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Stadt Schleswig sucht neuen Pächter : Hier rollen keine Bälle mehr

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der Bahnengolfclub hat sich aufgelöst – die Anlage auf den Königswiesen ist verwaist.

Edeltraut Bauer hat viel Zeit verbracht auf der Minigolfanlage auf den Königswiesen. „Zum Training sind wir immer sechs bis acht Stunden an der Bahn gewesen“, sagt die 63-Jährige. Doch damit ist inzwischen Schluss. Ende vergangenen Jahres wurde der Bahnengolfclub (BGC) Schleswig aufgelöst. „Wir hatten einige Sterbefälle und keinen Nachwuchs mehr“, sagt Bauer, die letzte Vorsitzende des 1971 gegründeten Vereins. Zuletzt seien es gerade mal 14 Mitglieder gewesen, die meisten davon über 80 Jahre alt.

Mit der Auflösung des Clubs ist Schleswig auch um eine Touristenattraktion ärmer. Denn nun fehlt die Möglichkeit, auf den Königswiesen schnell mal eine Runde Minigolf zu spielen. Bis zum vergangenen Jahr hatte der BGC als Pächter sich um Ausgabe von Bällen und Schlägern gekümmert. 2,50 Euro mussten Erwachsene für einen Durchgang auf den 18 Bahnen bezahlen. „Im Sommer haben wir den Platz oft so voll gehabt“, sagt Edeltraut Bauer mit Wehmut in der Stimme. „Sonntags sind hier bestimmt 100 Leute durchgelaufen.“

Dieses Jahr wird der Betrieb ruhen. Doch für die kommende Saison sucht die Stadt als Eigentümerin der Fläche einen neuen Pächter. „Wir haben zwei, drei Interessierte, die sich bereits danach erkundigt haben“, erklärt Rathaus-Sprecherin Antje Wendt auf SN-Nachfrage. Doch bevor die Anlage in Schlei-Nähe neu vermietet werden kann, muss die Stadt erstmal in die Bahnen investieren. Der Belag ist an vielen Stellen abgeplatzt, verhindert ein reibungsloses Rollen des Balles. An echte Wettkämpfe ist hier schon lange nicht mehr zu denken. Eine Erneuerung der Bahnen würde 30  000 Euro kosten, sagt Wendt. Doch das Bauamt prüfe eine günstigere Lösung. So sei denkbar, die kaputten Platten einfach umzudrehen und die intakten Unterseiten zu bespielen. „Wir sind in der Pflicht, die Anlage zu erhalten, und wir werden sie erhalten“, betont Wendt.

Zur Landesgartenschau 2008 war der Parcours komplett neu errichtet worden – mit Fördergeldern des Landes. Zu den Auflagen zählte, dass nur eine niedrige Pacht erhoben werden durfte. Dafür wandert im Gegenzug nun das Vereinsvermögen des BGC an die Stadt – inklusive der vom Verein selbst errichteten Hütte am Gelände.

Edeltraut Bauer hat in den vergangenen Monaten keinen Minigolfschläger mehr in die Hand genommen. „Das Thema ist durch“, sagt die Rentnerin, die bis vor Kurzem in der Stadtverwaltung tätig war. Stattdessen schwingt sie sich aufs Fahrrad, geht ins Fitnessstudio, kümmert sich um die Enkelin. Dafür hat sie jetzt Zeit.

Aber die Erinnerung an viele Jahre im Bahnengolf-Club kann ihr niemand nehmen. Die Wettkämpfe in Brunsbüttel, Kiel, Neumünster, Preetz oder Elmshorn. „Ich bin auch oft mit der Jugendmannschaft los gewesen“, erzählt sie. „Das war eine schöne Zeit.“ Sie selbst sei nicht die beste Spielerin gewesen, räumt sie ein. So um die 28 Schläge habe sie für die 18 Bahnen gebraucht. Anders als etwa Achim Paulsen, der den Parcours schon mal in perfekten 18 Schlägen geschafft habe. Wie überhaupt die Schleswiger Bahnengolfer erfolgreiche Spieler in ihren Reihen hatten. Deutsche Meister bei den Senioren und bei den Schülern waren darunter, so wie Edeltraut Bauers Sohn André.

Doch weil die Jugendlichen kein Interesse mehr an dem zeitaufwendigen Hobby Minigolf zeigen, fehlte dem Schleswiger Bahnengolfclub seit Jahren der erforderliche Nachwuchs. „Wettkämpfe haben wir schon seit gut vier Jahren nicht mehr bestritten“, sagt Edeltraut Bauer. Die Rückkehr zur Anlage ist ihr nicht leicht gefallen. „Das tut schon weh.“

Wer trotzdem in Schleswig Minigolf spielen möchte, kann dies auf der Anlage an der Stampfmühle tun.

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erstellt am 01.Aug.2017 | 07:00 Uhr

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