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Schleswig : Hier leben bald mehr als 100 Senioren

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Gestern wurde auf dem „Stadt Hamburg“-Gelände Richtfest gefeiert. Ein anderer Investor aus Gießen plant derweil den Bau eines Pflegeheims auf der Freiheit.

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erstellt am 02.Jun.2017 | 07:00 Uhr

Besondere Anlässe verlangen besondere Geschenke. Das dachte sich offenbar Bürgermeister Arthur Christiansen anlässlich des Richtfestes der neuen Seniorenresidenz am Eingang zum Lollfuß gestern Vormittag. Denn dort, wo viele Jahre lang das marode Hotel „Stadt Hamburg“ vor sich hin rottete, entsteht nun in Riesenschritten Schleswigs größtes Pflegeheim. „Das freut mich so sehr“, sagte Christiansen, „dass wir uns als Stadt ausnahmsweise dazu entschlossen haben, für ein privates Bauprojekt die Richtkrone zu spendieren.“ Diese, ausgestattet mit blau-gelben Bändern (den offiziellen Farben der Stadt), wurde von einem Kran auf den vierstöckigen Rohbau hinaufgezogen, ehe zwei Zimmermänner den traditionellen Richtspruch sprachen.

103 Menschen sollen hier künftig ein neues Zuhause finden, gleichzeitig rechnet Andreas Anspach, Geschäftsführer des Investors Vitacare, mit rund 80 Arbeitsplätzen, die in dem Gebäudekomplex besetzt werden. Sie sollen sich um die Bewohner von sechs verschiedenen Pflege-Fachbereichen kümmern. Je zwei davon beheimaten Demenzkranke, schwer Pflegebedürftige (mit Palliativbereich) und rüstige Senioren. Neben Einzelzimmern sind zudem acht Wohnungen mit bis zu drei Räumen geplant. Hinzu kommt ein Friseurladen mit Maniküre, ein Kiosk, Tagesräume und ein Restaurant mit offener Küche. All das soll sich in maritimem Look präsentieren, auch viele große Schleswig-Fotos sollen im gesamten Gebäude aufgehängt werden. Bauherr Alexander Göggl sprach in seinem Grußwort auch deshalb von einem „Hotelcharakter“.

Rund zehn Millionen Euro, so heißt es, würde der Investor für das Bauprojekt in die Hand nehmen. Der wollte diese Summe zwar nicht bestätigen, dass sich eine Investition in den Bau einer Seniorenresidenz mit über 100 Pflegeplätzen lohnt, davon aber ist Anspach überzeugt. „Der Bedarf ist da“, sagte er und sprach dabei aus eigener Erfahrung. Schließlich betreibt Vitacare auch die Senioreneinrichtung an der Stampfmühle. Auch Lars Pietschmann von der Heimaufsicht des Kreises Schleswig-Flensburg erklärte gestern auf Nachfrage, dass es in Schleswig Bedarf an weiteren Plätzen gebe. „Die Einrichtungen in der Stadt und den Umlandgemeinden sind allesamt sehr gut ausgelastet“, sagte er.

Auch deshalb könnte in Schleswig schon bald ein noch größeres Seniorenheim als jetzt auf dem alten „Stadt Hamburg“-Gelände entstehen. Denn die Gießener HP&P-Gruppe hält weiterhin an ihren Plänen fest, auf der Freiheit eine Einrichtung mit bis zu 130 Plätzen zu bauen, wie deren Geschäftsführer Helmut Peter gestern gegenüber den SN noch einmal bekräftigte. Der Bedarf an Alten- und Pflegeheimplätzen werde, wie auch anderenorts, in Schleswig weiter steigen. Deshalb spreche alles dafür, auf der Freiheit zu bauen. Zumal: „Die Hürden, die es zu überwinden galt, bestanden in vertraglichen Regelungen mit den ehemaligen Grundstückseigentümern. Eine Lösung konnte jedoch herbeigeführt werden, so dass die notarielle Beurkundung in den nächsten Tagen stattfinden kann“, sagte Peters mit Blick auf zuvor schwierige und langwierige Verhandlungen mit Team Vivendi. Wenn er von der Stadt das Baurecht erhalte, „dann ist eine Seniorenresidenz im Idealfall 18 Monate danach fertiggestellt“.

Jörn Engler, Theologischer Vorstand im Diakoniewerk Kropp, glaubt auch daran, dass es Bedarf an Pflegeplätzen gibt. Die vier Einrichtungen der Stiftung in Schleswig (Am Öhr, Rathausmarkt, Christopherushaus und Feierabendhaus) seien allesamt gut ausgelastet. Sorgen hingegen mache er sich mit Blick auf das benötigte Personal. Schon jetzt sei es schwer, Fachkräfte zu finden, zu halten oder auszubilden. „Um sie an uns zu binden, versuchen wir natürlich alles. Aber es wird immer schwieriger“, so Engler.

Diese Frage indes stand gestern beim Richtfest der „Seniorenresidenz am Schloss“ nicht zur Debatte. Zumal Betreiber Vitacare damit rechnet, dass es noch weitere zehn Monate dauern wird, bis die ersten Bewohner in das Haus einziehen. Viele Anfragen dafür gebe es aber bereits schon jetzt.



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