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Schleswig : Hier treffen sich Flüchtlinge und Helfer

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Heute Nachmittag wird im Gemeindehaus St. Michaelis Süd das Café für Begegnungen zwischen den Kulturen eingeweiht.

So schnell kann Integration gehen. Gerade beginnt der 15 Monate alte Abdul-Rahman aus Syrien seine ersten Sprechversuche auf arabisch – und schon ab Oktober wird er sich bald genauso gut auf Deutsch verständigen können. Denn der Kleine, der erst vor zwei Monaten mit seiner Mutter in Schleswig gelandet ist, kommt in die Kita-Krippe am Stadtfeld. Wird so also auf der Spiel- und Krabbelwiese fast nebenbei in die deutsche Sprache hineinwachsen. Da haben es die Erwachsenen unter den Flüchtlingen schwerer: Sie müssen deutsche Vokabeln und deutsche Behörden-Formalitäten verstehen lernen, um die Dinge des Alltags bald selbst in die Hand nehmen zu können.

Dabei sind sie auf die Hilfe der ehrenamtlichen Helfer angewiesen. Dafür dient künftig auch der neue Treffpunkt, der heute eröffnet wird: Das Café im Gemeindehaus St. Michaelis Süd im Stadtweg 88. Von 15 bis 17 Uhr wird Einweihung gefeiert – mit Musik, Kaffee, Tee und Kuchen. „Jeder ist dazu eingeladen“, sagt Antje Wendt als eine der ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer. Das zentral gelegene Café soll künftig Kontaktstelle sein, damit beide Seiten – die Helfer und die Flüchtlinge – problemloser zueinander finden können. Es soll laut Wendt ein „niedrig-schwelliges gemeinsames Netzwerk“ aufgebaut werden, damit Ansprechpartner für auftauchende Probleme zur Stelle sind. Veranstalter des Café-Treffs sind die St. Michaelisgemeinde mit Pastorin Antje Hanselmann und die Freizeitgruppe der Flüchtlingshilfe Schleswig-Haddeby.

Zum Kreis der vielen ehrenamtlichen Helfer in Schleswig gehören Jens Buddrich, Alice Heide und die Lornsenschülerinnen Nele Carstensen und Saskia Martens. Auch Conny Matthiesen, Mutter einer dreijährigen Tochter und als Sekretärin tätig, will künftig mitmachen im Café St. Michaelis: „Ich möchte hier gern eine gemeinsame Spielgruppe einrichten“, sagt sie.

Mahmoud Abbas, einer der syrischen Flüchtlinge, ist Arzt, hat bereits Praktika in Schleswig absolviert und engagiert sich hier seit seiner Ankunft in diesem Sommer für seine Landsleute. Er spricht bereits gut Deutsch und hat Grund zur Freude: „Ich bin jetzt Schleswiger Mitbürger“, sagt er, denn sein Asylantrag wurde gerade genehmigt. Auf seinem Smartphone zeigt er beim SN-Gespräch Bilder von seiner Heimatstadt, unweit von Damaskus. „Wir hatten mal 24  000 Einwohner“, erzählt er. Doch nach „Assads Bomben“ sehe es jetzt so aus: Bauruinen und meterhoher Schutt auf beiden Seiten der Hauptstraße, wo eine lange, dicht gedrängte Menschenmenge zu sehen ist. „Sie alle stehen an für ein paar Lebensmittel, die es noch gibt“. Mehr mag er nicht berichten, auch nicht über die Umstände seiner Flucht. Das geht auch Osama al Houmsi so, dem Vater vom kleinen Abdul-Rahman, der seit 2014 in Schleswig ist und seine Familie hat nachholen können. Er hatte in Syrien eine kleine Spedition. „Mercedes“, sagt er, der gerade beginnt Deutsch zu sprechen. Mercedes-Lkw habe er als Fuhrunternehmer gehabt. Jetzt hofft er, hier irgendwann als Bus- oder Fernfahrer arbeiten zu können. Wie er betonen auch die anderen Flüchtlinge gegenüber den SN, wie dankbar man sei, „so nett in Schleswig aufgenommen zu werden“.

Über das, was in ihrem Heimatland Syrien passiert und was ihnen auf der Flucht widerfahren ist, mag indes niemand in der Gesprächsrunde reden.

 

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erstellt am 19.Sep.2015 | 07:10 Uhr

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