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Schleswiger Nachrichten

18. Dezember 2017 | 03:04 Uhr

Himmlische Fülle

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

shz.de von
erstellt am 02.Jun.2016 | 12:27 Uhr

Sowas gibt es doch nicht: ein Engel, der ein überdimensionales Horn trägt, ein Füllhorn, aus dem schüttet er. Ein Füllhorn, so die Vorstellung, ein Füllhorn wird nie leer. Es ist immer gefüllt und quillt fast von selbst über und ergießt sich über die Menschen. Fast wie im Paradies, wo es alles gibt, wo die Menschen nach nichts fragen müssen, nach nichts streben. Alles in Fülle vorhanden. Einfach zugreifen. „So was gibt es gar nicht”, sagen mir die Vernünftigen. Das Paradies ist eine Fantasie.

Aber was hier in meiner Fantasie ausgeschüttet wird, sind Bücher. Wissen und Weisheit, so sagt man, steckt in Büchern. Das Füllhorn des Wissens, der Weisheit wird hier ausgeschüttet. Zumindest von der Weisheit heißt es, dass sie göttlich sei oder zumindest von Gott kommt. Und vielleicht gibt es auch ein Füllhorn der Liebe, ein Füllhorn der Menschlichkeit. Alles Dinge, die ich mit Gott verbinde. Und wo das herkommt, da ist noch unendlich viel mehr davon. Das glaube ich. Ich stelle mir Menschen vor, die nach den Büchern der Weisheit greifen, so wie sie nach Liebe und Menschlichkeit greifen. Sie haben nicht eine unbestimmbare romantische Sehnsucht danach, sie leiden Hunger. Wer etwa nach Wärme und Zuneigung hungert, in dem zerrt und tobt es. Und nun fällt die himmlische Gabe unendlich auf die Menschen herab. Die Menschen sind verbunden mit der Fülle, die unendlich ist und kein Maß kennt. Die himmlische Fülle wird den Hunger der Menschen stillen. Gibt es denn so was? Es gibt Menschen, die finden in jedem Buch eine ganze Welt. In jedem Menschen, der mir begegnet, treffe ich alle Menschen. Wer in einen Menschen verliebt ist, der könnte alle umarmen. Wer nur einem, der in Not ist, hilft, der hat allen geholfen. Ganz wenig kann alles sein, die himmlische Fülle. So was gibt es.
 



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