Schleswig : Hertie-Haus wird im November zwangsversteigert

Seit drei Jahren verschlossen: Hinter den Glastüren des Kaufhauses wartet der Sanierungsstau. Foto: oje
Seit drei Jahren verschlossen: Hinter den Glastüren des Kaufhauses wartet der Sanierungsstau. Foto: oje

Das Kaufhaus am Eingang zur Schleswiger Fußgängerzone ist ein Fall für eine Komplettsanierung - wenn nicht gar für den Abrissbagger.

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16. September 2012, 06:07 Uhr

Schleswig | Die Ergebnisse gehen aus dem Verkehrswert-Gutachten hervor, das der Kropper Architekt Jörg Grimm jetzt im Auftrag des Amtsgerichtes erstellt hat. Das Gutachten ist eine wichtige Voraussetzung für eine Zwangsversteigerung. Diese hatte die Stadt Schleswig bereits im vergangenen Jahr beantragt. Offiziell, um Grundsteuern und Straßenreinigungsgebühren einzutreiben, die der Eigentümer seit vier Jahren schuldig ist. Tatsächlich aber treibt die Verwaltung das Zwangsversteigerungsverfahren voran, damit sich endlich etwas tut in Schleswigs prominentestem Leerstand. Seit das Kaufhaus vor drei Jahren seine Türen schloss, sollen schon zehn verschiedene Interessenten versucht haben, das Gebäude zu kaufen. Alle bissen auf Granit beim Eigentümer, einer Briefkastenfirma in den Niederlanden, hinter der der insolvente britische Finanzinvestor Dawnay Day steckt.
Jetzt haben alle Interessenten die Chance, im Schleswiger Amtsgericht ihr Gebot abzugeben. Das "Kaufhaus mit Parkdeck und Büroflächen" kommt am Donnerstag, 29. November, um 10 Uhr unter den Hammer. Der Gutachter hat den Verkehrswert auf 2,36 Millionen Euro festgesetzt. Auf diese Summe kommt er vor allem wegen der zentralen Lage des 3377 Quadratmeter großen Grundstücks. Die beiden Gebäude sind in einem jämmerlichen Zustand. Das gilt für das knapp 50 Jahre alte Kaufhaus selbst, aber auch für das benachbarte Wohnhaus aus dem späten 19. Jahrhundert, in dessen Erdgeschoss sich zuletzt ein Zeitschriftenladen befand und das mitversteigert wird. Die Gesamtbebauung weise erhebliche Schäden und Mängel auf, schreibt Grimm. Seit der Schließung 2009 habe keinerlei Bauunterhaltung mehr stattgefunden. Die Folge: "Es sind erhebliche Instandsetzungsarbeiten zu betreiben." Die Gebäude müssten nahezu komplett entkernt und neu aufgebaut werden. Fahrstühle, Rolltreppen, Lüftungsanlagen und Heizung sind zwar noch vorhanden, aber offenbar in einem Zustand, der einen Weiterbetrieb fraglich erscheinen lässt.
Stadtmanagerin: Neuer Eigentümer wird Gebäude abreißen
Stadtmanagerin Monika Siegel geht ohnedies schon seit Monaten davon aus, dass ein möglicher neuer Eigentümer das Gebäude abreißen wird. Ihr gegenüber hätten die Interessenten deutlich gemacht, dass sie mit der Bebauung, so wie sie ist, nichts anfangen könnten.

Ob das Grundstück tatsächlich schon beim ersten Versteigerungstermin den Eigentümer wechselt, ist offen. Für den zweitgrößen Innenstadt-Leerstand, das Nootbaar-Gebäude, wurde erst am Donnerstag auch bei einem Wiederholungstermin kein gültiges Gebot abgegeben. Wenn für die Hertie-Immobilie niemand mehr als die Hälfte des Verkehrswertes bietet, also 1,18 Millionen Euro, muss das Amtsgericht den Zuschlag versagen und einen neuen Versteigerungstermin ansetzen.

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