Schleswiger Original : Hingabe zwischen Pokalen und Papier

Seit Jahrzehnten graviert Hanni Philipp in Schleswig Pokale und hat schon Millionen Seiten Papier kopiert und ausgedruckt.
Seit Jahrzehnten graviert Hanni Philipp in Schleswig Pokale und hat schon Millionen Seiten Papier kopiert und ausgedruckt.

Einen Hanni Philipp, der nicht lächelt und keinen Spaß an der Arbeit hat, gibt es nicht – und wer seinen Pokal- und Copy-Laden im Lollfuß verlässt, soll einfach glücklich sein.

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12. Juli 2014, 07:45 Uhr

   Sie sorgen nicht unbedingt für Schlagzeilen, sind aber in ihrer Heimat bekannt wie ein bunter Hund: In unserer Serie porträtieren wir gemeinsam mit der Fotografin Susanne Panozzo Menschen, die auf ihre ganz eigene Art unverwechselbar sind. Weil sie echte Typen sind – Originale eben.

Man könnte ihm stundenlang bei der Arbeit zuschauen. Und selbst, wenn einem irgendwann langweilig werden sollte – Hanni Philipp passiert das mit Sicherheit nicht. Seit Jahrzehnten graviert, druckt, kopiert und laminiert er ohne Unterlass. Es ist erfrischend, fast herzerwärmend, wie der extrem schlanke Mann mit den strahlend blauen Augen, den man eher auf Anfang 50 als auf 66 schätzen würde, durch seinen Laden streift, vor sich hin pfeift, hier ein Gerät anwirft, dort Papier oder Pokale ins Regal legt, etwas ordnet oder hin und her trägt. Wer herein kommt, merkt: Der Laden ist sein Ein und Alles.

Genau genommen muss Hanni Philipp sich täglich zweiteilen. Denn eigentlich sind es zwei Läden, die er betreibt. Sein „Sport Cup & Copy Center Schleswig“ besteht aus einem Pokal- und einem Kopierladen, um von einem in den anderen zu gelangen, muss man kurz auf den Lollfuß treten. Man hat das Gefühl, der sympathische Geschäftsmann, der mit seiner Frau in Neuberend lebt, ist immer da. Seine Arbeit gefällt ihm so sehr, dass er sie gar nicht als Arbeit betrachtet. „Es macht mir unheimlich viel Spaß“, sagt er, und schiebt locker hinterher: „Ach was, anstrengend ist das nicht.“ Jeder Kunde wird mit einem Lächeln begrüßt, und ist König. Daran, dass er einen Wunsch mal nicht erfüllen konnte, ob aus Metall oder Papier, in Plakat- oder Kärtchengröße, kann er sich nicht erinnern. Er strahlt eine ungemeine Kompetenz aus, und das liegt nicht an dem knallroten Poloshirt mit der Rückenaufschrift „Sport Cup & Copy Center“.

Kompetent hat Hanni Philipp, der auf einem Hof in Böklund aufwuchs, gewiss auch ausgesehen, als er als Bankkaufmann noch in der Volksbankfiliale im Friedrichsberg hinterm Tresen stand (seinerzeit wohnte er sogar im Wikingturm). „Aber ich kam da nicht so weiter, wie ich wollte“, sagt er. Deshalb gab er den Beruf auf. Als die alte Hof-Apotheke im Lollfuß dicht machte, schnappte er zu. Er durfte das gesamte Inventar behalten, und eröffnete 1982 einen Pokal-Laden, jedoch noch als Teil einer Kette aus Loxstedt bei Bremerhaven. Hanni Philipp wurde Filialleiter. Erst 1985 ging er seinen eigenen Weg: Als Filialleiter war er nicht glücklich, der Chef der Firma sei „wie ein Patriarch“ gewesen. „Und eines Tages war er erbost, weil ich einige Sachen woanders bestellt hatte, um den Kunden mehr bieten zu können, und hat gesagt: ,Weißt du was, verkauf den Scheiß doch’.“ Hanni Philipp zahlte die Ablöse – „und ich war raus“, sagt er schmunzelnd.

Bei „Sport Cup Schleswig“ war er nun sein eigener Herr. Nachdem er für seine Rechnungen einen Drucker und Kopierer angeschafft hatte, hängte er spontan einen Zettel ins Schaufenster: „1 Kopie 15 Pf.“ – und das kam an. „Viele Vereine brauchen ja auch Broschüren oder Flyer“, weiß Hanni Philipp. Als dann 1987 die Fahrschule nebenan frei wurde („der Lehrer ist mit einer seiner Schülerinnen durchgebrannt“) schnappte er erneut zu, mietete die Räume, und Schleswigs erster professioneller Copy-Laden entstand. „Damit verdiene ich heute mehr als mit den Pokalen“, verrät er.

Ein Bankkaufmann, der Pokale, Medaillen und Kopien verkauft – das geht bestens, wenn die Frau vollkommen hinter ihm steht und er dem Sport zugetan ist; Vorsitzender der Motorsportfreunde Idstedt war, leidenschaftlich gern Rallye fuhr und sogar Landesmeister wurde. Das Rallyefahren gab er 1987 auf, als die erste von zwei Töchtern geboren wurde. Auch Tischtennis hat er viele Jahre gespielt. Zeit für Hobbys hat er heute aber kaum noch; er ist ja fast rund um die Uhr im Laden. Unterstützt wird er dort seit vielen Jahren von Monika Philipp, seiner Schwägerin.

Hanni Philipp findet man meist hinter Papierstapeln und Kopierern. Aber Achtung: Wer denkt, es herrscht Chaos, nur weil sich hier und dort Papierberge in sämtlichen Farben, Formen und Größen auftürmen, der wird sich wundern: Hanni Philipp weiß, wo jedes kleinste Stückchen Papier steckt – „ich finde alles“.

Hanni Philipp ist immer fröhlich. „Ich kenne viele Kunden persönlich, bin mit vielen per Du. Und wenn ich Plattdeutsch mit meinen Stammkunden rede, das lieben die.“ Anders als in einer Bank sei hier alles positiv, sagt er, „alle, die hier rausgehen, sind glücklich“.

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