er sich eigentlich nicht mehr – auch dann nicht, wenn Vertreter der Politik mal wieder gegen ihn und seine Amtsführung nachtreten. „Über die meisten Seitenhiebe schaue ich inzwischen hinweg. Nur wenn mir eine Äußerung ganz besonders sauer aufstößt, melde ich mich noch.“

Einen solchen Fall gab es erst kürzlich. Ralf Feddersen, Bürgermeister von Busdorf und Amtsvorsteher in Haddeby, hatte gegenüber den SN gesagt: „Besonders gefällt mir an Arthur Christiansen, dass er die Stadt-Umland-Gespräche wieder neu belebt, die unter seinem Vorgänger eingeschlafen waren.“ Eine Anschuldigung, die Dahl nicht auf sich sitzen lassen wollte. Sowohl in einem persönlichen Gespräch mit Feddersen als auch in einem langen Eintrag in seinem Internet-Blog habe er daraufhin seine Sicht der Dinge erläutert. „Weil mir gerade die Zusammenarbeit mit Busdorf sehr am Herzen lag.“ Allerdings sei die Nachbargemeinde, etwa beim Austritt aus dem Büchereiverein oder bei der Ablehnung von Verwaltungskooperationen, lieber eigene Wege gegangen.

Insgesamt, und da äußert sich Dahl dann doch noch einmal zur Kritik an seiner Person, fehle ihm bei einigen Menschen, die seine Amtszeit beurteilen, der Gesamtüberblick – und damit das Augenmaß. „Man muss immer sehen, welche Voraussetzungen da sind. Die Mittel der Stadt ändern sich auch dadurch nicht, dass jetzt eine neue Person am Ruder ist. Es bleiben dieselben Probleme“, sagt er mit Blick auf seinen Amtsnachfolger, dem er ausdrücklich viel Erfolg wünscht, und Baustellen wie das Parkhaus oder die Feuerwachen. Am Ende gehe es immer um die Stadt. Und der solle es, so wünscht es sich Dahl, gut gehen. Und wie geht es ihm selbst, nachdem er nun nicht mehr mitgestalten kann? „Sehr gut. Da gibt es keine zwei Meinungen.“

 

 

 

 

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen