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Schleswiger Nachrichten

21. September 2017 | 05:30 Uhr

Schleswig : „Humpel-Räuber“ zeigt Reue

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Überfälle auf Spielhalle und Supermarkt: Ein 32-jähriger Schleswiger muss sich seit Donnerstag vor dem Landgericht verantworten – und gesteht.

shz.de von
erstellt am 07.Jul.2017 | 11:00 Uhr

Raubüberfälle, Drogen und eine Schusswaffe. Klingt nach Zutaten aus einem Action-Film aus Amerika, spielte sich aber mitten in Schleswig ab. Seit Donnerstag muss sich ein als „Humpel-Räuber“ bekannt gewordener 32-jähriger Schleswiger vor dem Flensburger Landgericht verantworten. Es geht um zwei Überfälle aus dem Februar dieses Jahres, die nun juristisch aufgearbeitet werden.

In der Nacht zum Montag, 13.  Februar, soll der in der ganz in der Nähe wohnende Angeklagte gegen 2 Uhr mit einer Schusswaffe die Spielhalle „Winner’s Point“ in der Mönchenbrückstraße überfallen haben. Laut Anklageschrift erbeutete er 486 Euro Bargeld. Am darauffolgenden Dienstagabend wurde der Täter erneut aktiv. Diesmal traf es kurz vor Ladenschluss den Sky-Supermarkt am Gallberg. Erneut bedrohte der Räuber sein Opfer mit der Schusswaffe. Er entkam mit 350 Euro. Schüsse fielen weder beim ersten noch beim zweiten Überfall.

Vor Gericht gestand der Angeklagte seine Taten und zeigte Reue. Sein Drogenkonsum habe ihn dazu verleitet, die Straftaten zu begehen. Er habe Geld gebraucht, um sich neues Kokain zu besorgen, erklärte er. Er kämpfe schon lange gegen seine Drogenabhängigkeit und bekomme seit einiger Zeit Ersatzmedikamente. In den vergangenen Jahren habe es jedoch wiederholt Rückfälle gegeben, erläuterte sein Anwalt.

Der Täter beteuerte, dass er an den Tagen der Überfälle unter Einfluss von Heroin, Kokain und Alkohol gestanden habe. Hinzu sei die Wirkung der Schmerzmedikamente gekommen, die er wegen seiner Beinprothese benötige. Die Prothese ist der Grund dafür, dass der Mann auffallend humpelt. Dies hatten auch die Zeugen der Raubüberfälle berichtet. Geldsorgen und Beziehungsprobleme sollen nach Angaben des Angeklagten Auslöser für seinen Rückfall im Februar gewesen sein.

Ob ihm eigentlich bewusst gewesen sei, was er tat, wollte der Richter von dem 32-Jährigen wissen. Weinend berichtete der Schleswiger, dass ihm das Ausmaß seiner Taten erst im Gefängnis richtig bewusst geworden sei. Ebenfalls unter Tränen bat er seine Opfer, die auch als Zeugen geladen waren, um Entschuldigung und beteuerte, dass ihm die Folgen leid täten.

Besonders der Spielhallen-Aufseher, der in der besagten Nacht Schicht hatte, wirkte sehr verstört und verängstigt. Bis heute könne er nicht richtig schlafen und bekomme Antidepressiva und Schlafmittel, um seinen Alltag zu bewältigen, sagte der 47-Jährige aus.

Der Mitarbeiter aus dem Sky-Supermarkt, ein 20-jähriger Schüler, wirkte bei seiner Aussage hingegen etwas gefasster. Er habe den Überfall in einer dreimonatigen Therapie aufgearbeitet und versuche, sein Leben wie gewohnt fortzusetzen.

Der Angeklagte sitzt in der Justizvollzugsanstalt Flensburg. Die nächsten Gerichtsverhandlungen sind für Montag und Mittwoch kommender Woche angesetzt.


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