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Flüchtlingshilfe in Schleswig : Hier lernen die Mütter Deutsch

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Es gibt ein neues Angebot speziell für Frauen mit Kleinkindern in der Winkler-Stiftung.

Rainer Winkler war selbst ein Flüchtlingskind. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges kam er mit seiner Familie und nur wenigen Koffern in der Hand aus Pommern in Schleswig-Holstein an. „Wir wurden damals in einem Café auf Nordstrand untergebracht“, erinnert er sich. Das Problem: Zu dieser Zeit wurde auf der Insel fast ausschließlich Plattdeutsch gesprochen. „Und wer das nicht konnte, der wurde als Fremder ausgegrenzt und hin und wieder auch mal von den einheimischen Jungs verprügelt. Also habe ich so schnell wie möglich Platt gelernt. Erst dann war ich wirklich integriert“, so Winkler weiter. Warum er diese Geschichte erzählt? Weil sich der Vorsitzende des Vereins Kinderspielzentrum, das von seiner eigenen Stiftung betrieben wird, nun selbst dafür einsetzt, dass Flüchtlinge so schnell wie möglich Deutsch lernen. Seit Anfang dieses Monats gibt es in seinem Kinderhaus in der Erikstraße ein neues Sprachangebot. Und zwar ein ganz besonderes. Denn hierzu sind ausschließlich Flüchtlingskinder im Vorschulalter mit ihren Müttern eingeladen.

„Gerade die Frauen sind oft das schwächste Glied, wenn es um die Integration von Flüchtlingsfamilien geht. Viele kommen nur selten aus den eigenen vier Wänden heraus. Mit diesem Angebot holen wir sie nun ab. Das Gute daran ist auch, dass sie dadurch etwas lernen, was ihre Männer vielleicht noch nicht können“, sagt Winkler. Zehn Mütter mit Kleinkindern, die aus Afghanistan, Syrien oder dem Irak stammen, bekommen nun zweimal pro Woche einen jeweils eineinhalbstündigen Sprachunterricht – und zwar unter professioneller Anleitung.

Möglich macht das eine Spende des Schleswiger Lions-Clubs. Der steuert für das Projekt 6000 Euro bei. „Wir haben im Club darüber gesprochen, wie wir Flüchtlingen nachhaltig helfen können. Der Zufall wollte es so, dass sich genau dann Frau Wagner bei mir gemeldet hat“, sagt Winkler, selbst Mitglied des Service-Clubs, mit Blick auf seine Mitstreiterin.

Shahin Wagner lebt seit 2012 in Schleswig. Zuvor hatte sie im nordrhein-westfälischen Mettmann bereits ein ähnliches Projekt für Ausländerinnen mit Kleinkindern initiiert. Das lief so erfolgreich, dass es inzwischen Nachahmer in ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt. Nun möchte sie diese Arbeit auch in ihrer neuen Heimat an der Schlei fortführen. Dafür wurde eigens der Verein „Elternverband für Chancengleichheit“ gegründet, der als gemeinnützig anerkannt wurde und von Wagner geleitet wird.

Die gebürtige Iranerin freut sich dementsprechend über die Spende der Schleswiger Lions als Startkapital – und zusätzlich über einen Bonus der deutschen Lionszentrale. „Wir waren sofort begeistert von diesem Konzept und haben deshalb einen Förderantrag bei unserem Bundesverband eingereicht – mit Erfolg“, sagt Lions-Sekretär Reiner Sokolowski. Als eines von 30 Projekten in ganz Deutschland könne man sich nun über zusätzlich 6000 Euro freuen. Für das kommende Jahr ist damit die Finanzierung des laufenden sowie die Einführung eines zweiten Kurses gesichert. „Das ist einfach toll“, sagt Shahin Wagner und fügt an: „Ich denke, die Deutschen können auf ewig stolz darauf sein, was sie zurzeit für die vielen Flüchtlinge leisten.“

>Wer Flüchtlingsfrauen kennt, die Interesse an dem Sprachkurs haben könnten, kann sich melden unter Tel. 0  46  21/ 93  47  92.

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erstellt am 15.Dez.2015 | 18:40 Uhr

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