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Patchwork auf dem Scheersberg : Hochburg der Flicken-Freunde

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Das Deutsch-dänische Patchwork-Forum hat ein weiteres Mal rund 100 Textilkünstlerinnen aus beiden Ländern zusammengebracht. Ausgestellt wurde diesmal auf dem Scheersberg.

shz.de von
erstellt am 28.Okt.2013 | 07:45 Uhr

Zum ersten Mal verwandelten die Mitglieder des Deutsch-dänischen Patchwork-Forums das Kreativzentrum des Scheersbergs in eine farbenprächtige Hochburg aus Textilien. Rund 100 „Faden-Freunde“, ausschließlich kreative Frauen aus dem Einzugsgebiet zwischen Esbjerg und Hamburg, stellten ihre Werke aus. Die Besucher kamen am Wochenende aus Nah und Fern und waren beeindruckt.

„Wir sind reine Hobbyisten, die keinen Profit anstreben“, sagt Bine Knuth aus Holzdorf, die Vorsitzende des gemeinnützigen Vereins, dessen Mitglieder seit 2008 beiderseits der Grenze mit Passion und Geschick der Patchwork-Technik frönen. „Unser Ziel ist es, fachlich und sozial die Zusammenarbeit zu pflegen und unsere Fertigkeiten zu erweitern“, fügt sie hinzu. Die Objekte werden nicht verkauft, sondern allenfalls im Kreise von Freunden und Angehörigen zu besonderen Anlässen verschenkt.

Organisiert hatte das diesjährige Treffen der sieben Textilkünstlerinnen zählende deutsch-dänische Vorstand, allen voran die Schleswigerin Birte Nissen-Reimer. Sie war es auch, die während der Eröffnung der Werkschau in der Internationalen Bildungsstätte an ihre Bemühungen erinnerte, die Vielzahl von Werken an den Wänden und Stellagen optisch wirksam anzubringen. Schließlich habe sie erkannt, dass am besten „die ganz simplen s-förmigen Fleischerhaken“ zur Aufhängung der Werke geeignet seien. Dass die Präsentation der mehreren hundert Arbeiten aus beiden Ländern das Lob aller Aussteller und Besucher fand, veranlasste die Organisatorin zu der bescheidenen Feststellung: „Ich bin richtig stolz auf uns.“

Patchwork, eine Textil-Technik mit über 2000-jähriger Tradition, beruht auf der Erkenntnis, dass man scheinbar wertlose Flicken aus Baumwolle, Leinen oder Filz recyceln kann – frei nach dem Motto „Aus Alt mach Neu“. Wandbehänge entstehen, Zierdecken, Sets und Handtaschen. Werden die stofflichen Versatzstücke aneinander genäht, sprechen die Patchworkerinnen von Mosaiken, werden die Teile aufeinander gelegt und in drei Schichten (Stoffbahn, Vlies und die Schauseite namens Top) vernäht, sind das Applikationen. Bei den so genannten Hexagons (Rechtecke) werden die Grundrisse der Bienenwaben übernommen.

Die gestalterische Vielfalt wird von mathematischen Formen dominiert. Gebrauchsgegenstände sind unter den Exponaten, aber auch künstlerisch anspruchsvolle Werke wie beispielsweise die Collage „Dichterecke“ von Sigurd Puschmann aus Meldorf. Der Betrachter findet in diesem Unikat optische Anspielungen auf Goethe, Fontane und Storm. Er muss sich allerdings die Mühe machen, auf persönliche Entdeckungsreise durch die Bildinhalte zu gehen. Eine andere Künstlerin hat das dänische Kinderlied „Es war einmal ein Samstagabend“ mit Symbolen wie Tangotänzer, Klavier, Flügel und Gitarre bildnerisch ausgestattet. Eine weitere Patchwork-Arbeit sticht ins Auge, weil in ihr eine Vielzahl von Krawatten-Resten zu einer dekorativen Einheit verschmolzen ist. Nicht selten verwenden die Macherinnen auch ausgediente „Flickenbilder“ ein zweites oder drittes Mal für neue Kreationen.

In offenen Werkstätten konnten die Besucher den kreativen Frauen über die Schultern schauen, in Info-Räumen wie dem deutschen „Nordlicht“ und dem dänischen „Lillestovhus“ spezielle Stoffe kennenlernen und sich Tipps für die eigene Arbeit holen.

Dass der Vorstand des Forums dieses Mal den Scheersberg für das Treffen ausgewählt hatte, begründeten Bine Knuth und Birte Nissen-Reimer so: „Hier konnten wir Quartier beziehen und nach getaner Arbeit nicht nur miteinander fachsimpeln, sondern uns menschlich noch näher kommen.“

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