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Lollfuss : Hotel Stadt Hamburg: Die Abrissbirne naht

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Zehn Jahre rottete das alte Hotel vor sich hin. In wenigen Wochen soll es verschwinden – und Platz machen für seniorengerechte Wohnungen.

von
erstellt am 23.Okt.2014 | 12:00 Uhr

Die Nachricht kommt nun doch überraschend: Unternehmer Ingo Stoll will Ernst machen und schon in den nächsten Wochen die Abrissbirne gegen die Bauruine von Stadt Hamburg in Gang setzen. Das könnte nicht nur für den Lollfuß eine Zeitenwende herbeiführen – ganz Schleswig würde wohl aufatmen, wenn Stoll dieses Vorhaben in die Tat umsetzt. Und das habe er vor, bekräftigte er gestern auf SN-Nachfrage.

Was ist passiert, dass jetzt plötzlich die Bauruine ins Wanken gerät? Schließlich sind mehr als zehn Jahre ins Land gegangen, in denen nichts geschah, außer, dass Eigentümer und Investoren dieses Areals kamen und gingen – und zwar ohne auch nur einen Stein bewegt zu haben. Doch den Abriss und ein neues Projekt hatten sie stets angekündigt.

Das einst prachtvolle und stadtgeschichtlich bedeutsame Hotelgebäude entwickelte sich seit seinem Leerstand vor gut einem Jahrzehnt zu einem abschreckenden Geisterhaus, das still vor sich hin bröckelte. Und mittlerweile sehen die Säulen an der Fassade schon aus wie abgenagte Knochen.

Jetzt könne und wolle er endlich handeln, erklärte Ingo Stoll. Denn erst vor wenigen Tagen sei er rechtmäßiger Eigentümer des Areals geworden. „Das war eine komplizierte Vertrags-Geschichte“, berichtete er. Denn er habe das Areal mit der Bauruine von Stadt Hamburg von seinem verstorbenen Bruder Volker geerbt, doch ein weiterer Vertragspartner sei noch mit im Spiel gewesen. „So musste alles erst sauber abgearbeitet sein, bevor ich nun tätig werden kann“, sagte Stoll. Sein Bruder war ab 2008 letzter Eigentümer der Stadt-Hamburg-Immobilie. Aus Krankheitsgründen habe er sich irgendwann nicht mehr selbst um das Projekt kümmern können. „Für mich ist dieses Projekt deshalb eine Herzensangelegenheit“, betonte Ingo Stoll.

Er erweckte gestern Nachmittag beim Fototermin vor der Hotel-Ruine am Lollfuß-Ende den Eindruck, nun zügig ans Werk gehen zu wollen. Die Pläne für die angepeilten Projekte im Arm, sagte er: „Ich beschäftige mich bereits seit Monaten intensiv mit diesem Projekt und habe auch schon Verhandlungen mit Investoren geführt.“

Der Reihe nach: Bis zum 15. November werde er verabredungsgemäß die Angebote von Abriss-Firmen auf dem Tisch haben. „Danach geht es nur noch um die Terminabsprache, wann es losgehen kann.“ Stoll rechnet damit, dass die Abbrucharbeiten bis spätestens Februar erledigt sein werden. Auch die nebenstehende Brandruine soll mit beseitigt werden, so dass das gesamte 10 000 Quadratmeter große Areal, das bis zum Burggraben von Schloss Gottorf reicht, freiliegen wird.

Danach steht nach Stolls Angeben fest, dass altersgerechte Wohnungen gebaut werden sollen. „Und zwar im mittleren Preissegment“, kündigte er an – „für etwa 2000 bis 2500 Euro pro Quadratmeter“. Die Wohnungen mit Blickrichtung auf den Lollfuß und im rückwärtigen Teil dann in Richtung Schloss sollen ein Angebot an jede Altersgruppe darstellen, meinte er. Voraussichtlich werden zwei Gebäudekomplexe auf dem Grundstück gebaut. Für die Wohnungen zum Lollfuß hin habe er einen „sehr potenten Investor“ gefunden. „Ob ich den Wohnungsbau zum Burggraben hin selbst betreuen und vermarkten werde, weiß ich noch nicht. Das hängt von den Verhandlungen mit den Investoren ab.“

Mit dem Abriss sollen die Schleswiger einen Spazierweg über das Gelände erhalten, der dann direkt vom Lollfuß bis zur Brücke über den Burggraben zum Schloss führen wird. Das hatte die Stadt Schleswig sich ausbedungen – „und ich freue mich, dass wir das jetzt realisieren können“, sagte Stoll. Rathaussprecherin Antje Wendt begrüßte gestern auf SN-Nachfrage diese Entwicklung. Denn die Stadt hatte bereits eine Ordnungsverfügung gegen den Stadt-Hamburg-Eigentümer veranlasst, weil „eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit“ von der bröckelnden Fassade ausgegangen war. Die LollfußerNachbarn, Friseurmeisterin Bettina Steinhusen-Falke und Buchhändlerin Renate Schulze zeigten sich gegenüber den SN erfreut von den neuen Aussichten für ihre Straße. Ebenso Stephan Lange von der Interessengemeinschaft „Pro Lollfuß“. Er meinte: „Die Achse von Schloss, Innenstadt und Altstadt kann endlich zur Belebung der ganzen Innenstadt beitragen. Und die Besucherströme von Schloss Gottorf können dann über den Lollfuß ohne Umwege in die Innenstadt gelangen.“


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