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Amtsgericht Schleswig : Hund im Zeugenstand überzeugt die Richterin

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Nach eskaliertem Streit auf der Freiheit muss ein 33-Jähriger eine Geldstrafe zahlen.

Am Ende war der junge Mann einfach nur bedient. „Das war dann wohl ein teurer Fußball-Abend. So ein Mist“, meinte der 33-Jährige als er den Saal A des Schleswiger Amtsgerichtes bereits verlassen hatte. Zuvor hatte Richterin Anna Gansel dem zurzeit arbeitssuchenden Familienvater wegen Beleidigung, Bedrohung und Nötigung eine ordentliche Geldstrafe über 350 Euro sowie die Kosten des Verfahrens aufgebrummt. Dass es überhaupt soweit kommen musste, verstand der Angeklagte im Nachhinein selbst nicht. Offenbar war ihm aber sein Temperament so sehr durchgegangen, dass besagter Abend eskalierte und mit einem Polizeieinsatz endete.

Es war der 12. April 2015. Wie so oft traf sich der junge Schleswigerauch an jenem Sonntag mit Freunden zum Fußballspielen auf einem Hartgummiplatz an der A.P.-Møller-Schule auf der Freiheit. Die Stimmung unter den Männern, die allesamt aus dem Nahen Osten stammen, war gut, darin waren sich die geladenen Zeugen einig – bis plötzlich ein großer unangeleinter Hund am Spielfeldrand auftauchte. Insbesondere der nicht einmal drei Jahre alte Sohn des Angeklagten, der dort saß, reagierte auf den Border-Colli-Mix verängstigt. „Er fing an zu weinen und schreien und hat sich dann sogar in die Hose gemacht“, erzählte sein Vater, der daraufhin den Hundebesitzer bat, sein Tier anzuleinen. Das geschah offenbar so lautstark und vehement, dass beide Seite sich schließlich gegenseitig anschrien. Allerdings, so sah es die Richterin als erwiesen an, ging die Provokation eindeutig von dem Angeklagten aus. Hinzu kam, dass dieser – in Begleitung seiner Freunde – sein Gegenüber dermaßen beleidigte und einschüchterte, dass der Mann sich ernsthaft Sorgen um seine Gesundheit und die seiner Lebensgefährtin, die ebenfalls dabei war, machte. „Da standen plötzlich sechs, sieben junge Männer vor uns, kamen immer näher und schrien auf uns ein. Ich bin froh, dass wir da heile rausgekommen sind. Ich weiß nicht, was passiert wäre, wenn nicht einer der Jungs die Ruhe bewahrt und die Situation entschärft hätte“, sagte der Frührentner jetzt vor Gericht. So etwas wolle er nie wieder erleben.


Als Hitler und Nazi beschimpft


Als „Hitler“, „scheiß Nazi“ oder „scheiß Deutscher“ sei er von der Gruppe beschimpft worden. Zudem habe der Angeklagte ihm angedroht, ihn umzubringen, wenn er seine Adresse herausgefunden hätte. „Er hat mir gesagt, dass er ein Schläfer von IS sei und mich platt machen würde“, erzählte der Hundebesitzer, der zudem angab, angespuckt worden zu sein.

Das sah das Gericht letztendlich nicht als erwiesen an. Gleiches gilt für die Behauptung des Angeklagten, er sei von dem Mann als „scheiß Ausländer“ beschimpft worden. „Solch ein Gedanke ist mir völlig fremd. Ich habe nichts gegen Ausländer, sondern viele Freunde von mir sind selbst welche“, erklärte der Zeuge mit Nachdruck. Auch den Vorwurf des Angeklagten, dass der Hund gefährlich sein könnte und damals nicht auf sein Herrchen gehört habe, entkräftete er – und zwar gemeinsam mit dem Vierbeiner. Den hatte Richterin Gansel im Zeugenstand sehen wollen und allein deshalb einen zweiten Verhandlungstag einberufen. Dass das Tier sämtliche Kommandos versteht und aufs Wort hört, stellte der Rüde dann eindrucksvoll unter Beweis. Er wurde dabei auch von Zwischenrufen nicht aus der Ruhe gebracht.

Der Angeklagte nahm das Urteil schließlich zähneknirschend hin. In seinem Schlusswort war er bei seiner Ansicht geblieben, dass der Hundebesitzer ihn gezielt provoziert habe. Er sei gewiss kein Terrorist, betonte er noch einmal. Dass er gesagt habe, er sei ein IS-Schläfer, bestritt er deshalb vehement. Im Gegenteil: „Ich bin hier aufgewachsen und fühle mich als Deutscher.“

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erstellt am 26.Apr.2016 | 07:28 Uhr

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