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Hollingstedt : Hier klaut man gern Aufsitz-Rasenmäher

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der Familie Friedrichsen in Hollingstedt wurde zum zweiten Mal ein Aufsitz-Rasenmäher gestohlen. Sie sind auf der Geest nicht die einzigen Opfer.

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erstellt am 12.Apr.2017 | 07:35 Uhr

Der Rasen der Familie Friedrichsen könnte gut mal wieder einen Schnitt vertragen. Wie viele Quadratmeter es sind, kann auch Hausherr Eckhard Friedrichsen nicht genau sagen, aber mit seinem modernen John-Deere-Aufsitz-Rasenmäher brauchte er für die Arbeit immerhin gut eine Stunde. Aber das ist Vergangenheit. Das Gras muss erst einmal weiter wachsen, denn das fast neue Hightech-Gerät mit einem Neupreis von mehr als 5000 Euro wurde vor zwei Wochen gestohlen. Wie die Diebe vorgegangen sind, ist Friedrichsen immer noch ein Rätsel. Er ist sich aber sicher: „Da waren Profis am Werk. Ich habe wirklich alles getan, um das zu verhindern.“ Aber das reichte ganz offensichtlich nicht, denn nach Einschätzung der Polizei waren tatsächlich Spezialisten am Werk, die sich auskannten und genau wussten, was sie tun mussten, um an ihre Beute zu kommen. Und dabei ließen sie sich auch durch Sicherheitsmaßnahmen nicht abschrecken. Der ehemalige Bauernhof der Friedrichsens liegt an der relativ wenig befahrenen Verbindungsstrecke zwischen Bundesstraße 201 und Hollingstedt. Es gibt Nachbarn in Sichtweite, die aber bemerkten in der Tatnacht nichts Verdächtiges.

Das Gebäude und der Hofplatz sind mit Bewegungsmeldern ausgestattet. Werden sie ausgelöst, tauchen Scheinwerfer alles in gleißendes Licht. Zudem hat Eckhard Friedrichsen aus seinem Schlafzimmerfenster freien Blick auf den Schuppen. In der fraglichen Nacht aber schlief er durch.

Einen Aufsitz-Rasenmäher dieses Typ erbeuteten die Diebe in Hollingstedt.
Einen Aufsitz-Rasenmäher dieses Typ erbeuteten die Diebe in Hollingstedt. Foto: sh:z
 

Die Sicherheitsmaßnahmen haben gute Gründe, denn bereits im Februar 2016 war Eckhard Friedrichsen ein drei Jahre alter Aufsitz-Rasenmäher aus dem verschlossenen Stall gestohlen worden. Er tat danach, was er tun musste. Er kaufte von der Versicherungssumme einen neuen Mäher, ersetzte eine der beiden Holztüren im Stall durch eine massive Mauer, verstärkte den Stahlbügel an der verbliebenen Tür, besorgte sich ein neues Vorhängeschloss und schleppte zu guter Letzt einen gewaltigen Betonklotz heran. Den ließ er direkt vor die Stalltür hieven, als der wertvolle Rasenmäher zu Beginn des Winters erst einmal nicht mehr gebraucht wurde. „Das Teil wiegt knapp 900 Kilo. Ich war mir sicher, dass niemand das Ding einfach so zur Seite schieben kann.“ Auch mit Hilfe eines Fahrzeugs schien dies unwahrscheinlich. Der Hof ist von Feldern umgeben und eigentlich nur durch ein Tor erreichbar, durch das ein Lieferwagen nicht passt. Dennoch war der Trecker eines Morgens verschwunden. „Das müssen mindestens vier kräftige Männer gewesen sein“, sagt Friedrichsen und weist auf die Schleifspuren im Beton. Die Diebe hatten den fast eine Tonne schweren Klotz zur Seite geschoben, den Stahlriegel der Tür geknackt und sich mit dem Mäher (der Schlüssel steckte nicht) davon gemacht.

Es tröstet den 49-Jährigen wenig, dass er nicht das einzige Opfer der Diebe war. Die Polizei hat in den vergangenen Wochen etliche Diebstähle aus landwirtschaftlichen Betrieben, allein liegenden Einfamilienhäusern und Baucontainern registriert – in Silberstedt, in Kropp, in Ellingstedt und anderen Gemeinden der Umgebung. Dabei hatten es die Täter auf alles abgesehen, was Geld bringt und leicht zu verkaufen ist – Arbeitsmaschinen, Elektrowerkzeuge, Kettensägen – und besonders Aufsitz-Rasenmäher. Dabei haben die Beamten die Erfahrung gemacht, dass die Täter rücksichtlos verschlossene Schuppen, Scheunen und anderen Gebäude aufbrechen, in denen sie Beute vermuten. „Sie gehen dabei teilweise sehr brachial vor“, sagte Sandra Otte, Pressesprecherin der Polizeidirektion Flensburg.

Eckhard Friedrichsen weiß, dass die näheren und entfernteren Nachbarn wegen der vielen Einbrüche inzwischen sehr aufmerksam geworden sind. Ob das ihm und seinem neuen John Deere, der inzwischen bestellt ist, etwas nützt, weiß er nicht. „Die kommen bestimmt wieder“, ist er überzeugt.

Bis es soweit ist, will er sich weitere Sicherheitsmaßnahmen ausdenken. Ob der Schuppen weiter verstärkt, der Bewegungsmelder mit Kamera und Sirene verbunden wird, steht noch nicht fest. Sehr wahrscheinlich ist jedoch, dass der mächtige Betonklotz wieder eine Rolle spielen wird.

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