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DemograPHischer Wandel : Husby nimmt Kurs auf die Zukunft

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der Ortskern der Gemeinde wurde durch mehrere Projekte umfassend umstrukturiert. Die Bürger üben jedoch auch Kritik.

shz.de von
erstellt am 20.Aug.2013 | 20:17 Uhr

Ist der demographische Wandel ein Schreckgespenst, oder Aufforderung und Chance, die Zukunft neu zu gestalten? Während einige Gemeinden die Vorboten der gesellschaftlichen Umstrukturierung noch nicht wahrnehmen, ist man in Husby bereits aktiv geworden. Wer seine Zukunft meistern will, muss sich den Herausforderungen stellen – das haben sich die Kommunalpolitiker der 2240 Einwohner zählenden Gemeinde im südlichen Flensburger Stadtgürtel gesagt. Seine Entwicklung kann Husby jedoch nicht allein bestimmen, sondern muss im Rahmen der Landesplanung auf städtische Bedürfnisse Rücksicht nehmen. Neue Gewerbe dürfen sich nicht ansiedeln, nur Baugebiete sind in begrenztem Umfang möglich. Bürgermeister Hans-Heinrich Tramsen hat mit der Rücksichtnahme aber so seine Probleme. „Wenn wir wachsen, wächst auch Flensburg“, das versuche er immer wieder, der Flensburger Kommunalpolitik deutlich zu machen.

Die innerörtliche Entwicklung verdankt Husby dem Bau des Bahnhofs und der Eröffnung der Eisenbahnstrecke Kiel – Flensburg im Jahre 1881. Kleine Gewerbebetriebe siedelten sich im Umfeld des Bahnhofes an. Es folgte eine intensive Wohnbebauung. Heute, über 130 Jahre später, hat sich die Lage erheblich verändert. Kleine Geschäfte befinden sich auf dem Rückzug und verändern den Ortskern. Dies will die Gemeinde nicht unkontrolliert voranschreiten lassen, hat sich zu einer umfassenden Neugestaltung des Ortskerns entschlossen. „Die Richtung der Neugestaltung musste sich nach den Gegebenheiten und Erfordernissen richten“, so Tramsen. Es entstand die Idee, die Ortsmitte so zu gestalten, dass Menschen bis ins hohe Alter hier leben und am Gemeinschaftsleben teilhaben können, dass ihre Pflege und Versorgung gesichert ist.

In Zugzwang kam die Gemeinde durch den Edeka-Markt, einst im Ortskern gelegen. Erweiterungsmöglichkeiten gab es hier nicht, Parkplätze waren ein Problem. Ziel der Kommunalpolitik war es, für die Nahversorgung unbedingt einen Vollsortimenter zu erhalten. Für Inhaber Volker Clausen gab es nur zwei Alternativen: Laden schließen oder ein Neubau am Ortsrand. Die Gemeinde konnte die Landesplanung von der Sinnhaftigkeit des Umzugs überzeugen. Inzwischen hat Clausen den neuen, 1200 Quadratmeter großen Markt eröffnet. „Wir haben damit die Nahversorgung erhalten und gesichert“, betont Tramsen, denn auch die familiäre Nachfolge des Marktes sei gesichert.

Eine weitere Möglichkeit, den Ortskern umzugestalten, ergab sich durch den Landerwerb eines ehemaligen Autohauses. Hier entsteht eine Begegnungsstätte. Im oberen Bereich wird die Sozialstation Hürup eine Zweigstelle einrichten. Hinzu kommen 31 altengerechte Wohnungen. Die gesamte Planung für den Ortskern wird durch eine Machbarkeitsstudie untermauert. Darin enthalten ist auch eine Wohnanlage für an Demenz erkrankte Menschen – angelehnt an den erfolgreich betriebenen Lichthof in Hürup. Tramsen ist sicher, dass sich Ärzte ansiedeln werden, und Einrichtungen zur Pflege und Behandlung, etwa Krankengymnastik.

Der Weg zum neuen Ortszentrum ist in Husby jedoch nicht unumstritten. Immer wieder taucht der Vorwurf auf, die Bürger würden nicht rechtzeitig in die Planung einbezogen – für den Bürgermeister ein schwieriger Spagat. Immer, wenn private Grundeigentümer und Investoren mitwirken, müsse man auf deren Befindlichkeiten Rücksicht nehmen, sagt er. Eine zu frühe Öffentlichkeit könne Projekte gefährden. Im Rahmen von Infogesprächen würden die Bürger aber über Planung und Fortgang informiert. Auch der Umzug des Einkaufsmarkts an die Peripherie wird teils kritisch gesehen. Eine ältere Bürgerin etwa bedauert, dass man Bekannte nun nicht mehr beim Einkaufen im Ortskern treffe. Den wöchentlichen Fußmarsch zum neuen Standort schaffe sie, doch sie fürchtet den Winter. Tramsen kann diese Argumente verstehen, verweist aber auf die Gefahr, ohne neuen Standort den Markt völlig zu verlieren. Zudem befinde sich der Bäcker weiterhin in der Ortsmitte – und seine Hoffnung ist, dass sich neue Betriebe ansiedeln.

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