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Lürschau erwartet die ersten Flüchtlinge : „Hier ist jeder willkommen“

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Nach einer Einwohnerversammlung meldeten sich spontan 14 ehrenamtliche Helfer.

Das Topthema dieser Tage hat Lürschau erreicht. Im Oktober sollen erstmals Flüchtlinge in der Gemeinde untergebracht werden. Vier bis sechs Asylsuchende werden erwartet. Bürgermeisterin Sabine Sütterlin-Waack und ihr Stellvertreter Thomas Rohr hatten aus diesem Grund zu einer Einwohnerversammlung eingeladen. Mehr als 50 Besucher kamen am Mittwochabend ins Gemeindezentrum, die bereitgestellten Plätze mussten kurzerhand erweitert werden.

Noch ist unklar, ob es sich um eine Familie oder um einzelne Flüchtlinge handelt, die Lürschau zugeteilt werden. Doch Sütterlin-Waack stellte klar: „Hier ist jeder willkommen“. Sie verwies darauf, dass jeder der Gemeindevertreter Ansprechpartner für die Neuankömmlinge sein könne.

„Angst haben wir nur vor dem, was wir nicht kennen“, meinte Rüdiger Tietz. Er ist Koordinator des Deutschen Roten Kreuzes für die Flüchtlingshelfer im Kreis Schleswig-Flensburg und war nach Lürschau gekommen, um sich den Fragen der Bürger zu stellen und Aufklärung zu leisten. Tietz berichtete von seinem eigenen Erstkontakt zu Flüchtlingen, als er sich auf der Freiheit in Schleswig für einen Sprachkurs zur Verfügung gestellt hatte. Die fast 20 jungen Männer seien ihm „wunderbar freundlich“ entgegengetreten, erzählte er. Diese Erfahrung habe er weitestgehend auch mit den weiteren, in Not geratenen Menschen gemacht, mit denen er als Flüchtlingshelfer bislang zu tun gehabt habe. „Sie sind dankbar und freuen sich über Hilfe.“

Formell stünden jedem Flüchtling 349 Euro im Monat zu, 50 Euro weniger als jedem Sozialhilfeempfänger, klärte Tietz auf. Er wies darauf hin, wie wichtig es sei, den Flüchtlingen „auf Augenhöhe“ zu begegnen. Sie seien gerne bereit, für gespendete Kleidung oder Spielzeug zu bezahlen. Auch das Lehrmaterial für den Sprachunterricht bezahlten die Flüchtlinge selbst. „Sie wollen nicht die Bettler sein“, betonte Tietz. Auch wenn es sich nur um einige wenige Euros handle, die sie dafür ausgeben müssten. Dringend erforderlich sei es, die Zuwanderer bereits zu Beginn „an die Hand zu nehmen“, für sie Lotse zu sein. Dies beginne bereits bei der Ankunft im zuständigen Amtsgebäude und setze sich fort in der Unterstützung bei sämtlichen Behördengängen, Arztbesuchen oder beim Gang zur Tafel. Immer im Blick müsse der mündige Mensch bleiben. „Seien Sie Lotse – nicht Pate“, mahnte der Flüchtlingskoordinator an die Anwesenden gewandt. Zu viel Fürsorge könne auch lebensuntüchtig machen.

Auf die Frage nach einem Programm für die traumatisierten Flüchtlinge und den möglichen Umgang damit konnte der Flüchtlingshelfer auf Vorträge von Psychotherapeuten hinweisen. Tietz sagte: „Nicht jedes schreckliche Ereignis muss ein Trauma auslösen.“ Besonders junge Leute verfügten über eine größere Widerstandskraft und strahlten einen großen Lebenswillen aus. Dennoch müssten die Flüchtlinge zunächst ein gewisses Sicherheitsgefühl entwickeln können.

Dass die Zuwanderer motiviert seien, sich schnellstmöglich zu integrieren, zu arbeiten und die deutsche Sprache zu lernen, bestätigte Frauke Budig. Die Lehrerin gibt in Jübek ehrenamtlich Deutsch-Sprachkurse. Sie erlebe wissbegierige und motivierte junge Leute, berichtete sie. Budig kritisierte, dass die Bearbeitung der Asylanträge so lange dauere. „Die Leute verstehen nicht, warum sie nicht einfach arbeiten dürfen.“

Lürschau stehen im Amt Arensharde viele helfende Hände aus Kirchengemeinde, sozialen Einrichtungen und Verbänden für die Flüchtlingsbetreuung zur Seite. Zudem meldeten sich im Anschluss an die Versammlung 14 Freiwillige bei Bürgermeisterin Sütterlin-Waack. Vor der Ankunft der Flüchtlinge soll ein Helfer-Treffen organisatorische Dinge klären. Lürschau werde, da waren sich die Anwesenden einig, die notwendige Willkommenskultur zeigen.

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