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Steinbergkirche : Hilfe für ehemaligen Kindersoldaten

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Frauke Harting aus Steinbergkirche will Marouf Skandary aus Afghanistan zu neuer Beinprothese verhelfen und bittet um Spenden.

von
erstellt am 22.Dez.2016 | 10:23 Uhr

Was verbindet eine Frau aus Steinbergkirche mit einem Afghanen, der im Alter von zwölf Jahren Kindersoldat wurde, später im Kampf gegen die Taliban ein Bein verlor und inzwischen illegal im Iran lebt? So ganz genau kann Frauke Harting das auch nicht beantworten, dennoch bezeichnet sie Marouf Skandary als ihren Freund. Und sie setzt alles daran, dass er in Deutschland endlich eine vernünftige Beinprothese bekommt. Der Kontakt zwischen der Frau aus Angeln und dem Mann im Iran kam über das Internet zustande. Wir haben zunächst über Facebook kommuniziert, aber es war sofort eine Verbindung da“, erzählt die 57-Jährige, die in der Bibliothek der Universität Flensburg arbeitet. Der Kontakt hielt und wurde nach und nach intensiver. Die beiden schrieben sich, telefonierten und waren sich sympathisch. Aber das reichte Frauke Harting bald nicht mehr aus.

„Ich wollte unbedingt wissen, was da los ist, mit wem ich so lange Zeit über das Internet gesprochen hatte, wie er wirklich ist und unter welchen Umständen er lebt.“ Also flog sie im Juli für einen Monat in den Iran. Frauke Harting wusste, dass Marouf Skandary (35) in den Krieg gezwungen worden war, ein Bein verloren hatte und illegal in einem fremden Land lebte. „Man hätte bei dieser Lebensgeschichte eigentlich erwarten können, dass ich einen zerstörten Menschen treffe, es war aber genau das Gegenteil der Fall. Marouf ist zufrieden und lebensbejahend. So als wolle er seine Freunde und seinen Stolz darüber ausdrücken, dass er trotz der Umstände immer noch lebt.“

Als erhebliches Problem erwies sich allerdings die Beinprothese, die mehr als zehn Jahre alt ist und zu brechen droht. „Er ist damit lange Zeit schief und unter Schmerzen herumgelaufen. Viele Jahre hat er so zehn Stunden am Tage ohne Urlaub und freie Tage gearbeitet – bis es nicht mehr ging.“

Spätestens als sie davon erfuhr, fasste Frauke Harting den Entschluss zu helfen. Marouf Skandary sollte eine neue Beinprothese bekommen. Zurück in Deutschland, stand sie dann jedoch vor einem bürokratischen Monster: Sie fand zwar in der Firma APT Westerwald ein Unternehmen, das die Prothese herstellt – und in diesem Fall auch einen Großteil der Kosten erlässt. Dennoch bleiben mehr als 5600 Euro zu zahlen. Zudem muss Marouf Skandary dafür nach Deutschland kommen.

Dafür hat ein Anwalt nun ein zeitlich begrenztes „Schengen-Visum zur medizinischen Behandlung in Deutschland“ beantragt. Darin wird unter anderem dargestellt, dass die Behandlung dringlich ist und die Behandlungsalternativen in Afghanistan mangelhaft sind. Frauke Harting musste bestätigen, dass sie die Reisekosten trägt und auch für den Unterhalt von Marouf Skandary während seines Aufenthalts in Deutschland aufkommt. Er selbst muss zurück nach Afghanistan reisen, sich dort einen Ausweis besorgen und bei der deutschen Botschaft in Visum beantragen. Und das ist nur ein Auszug der Formalitäten, die vor der Einreise zu erledigen sind. Viele davon hat Frauke Harting in den vergangenen Monaten bereits auf den Weg gebracht. Bleibt noch die Sache mit dem Geld für die Prothese. Rund 4000 Euro fehlen ihr noch, um die Rechnung bezahlen zu können. Dafür bittet sie nun um Spenden.

Um für mögliche Spender sicherzustellen, dass ihr Geld nur für die Bezahlung der Prothese genutzt wird, soll das Geld auf ein Konto der Flüchtlingshilfe Flensburg gehen. „Wir stellen sicher, dass die Spenden nur für die Prothese und nur dann weitergegeben werden, wenn sich Herr Skandary hier aufhält“, bestätigte ein Sprecher des Flensburger Vereins.

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