Nach Kosten-Schock : Hoffnung für Wikingturm-Eigentümer

oje-lutz-wolter
1 von 3

Neues Brandschutzkonzept soll den Bestandsschutz des fast 40 Jahre alten Gebäudes berücksichtigen.

von
10. Juni 2014, 12:00 Uhr

Die Zahl schreckte auf: 2,5 Millionen Euro könnte es kosten, den Brandschutz im Wikingturm den aktuellen Bestimmungen anzupassen (wir berichteten). Viel Geld, das am Ende die Eigentümer der 246 Wohneinheiten bezahlen müssten. So war es kein Wunder, dass es bei der Eigentümerversammlung am Wochenende im „Ruhekrug“ eng wurde: 123 Wohnungsbesitzer waren persönlich in der Gaststätte erschienen, 37 weitere ließen sich aufgrund von Vollmachten vertreten. „Eine Rekordbeteiligung“, wie Hausverwalter Uwe Kiesling feststellte.

Da ein Großteil der Anwesenden nur aus einem Grund erschienen war, beschloss die Versammlung, die Tagesordnungspunkte zum Thema „Brandschutz“ gleich am Anfang zu behandeln – waren doch die Sorgen der Eigentümer deutlich spürbar. Schließlich könnten auf diejenigen, die etwa eine 60-Quadratmeter-Wohnung besitzen, Kosten von 12 000 Euro zukommen. Entsprechend groß war die Empörung im Wikingturm, als kürzlich öffentlich wurde, wie teuer die Brandschutz-Arbeiten werden könnten, die der Kreis Schleswig-Flensburg verlangt.

Rechtsanwalt Lutz Wolter, Mitglied des dreiköpfigen Eigentümerbeirates, versuchte nun, die Wogen so gut wie möglich zu glätten. Hatte er vergangene Woche gegenüber unserer Zeitung noch gesagt, dass eine Entscheidung für die Brandschutzmaßnahmen „alternativlos“ sei, erläuterte er nun, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen sei. So betonte Wolter immer wieder den Bestandsschutz: „Denn einige der jetzt angemahnten Mängel waren schon vorhanden, als der Wikingturm ab 1971 erbaut und – nach einer Unterbrechung – 1977 endlich fertig gestellt und dann offiziell abgenommen wurde. Wir haben es hier also mit einem genehmigten Gebäude zu tun.“

Deshalb müsse man nun zunächst prüfen, inwieweit man sich auf diesen Bestandsschutz berufen kann. „Man muss aber auch sehen, wo wirklich etwas getan werden muss. Denn am Ende steht die Sicherheit, also Menschenleben, im Vordergrund. Das ist ein Spagat“, betonte Wolter, der sich in dieser Aussage vom Vortrag des Prüfsachverständigen Norbert Wöster und des Brandschutzplaners Svend-Olaf Knüppel bestätigt fühlte.

Beide Ingenieure waren eingeschaltet worden, nachdem der Kreis nach einer sogenannten Brandschau im Wikingturm im April 2013 ein neues ganzheitliches Brandschutzkonzept, das von der Stadt Schleswig genehmigt werden muss, verlangt hatte. Nach Einsicht in die Bauakten sowie mehrfachen Begehungen schilderten die beiden nun die bestehenden Probleme, deren Behebungen am Ende die besagten 2,5 Millionen Euro kosten könnten.

Bestandsschutz habe der Wikingturm, soweit nach den derzeit geltenden Richtlinien ein zweites Treppenhaus verlangt werden könnte, betonte Wolter. Umso wichtiger sei deshalb aber die Sicherheit der vorhandenen Rettungswege; auch müsse es der Feuerwehr möglich sein, jede der 27 Etagen schnell zu erreichen. Das Brandschutzkonzept solle nun also noch so weit präzisiert werden, dass die Eigentümer-Gemeinschaft genau übersehen kann, welche Maßnahmen unabdingbar sind.

Das wird mit fachkundiger Unterstützung der eingeschalteten Ingenieure möglichst noch in den kommenden drei Monaten und einvernehmlich mit der Stadt abgestimmt. Erst danach soll entschieden werden, wie hoch die Sonderumlage ausfällt, mit der diese Maßnahmen finanziert werden können. Diesem Vorschlag folgte die Gemeinschaft fast einstimmig.

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen