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„Handwerk hilft kostenlos“ : Hilfsaktion für kleinwüchsige Mutter

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Leben gab ihr wenig Chancen, auf eigenen Füßen zu stehen. Die kleinwüchsige junge Mutter Sarah aus dem Kreis Schleswig-Flensburg hat keine Ausbildung und zog die kleine Luna im Mutter-Kind-Heim auf. Jetzt verhelfen ihr Handwerker zu einem eigenen Zuhause.

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erstellt am 13.Dez.2013 | 19:45 Uhr

Havetoftloit | Die Sanierung kann beginnen. Norman Mittwoch, der in Großenwiehe die Malerei und Glaserei Mittwoch betreibt, steht in einem stark verfallenen Raum, streicht mit der Hand über eine Stelle an der Wand, wo der Putz großflächig abbröckelt. „Hier muss einiges getan werden“, sagt er. Wenn man in dem Raum steht, neigt sich der Körper leicht zur Seite. Der Boden ist teilweise abgesackt, die Holzdielen senken sich extrem. Eines der beiden Fenster muss ausgetauscht werden. In diesen Raum soll noch vor Heiligabend die kleine Luna (3) einziehen, aber natürlich erst, wenn daraus ein gemütliches, ansprechendes Kinderzimmer geworden ist.

Auf ihre 22-jährige Mutter Sarah, die sich als Kleinwüchsige durchs Leben kämpfen muss, war Mittwochs Wahl gefallen. Er hat für den Kreis Schleswig-Flensburg vor etwas über einem Monat eine Handwerks-Hilfsaktion unter dem Motto „Handwerk hilft kostenlos“ ins Leben gerufen. Einer bedürftigen Familie oder einem Elternteil sollte unter die Arme gegriffen werden, für das jeweilige Kind ein Kinderzimmer renoviert werden – und vielleicht auch andere Teile der Wohnung. Mit dem Flensburger Verein „Schutzengel“ hat der 36-jährige Handwerker, der selbst eine zweijährige Tochter und ein sehr großes Herz hat, vor einer Woche dann die Entscheidung getroffen: Vier „vom Leben gestrafte“ alleinerziehende Mütter seien in die engere Wahl gekommen, sagt er. „Es ist uns sehr schwer gefallen, aber wir haben uns am Ende für Sarah entschieden, weil sie kleinwüchsig ist und es dadurch im Leben immer besonders schwer hat.“

Zurzeit lebt Sarah noch in einer Mutter-Kind-Einrichtung im Kreis, will aber den Start in ein eigenständiges Leben wagen. „Ich sage immer: Irgendwann werden unsere Mädels ,ausgewildert’, wenn sie bereit dazu sind, und das ist bei Sarah nun der Fall“, sagt ihre Betreuerin Mitana Schröder. Sarah aber hat keine Arbeit, keine abgeschlossene Ausbildung, und somit kein Geld. „Ich war zwar bei vielen Bewerbungsgesprächen, wurde aber immer abgelehnt – wegen meiner Größe“, berichtet sie. Hinzu kamen große familiäre Probleme, und dann kam Luna. Fortan lebte Sarah in dem Mutter-Kind-Heim.

Gerade macht sie ein Langzeitpraktikum bei einer Schneiderin, will in diesem Beruf gern eine Ausbildung beginnen. Sie denkt, dass ihr der Neustart in der Dachgeschosswohnung in Havetoftloit gut gelingen wird. „Ich habe keine Angst, aber es ist schon aufregend“, sagt sie. Zunächst wird Sarah in der neuen Wohnung weiter regelmäßig von Mitana Schröder betreut, bis auch dies nicht mehr notwendig ist. In die neue Zwei-Zimmer-Wohnung bringt Sarah jedoch nichts mit, keine Möbel – da sie kaum etwas besitzt. Eine Bekannte machte sie auf die Handwerks-Hilfsaktion aufmerksam, und Sarah ist nun unendlich dankbar, dass ihr so sehr geholfen wird.

Über 20 Firmen sind an dem Projekt, das Norman Mittwoch koordiniert und bei dem er selbst mit anpackt, beteiligt. Bereits vor seinem Aufruf in Zeitungen des sh:z hatte er sich um Sponsoren bemüht, doch nach dem Bericht hätten sich zahlreiche weitere Firmen bei ihm gemeldet. „Es ist besser gelaufen, als ich erwartet habe. Es wurden plötzlich immer mehr Unternehmen“, erzählt er. Und was diese spendieren, hat nicht nur etwas mit dem neuen Kinderzimmer zu tun, es betrifft fast die ganze Wohnung. Von Karstadt zum Beispiel gibt es Töpfe, Geschirr und Geschenke für Luna, von „Fenster Kontor“ das neue Fenster, die Nord-Ostsee Sparkasse gibt 500 Euro, vom „Bauhaus“ kommen Bodenplatten, „Miele“ in der Roten Straße in Flensburg sponsert einen Staubsauger, die Firma Witte eine Waschmaschine, von „Fernseh Janott“ gibt’s einen Fernseher. „Alles, was hier entsteht, ist zu 100 Prozent über die vielen Sponsoren finanziert“, betont Mittwoch. „Ich spende letztlich meine Lohnkosten.“

Mit dem neuen Kinderzimmer soll für die kleine Luna ein Traum in Erfüllung gehen, „Arielle“, die kleine Meerjungfrau, wird zum Beispiel an den Wänden prangen. Mutter Sarah will auf jeden Fall mithelfen, etwa für die Holzbank, unter der im Kinderzimmer Rohre und Leitungen versteckt sind, Polster schneidern. „Ich habe schon ganz genau im Kopf, wie alles aussehen soll“, sagt Norman Mittwoch. Er freut sich, dass er noch vor Weihnachten eine hilfsbedürftige Person glücklich machen kann. „Wir haben jemanden gesucht, dem wir auf die Beine helfen können, damit er Vollgas geben kann. Und das trifft auf Sarah voll und ganz zu.“ Bereits am 23. Dezember soll die Wohnungsübergabe stattfinden. Mittwoch: „Wir haben nicht mehr viel Zeit, aber zur Not stehe ich hier Tag und Nacht.“ 
 

Über den Verein „Schutzengel“ hat Norman Mittwoch ein Spendenkonto für Sarah einrichten lassen. Infos dazu u. zum Projekt: www.maler-mittwoch.de.


 

 

 

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