Öl in Angeln : Hinweise auf Ölvorkommen bei Sterup

Konventionelle Ölförderung mit einer Pferdekopf-Pumpe.
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Konventionelle Ölförderung mit einer Pferdekopf-Pumpe.

Unternehmen Central Anglia will spätestens 2017 mit der Förderung beginnen – und versichert, dass Fracking in den Plänen keine Rolle spielt

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04. Januar 2015, 07:13 Uhr

Einige Unternehmen haben die Ölsuche in Schleswig-Holstein aufgegeben, nachdem Umweltminister Robert Habeck den Förderzins für Öl und Gas verdoppelt hat. Die Firma Central Anglia (Mittelangeln) gehört nicht dazu. Das Unternehmen, das sich nach der Gegend für seine Untersuchungen benannt hat, ist rund um Sterup auf der Suche nach dem schwarzen Gold und macht sich große Hoffnungen, auch wirklich fündig zu werden.

Bei Oberflächenbohrungen (bis maximal einen Meter Tiefe) wurden nach Angaben von Professor Reinhard Gast Bakterien gefunden, die auf ein Erdölvorkommen schließen lassen könnten. „Es ist zumindest ein Zeichen, das uns zuversichtlich macht“, erklärte Gast. Das sei auch ein Grund dafür, dass das kleine Unternehmen nach der Förderzins-Erhöhung weiter am Ball bleibt. „Wir haben nachgerechnet und sind zu dem Schluss gekommen, dass es sich dennoch rechnen könnte, auch wenn es sich wahrscheinlich um ein eher kleines Vorkommen handelt. Wie viel Öl die Firma bei Sterup erwartet, wollte Reinhard Gast nicht preisgeben. Die Erwartungen lägen allerdings etwa in der Dimension wie bei Plön. Dort wurden zwischen 1953 und 1999 rund 7,5 Millionen Tonnen Öl gefördert.

Im nächsten Schritt wird das Unternehmen nun beim Bergbauamt die Genehmigung für seismologische Untersuchungen beantragen, um die Lage des Ölvorkommens weiter einzugrenzen. „Früher waren dafür Sprengungen notwendig“, sagt der Geologe. „Inzwischen wird mit Vibrationen gearbeitet, die wesentlich schonender sind und bestenfalls ein Kitzeln an den Füßen hervorrufen, wenn man daneben steht.“ Beginn dieser Arbeiten soll im Winterhalbjahr 2015 sein. Um bestimmen zu können, wo genau das Öl liegt, sind Bohrungen notwendig. Der Beginn der Förderung war nach Angaben von Reinhard Gast ursprünglich in der zweiten Jahreshälfte 2016 vorgesehen. „Weil es mit den Genehmigungen, die für jeden neuen Schritt notwendig sind, so lange dauerte, wird es aber wohl 2017“, erklärte der Ölsucher.

Aber in Mittelangeln geht die Angst um, dass das Öl mittels Fracking gefördert werden soll. Dabei handelt es sich um ein Verfahren, bei dem unter enormem Druck ein Gemisch aus Wasser, Quarzsand und Chemikalien in das Gestein gepresst wird. Der Flüssigkeitsdruck sorgt dafür, dass das Gestein aufgesprengt und damit durchlässig wird. Festkörper und Chemikalien halten die entstandenen Risse offen. Kritiker dieser Methode erwarten durch den im Boden verbleibenden Gift-Cocktail unter anderem gravierende Auswirkungen auf das Grundwasser.

Für Professor Reinhard Gast ist das kein Thema: „Fracking spielt in unseren Überlegungen überhaupt keine Rolle“, sagt er, „das ist für uns auch viel zu teuer.“ Zudem erwarten er und seine Kollegen im Untergrund in 1000 bis 1500 Metern Tiefe einen Sandstein, der so porös ist, dass das Öl einfach hindurch fließt. Gast ist überzeugt, dass sich Misstrauen und Aufregung legen, wenn die Menschen erst einmal sehen, wie gering die Beeinträchtigungen sind. „Unser Eingriff in die Natur beansprucht weniger Raum als eine Biogasanlage“ verspricht er.

Die Hinweise auf mögliches Erdöl werden von Reinhard Gast als gutes Zeichen gewertet. Aber das ist offensichtlich eine Sache der Perspektive. „Es ist immer noch die Frage, für wen das ein gutes Zeichen ist“, sagte gestern Sterups Bürgermeister Wolfgang Rupp. Er sei auch über die Funde informiert worden, warte aber noch auf den zugesagten Abschlussbericht über die erste Untersuchungsphase an die Bergbaubehörde. Als Bürgermeister wird er mit Fragen aus der Bevölkerung überhäuft, die er zum allergrößten Teil auch nicht beantworten kann.

„Ich hätte nichts dagegen, wenn bei uns auf herkömmliche Weise Öl gefördert würde“, sagt Rupp . „Wenn aber der Bohrkopf erst einmal in der Erde verschwunden ist, kann man nicht mehr sehen, was dort unten weiter passiert. Um zu glauben, dass alles so abläuft, wie es versprochen wurde, braucht es Vertrauen. Und dieses Vertrauen ist nicht vorhanden.“

Die Erhöhung des Förderzinses durch den Minister bezeichnet der Bürgermeister als cleveren Schachzug – der für seine Gemeinde allerdings nichts gebracht hat. Rupp ist Hilflosigkeit anzumerken, die ihm zu schaffen macht. Und ihn ärgert. „Uns bleibt zurzeit nichts anderes übrig, als abzuwarten, was noch auf uns zukommt“, sagt er. Orts- und Landesrecht helfen ihm nicht weiter. Für die Ölförderung gilt Bundesrecht. Und das Bergbaurecht, das Rupp als altertümlich und völlig überholt bezeichnet. Seine Hoffnung setzt er auf die nächste Genehmigung, die für die seismologischen Untersuchungen erteilt werden muss. „Da werden wir um eine Stellungnahme gebeten“, sagt er. „Das hoffe ich jedenfalls.“

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