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Beim Erste-Hilfe-Kurs in Treia : Herzdruckmassage zu Heavy Metal

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

In den Erste-Hilfe-Kursen des DRK in Treia lernen die Teilnehmer auf lockere Art, wie sie sich im Notfall verhalten müssen.

„Auf einer Rolltreppe bricht jemand zusammen. Was tut ihr?“, fragt Monica Freya Jüptner in die Runde. „Den Not-Aus-Knopf drücken", ruft ein Teilnehmer. „Gut! Und dann?“, fragt sie weiter. Nach und nach kommen Vorschläge zum weiteren Vorgehen. Ein paar Minuten später ist ein Handlungsplan aufgestellt, der alle Maßnahmen enthält: Person sichern. Raus aus der Gefahr. Person von fremden Blicken abschirmen. Person bequem lagern, zudecken und betüddeln. Notruf absetzen. „Wir werden hier ins kalte Wasser geschubst, so wie es in Wirklichkeit ja auch wäre“, erzählt Hannes Schnoor. Gemeinsam mit zwölf anderen Teilnehmern sitzt er in der DRK-Altenbegegnungsstätte des Ortsvereins Treia und lernt, was im Notfall zu tun ist – ein klassischer Erste-Hilfe-Kurs eben.

So ganz klassisch geht es dann aber doch nicht zu, denn wer sich noch an seinen Erste-Hilfe-Kurs erinnert, die meisten haben ihn vermutlich vor vielen Jahren für den Führerschein absolviert, wird sich wundern. „Wir haben das Lehrkonzept umgekrempelt“, erklärt Monica Freya Jüptner, „weg vom verstaubten Frontalunterricht, hin zum intuitiven Lernen. Seit einem Jahr arbeiten die Ausbilder des DRK bundesweit nach diesem neuen Schulungskonzept. Als Lehrbeauftragte für die Erste-Hilfe-Ausbilder beim Landesverband Schleswig-Holstein hat die Rettungssanitäterin an seiner Entwicklung mitgewirkt. Von reiner Theorie, das hat sie in ihrer langjährigen Arbeit erlebt, bleibt nicht viel hängen. Besser ist es, sich das Wissen selbst zu erarbeiten. Heute sind Ausbilder eher Moderatoren oder Coachs und keine Alleinunterhalter mehr.

Das neue Konzept kommt an. „Wir haben immer etwas zu tun und so wird es nicht langweilig“, findet Jesper Autzen, „man stellt uns eine Aufgabe, wir versuchen, zu helfen und bekommen dabei Tipps. Hinterher erfahren wir, wie es richtig geht oder was wir besser machen können.“ Dabei sind die Aufgaben sehr vielseitig und reichen von der Ohnmacht auf der Rolltreppe, über einen Rettungseinsatz im Watt und auf einer Fähre, bis zum abgetrennten Finger und einem Autounfall.

Im Grunde ist der Ablauf immer der Gleiche. Aber die Beispiele haben zusätzliche Tücken und vermitteln so vielfältiges Wissen. Gleichzeitig werden die Themen Eigenschutz, Wundversorgung, Druckverband, Herzdruckmassage, stabile Seitenlage, akute Erkrankungen, Helmabnahme und Beatmung in die Aufgaben eingebaut und lebendig vermittelt. „Das Thema Beatmung liegt mir besonders am Herzen. Wer sich das zutraut, der soll es ruhig tun, denn die Chancen für den Patienten steigen deutlich, wenn zusätzlich zur Herzdruckmassage auch beatmet wird“, weiß Monica Freya Jüptner.

Wer einen Erste-Hilfe-Kurs besucht hat, ist dafür gerüstet und braucht keine Angst zu haben, etwas falsch zu machen. „Man kannst nichts falsch machen, außer nichts zu tun“, sagt sie. Das sagt übrigens auch der Europäische Rat für Wiederbelebung, der erst 2015 seine Richtlinien für Reanimation aktualisiert hat. Den richtigen Rhythmus für die Herzdruckmassage findet man am besten mit dem Beat eines Songs. Das bekannteste Beispiel ist sicher „Staying Alive“ von den Bee Gees. Aber auch mit „Atemlos durch die Nacht“ von Helene Fischer funktioniert es. „Ich persönlich finde die Heavy-Metal-Version von Pippi Langstrumpf perfekt“, schmunzelt die Rettungssanitäterin, „sie hat ordentlich Wumms und den braucht man zum Durchhalten, denn Reanimation ist ziemlich anstrengend“.

Der Weg zum Erste-Hilfe-Ausbilder ist übrigens nicht ganz einfach. Louisa Hannig steckt mitten in der Ausbildung und hospitiert heute. Wenn die Rettungssanitäterin demnächst ihre Prüfung ablegt, hat sie 55 Unterrichtsstunden geleistet, mehrfach hospitiert, Unterrichtsbeobachtungen protokolliert und darüber hinaus rund 300 Stunden privat für sich gelernt – das alles ehrenamtlich. Was sie dazu motiviert? „Die Arbeit mit den Menschen macht mir einfach Spaß“, erklärt sie. Auch bei ihrer Ausbilderin steht der Mensch im Vordergrund. Sie freut sich über Teilnehmer, die ihre eigenen Kenntnisse selbstkritisch hinterfragen und nun ihr Wissen auffrischen möchten. Sie rät, dass alle zehn Jahr zu tun. „Ich brenne für das Thema Erste Hilfe“, betont sie, „und ich möchte das gerne an den Nachwuchs weitergeben. Als Lehrbeauftragte gibt es für mich nichts schöneres, als Menschen in die Lage zu versetzten anderen Menschen helfen zu können – das ist meine Motivation.“

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