zur Navigation springen
Schleswiger Nachrichten

20. August 2017 | 19:08 Uhr

Schleswig : Höchstens 180 Flüge im Jahr

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Helios-Klinik informiert Anwohner des neuen Krankenhauses über Lärmbelastungen durch künftige Hubschrauber-Einsätze.

Man hat dazu gelernt im Schleswiger Helios-Klinikum. Nachdem in den vergangenen Monaten mehrere Schleswiger Bürger auch öffentlich eine mangelhafte Informationspolitik der Krankenhaus-Führung beklagt hatten, ging man nun in die Offensive und lud von sich aus zu einem Informationsabend ein. Im Fokus stand dabei erneut das Thema Hubschrauberlandeplatz. Dass der nun auf dem Dach des Klinikneubaus an der St. Jürgener Straße statt, wie ursprünglich geplant, am Sportplatz der Fachklinik eingerichtet werden soll, stieß den Anwohner bitter auf (wir berichteten).

Am Montagabend nun folgten rund 30 Interessierte der Einladung von Helios und ließen sich im Rathaus von Klinik-Leiter Florian Friedel sowie Lärmschutzgutachter Martin Wenker aus Gronau und Landeplatzgutachter Ulrich Schumacher aus Lemgo die Details der Planungen und die zu erwartenden Lärmbelastungen erklären. „Natürlich ist mir klar, dass der Hubschrauber hier künftig landen muss. Aber ich bin gespannt, was genau da auf uns zukommt. Unser Haus steht schließlich nur 250 Meter Luftlinie vom künftigen Landeplatz entfernt“, meinte Angelique Steinbeck, die mit ihrer Familie im Polierteich wohnt. Während sie die Initiative von Helios für diesen öffentlichen Informationsaustausch ausdrücklich lobte, wunderte sich Steinbeck, dass nur so wenige Anwohner die Einladung dazu angenommen hatten: „Ich hätte deutlich mehr Leute hier erwartet. All diejenigen, die zu Hause geblieben sind, dürfen sich hinterher nicht beschweren.“

Tatsächlich hatte die Klinik die Bewohner von rund 600 Haushalten rund um das neue Krankenhaus angeschrieben. Den wenigen, die tatsächlich kamen, wollte Friedel so weit wie möglich von ihren Sorgen befreien. „Ich habe in den letzten Wochen gemerkt, dass es rund um das Thema Hubschrauberlandeplatz sehr viele Missverständnisse gibt. Viele Ihrer Befürchtungen sind jedoch unbegründet“, sagte der Klinik-Chef, der sich bei dieser Aussage insbesondere auf die Urteile der beiden eingeladenen Referenten stützte.

So betonte Gutachter Ulrich Schumacher, dass es – mit Blick auf die erst im Frühjahr von der EU geänderten Vorgaben für Mindeststandards für Größe und Sicherheit der Landeplätze – eigentlich keine realistische Alternative zum Dach des neuen Klinikums gebe. „Dort gibt es keine Hindernisse, sie können nicht von Unbefugten betreten werden und sind auch für die Piloten deutlich schneller sichtbar. Das alles macht es viel sicherer“, erklärte Schumacher. Ein weiterer Pluspunkt: Durch die Lage auf dem hoch gelegenen Dach sei auch die Lärmbelastung deutlich geringer als auf dem Boden.

Insgesamt, das erklärte Lärmschutzgutachter Wenker im Anschluss, werde es für die Anwohner ohnehin nicht so laut, dass eine Ansiedelung des Landeplatzes in rechtlicher Hinsicht problematisch werden könnte. Rund 180 Starts und Landungen bei einem Maximum von 55 Dezibel seien zu erwarten. Davon fielen, so die Erfahrungswerte, höchstens 15 Prozent in die Nachststunden zwischen 22 und 6 Uhr. „Nachts wird nur in absoluten Notfällen geflogen. Die meisten Einsätze des Hubschraubers werden geplant. Dabei geht es in der Regel um Verlegungen von Patienten etwa nach Flensburg oder Kiel“, erklärte Friedel, der zudem betonte, dass sämtliche angegebene Zahlen eher höher als niedriger angesetzt seien. „Wahrscheinlich werden es eher nur etwa 120 Flüge im Jahr sein, im Schnitt also alle drei Tage einer.“

Dass Lärm jedoch nicht nur von Dezibel-Zahlen abhängig ist, sondern immer auch ein subjektives Empfinden ist, betonten mehrere Anwohner in der anschließenden Diskussion. Sie wünschten sich dennoch, dass dann, wenn der Platz wirklich in Betrieb ist, Messungen vor Ort vorgenommen werden, um die tatsächlichen Werte zu ermitteln. „Ich fand den Abend sehr informativ. Mal sehen, was da tatsächlich auf uns zukommt. Aber große Sorgen mache ich mir nicht“, meinte Angelique Steinbeck am Ende.

 

 

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 15.Okt.2014 | 07:04 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen