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Syrische Flüchtlinge in Neuberend : Hoffnung auf „eine gute Stelle“

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Deutsch als Voraussetzung für eine bessere Zukunft: Ehrenamtliche Helfer unterrichten syrische Flüchtlinge im Amt Südangeln.

Mehr als 170  000 Menschen sind im letzten Jahr nach Deutschland gekommen, um Asyl zu beantragen. 5700 und damit 3,3 Prozent der Asylbewerber leben in Schleswig-Holstein, 400 davon im Kreis Schleswig-Flensburg. Tarek Murad ist einer von ihnen. Der 31-Jährige stammt aus der syrischen Hauptstadt Damaskus und ist vor dem Bürgerkrieg in seiner Heimat geflohen. „Seit neun Monaten bin ich hier“, sagt der ausgebildete Arzt in fließendem Deutsch. „Hier“, das ist Idstedt.

Ahmad ist ebenfalls Syrer und lebt erst seit einem Monat in dem Dorf. Der Ingenieur kommt aus Homs. Die Stadt, die zu Beginn des Kriegs Hochburg der Rebellen war und letztes Jahr von Baschar al-Assads Truppen zurückerobert wurde, liegt in Trümmern. Ahmads Haus steht nicht mehr. Viel schlimmer jedoch wiegt die Trennung von der Familie. Ahmads Eltern sind nach Jordanien geflüchtet, die von Tarek Murad harren in Damaskus aus. „Unser größter Wunsch ist es, unsere Eltern nach Deutschland zu holen“, sagen sie. Ob und wann er in Erfüllung geht, ist völlig offen.

Derzeit wissen nicht einmal die zwei Männer, ob sie bleiben dürfen – ihre Asylverfahren laufen noch. „Nächsten Monat ist meine Anhörung“, sagt Murad, danach wird über seinen Antrag entschieden. Er hofft, hier bleiben zu dürfen: „Die Leute sind sehr nett, und es geht mit sehr gut“. Die Chancen stehen nicht schlecht: Laut Statistik des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge lag der Anteil positiver Entscheidungen bei syrischen Asylbewerbern 2014 bei 89,3 Prozent. Wenn er bleiben darf, möchte Tarek Murad „eine gute Stelle finden“. Ein Praktikumsplatz wird schon für ihn gesucht. Mit seinen umfangreichen Deutsch-Kenntnissen hat er gute Voraussetzungen, etwas zu finden.

Das ist aber nicht bei allen so. Einen Anspruch auf einen offiziellen Deutschkurs erhalten die Neubürger erst, wenn sie eine Aufenthaltserlaubnis haben. Bis dahin sind sie auf ehrenamtliche Hilfe angewiesen, und dafür, dass sie unterstützt werden, sorgen in vielen Dörfern ehrenamtliche Helfer. „Wir möchten die Asylbewerber willkommen heißen, sie sind eine Bereicherung für unsere Gemeinde“, betont Neuberends Bürgermeister Hans-Helmut Guthardt. Einen Vorfall wie den Brandanschlag auf eine Unterkunft für Asylbewerber in Escheburg „darf es bei uns nicht geben“, ergänzt sein Idstedter Amtskollege Edgar Petersen: „Wir müssen lernen, miteinander zu leben, nicht gegeneinander, egal welchen Glauben oder welche Hautfarbe wir haben.“ Darüber freut sich auch Houssam Hossein, der mit seiner Frau Rania Saad und vier Kindern in Neuberend lebt. „Thank you, danke schön, merci beaucoup“, sagt er.

Damit er sich bald besser verständigen kann, nimmt er Deutschunterricht, den ehrenamtliche Dozenten geben. „In Twedt werden vier Asylbewerber unterrichtet, in Böklund sechs und in Neuberend sieben“, sagt Edgar Petersen. Dabei seien die Herausforderungen groß, sagt Hartmut Hein aus Böklund: Einige sprechen ausschließlich Sprachen, die er nicht verstehe, zudem sei das Ausgangsniveau der Teilnehmer sehr unterschiedlich. Während Tarek Murad bereits als Dolmetscher für seine syrischen Landsleute zum Einsatz komme, gebe es auch Analphabeten, für die es ein Erfolg sei, den eigenen Namen schreiben zu können.

Lernen möchten sie alle. „Die Schüler sind alle sehr willig, und es bringt Spaß“, sagt Christel Carstensen aus Neuberend. Wie viele der Dozenten ist die gelernte Krankenschwester keine ausgebildete Lehrkraft. Darin sieht Sahar Y., die seit November in Böklund lebt, ein Problem. Die Iranerin betont, ihr Lehrer gebe sich viel Mühe, und sie sei froh, überhaupt Deutsch lernen zu können. „Jedoch kann er uns nur Wörter beibringen, bei der Erklärung der Grammatik ist er überfordert.“ Zusätzlich zum Sprachunterricht guckt sie Videos auf Youtube, in denen in ihrer Muttersprache Farsi die deutsche Sprache erklärt wird: „Das hilft“, sagt sie.

Ein weiteres Problem sei mangelnde Mobilität: „Die Busfahrzeiten sind sowohl morgens als auch nachmittags ungünstig“, sagt sie. Houssam Hossein aus Neuberend bestätigt dies: „Es gefällt und sehr hier. Aber es fahren zu wenige Busse.“

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