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Verein für verwaiste Eltern : Hilfe nach schweren Schicksalen

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Verein der „Verwaisten Eltern“ feiert sein zehnjähriges Bestehen. Die Lübecker Ex-Bischöfin Wartenberg-Potter berichtet vom Tod ihrer eigenen Kinder.

Die Trauer verwaister Eltern über ihre verstorbenen Kinder „muss man ansprechen, die Menschen haben es im Herzen. Man muss ihnen zeigen, dass sie nicht alleine sind.“ Niemand könnte diese Worte offener aussprechen die frühere Lübecker Bischöfin Bärbel Wartenberg-Potter, die vor rund 40 Jahren selbst zwei kleine Kinder verlor. Anlässlich des zehnjährigen Jubiläums des Vereins „Verwaiste Eltern und trauernde Geschwister Schleswig-Holstein“ blickte sie in ihrer Rolle als Schirmherrin auf die Arbeit des vergangenen Jahrzehnts zurück.

Der Verein sei etwas, „auf das wir stolz sein können, auch wenn er auf traurige Umstände in unserem Leben zurückzuführen ist“, betonte sie vor gut 40 Gästen in der Kapelle des St.-Johannis-Klosters. In der intimen Atmosphäre der Kirche las sie anschließend bei Kerzenschein aus ihrem autobiografischen Buch „Anfängerin“. Sie erzählte von ihrem kleinen Bruder, der mit nur drei Monaten verstorben war. Er sei krank gewesen und habe die volle Aufmerksamkeit der Mutter bekommen, weshalb sie sich gewünscht hatte, er wäre fort. Dieser Wunsch einer Vierjährigen begleitete sie: „Lange war ich nicht sicher, ob ich nicht schuld am Tod meines Bruders hatte.“

Jahre später benannte sie ihren erstgeborenen Sohn nach ihrem Bruder: Frieder. Er wurde nur vier Monate älter als sein unbekannter Onkel und starb an einem angeborenen Immundefekt. Auch ihr zweiter Sohn starb mit zwei Jahren an derselben Krankheit.

Eine Reise nach Westafrika habe ihr dann gezeigt, „dass mein Schicksal als Mutter, die zwei Kinder verlor, nicht einzigartig ist“, sagte Wartenberg-Potter. Und ein todkrankes Kind, das sie dort getroffen habe, begleite sie bis heute als „Engel Gottes“. Niemandem sei ein Leben ohne Leid versprochen worden, „doch Gott geht mit uns auf dem Weg“. Nach dem Tod der Kinder und dem Sterben ihrer Ehe habe sie eine neue Lebenschance bekommen. Ihr zweiter Ehemann Philip Potter, früherer Generalsekretär des Weltkirchenrats, ist ein großer Teil davon.

Nach der Lesung, die von Saxofonistin Silke Mielke mit dem Lied „Somewhere over the Rainbow“ beendet wurde, folgte im Remter ein gemütliches Beisammensein. Unter den Gästen waren Pröpstin Johanna Lenz-Aude, die erste Vorsitzende vom Bundesverband Verwaister Eltern, Petra Hohn, sowie Beisitzerin Karin Grabenhorst.

Elke Heinen, seit 23 Jahren Trauerbegleiterin und Mitinitiatorin des Vereins, erinnerte an das Jahr 1991, als die erste Gruppe für Eltern früh verstorbener Kinder in der Familienbildungsstätte des Kirchenkreises Schleswig gegründet wurde. Daraus entwickelte sich 2004 der Verein, der sich auf weitere Trauergruppen – darunter für Kinder, junge Erwachsene sowie Eltern älterer verstorbener Kinder – ausdehnte. Heute hat der Verein 65 Mitglieder und bemüht sich um den Aufbau eines Netzwerkes – seit diesem Jahr als Landesverband Schleswig-Holstein.

Diese Arbeit sei die Aufgabe, „die euch eure Kinder hinterlassen haben“, wendet sie sich an die Anwesenden. Diese danken ihrer Trauerbegleiterin, indem ihr jeder einzelne eine Rose überreicht. Gerührt erwiderte Heinen diese Zuneigung: „Ich lerne von euch für mein Leben und bin mir sicher, dass ich alle eure Kinder einmal kennenlernen werde.“

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