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Von der Wohneinrichtung ins Standesamt : Hochzeitsglocken und Apfelsprudel

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Sie leben in einer betreuten Wohneinrichtung und sind seit 29 Jahren ein Paar – am Freitag haben Gabriele Ulleweit und Torsten Zech geheiratet.

shz.de von
erstellt am 21.Nov.2014 | 21:30 Uhr

In der Einrichtung Johannistal für Menschen mit seelischer Behinderung leben sie zwar in getrennten Zimmern, doch den Rest ihres Lebens wollen sie gemeinsam verbringen: Gestern haben sich Gabriele Ulleweit-Zech und Torsten Zech im Schleswiger Rathaus vor Familie und Freunden das Jawort gegeben.

Damit ging die „Wilde Ehe“ der gebürtigen Kieler endlich zu Ende – nach 29 Jahren. „Heiraten wollten wir schon seit Jahren, weil wir uns so gut verstehen. Aber es hat vorher nie gepasst“, meinte die Braut, die ihrem Zukünftigen sogar den Heiratsantrag gemacht hatte. „Und er hat sofort ,Ja’ gesagt“, freute sich Gabriele Ulleweit-Zech, die erst wenige Tage zuvor ihren 58. Geburtstag und somit doppelten Grund zum Feiern hatte. Ihr drei Jahre jüngerer Bräutigam hielt unterdessen ein Glas Apfelsprudel in der Hand, um mit den Hochzeitsgästen auf das Eheglück anzustoßen – seine frischangetraute Gattin musste erstmal vor der Tür des Standesamtes eine Zigarette rauchen.

Aufgeregt sei sie gewesen und habe schon am Frühstückstisch in voller Hochzeitsmontur gesessen. Zudem wurde sie geschminkt und sei zum Friseur gegangen, „was sonst nicht so oft der Fall ist“, schmunzelte mit Anja Boysen eine der Betreuerinnen der Einrichtung Johannistal. Sie sei zwar nicht für die Wohngruppen der beiden zuständig, „aber man trifft die beiden überall zusammen an, sie sind sehr aktiv“. Und mitunter sehr einfallsreich: „Zwar haben beide ihre eigenen Räume, doch nachts versuchen sie, sich beim anderen einzuschleichen“, schmunzelte Boysen.

„Sie haben sich durch sämtliche psychotische Schübe begleitet“, sagte Björn Ehrich, der die Einrichtung leitet. Er war es auch, der die standesgemäße motorisierte Hochzeitskutsche organisiert hat – die allerdings mit den frostigen Nachttemperaturen zu kämpfen hatte: Sie sprang am Morgen nicht an. Und als sie dann endlich lief, hatte der Chauffeur keinen Durchblick. Erst nach dem Einsatz von zwei Föhnen konnte das Brautpaar zum Standesamt vorgefahren werden.

Von dort ging es dann zum Empfang ins Antik-Café Canapé und anschließend zum Mittagessen ins Steakhaus. „Die beiden lassen es sich heute richtig gut gehen“, stellte Anja Boysen lächelnd fest. Aber spätestens am Abend heißt es dann wieder: Abschied nehmen. Denn auch als Ehepaar werden Gabriele Ulleweit-Zech und Torsten Zech in getrennten Zimmern übernachten – zumindest vorerst .

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