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Schleswig : Hertie-Haus: Stadt denkt über Kauf nach

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Kaufhaus-Ruine ist heute Thema im Schleswiger Bauausschuss. Zudem ist ein neuer Zwangsversteigerungstermin anberaumt.

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erstellt am 08.Sep.2015 | 07:19 Uhr

Schleswig | Sechs Jahre. So lange steht das ehemalige Hertie-Kaufhaus im Herzen der Stadt inzwischen leer. Und genau so lange hoffen die Schleswiger, dass dort endlich etwas passiert. Denn der riesige Gebäudekomplex am westlichen Ende der Ladenstraße befindet sich in einem bemitleidenswerten Zustand, der das ganze Stadtbild beeinflusst. Hoffnungen auf einen Verkauf der Immobilie hat es in den vergangenen Jahren immer wieder gegeben. Jedes Mal jedoch vergeblich. Nun aber öffnet sich eine neue Tür – vielleicht. Denn heute befasst sich der Bauausschuss, wenn auch im nichtöffentlichen Teil, erneut mit dem Thema. „Sachstandsbericht zum möglichen Erwerb der Hertie-Immobilie durch die Stadt Schleswig“ steht auf der offiziellen Tagesordnung des Gremiums zu lesen.

Bürgermeister Arthur Christiansen hält sich dazu auf Nachfrage der Schleswiger Nachrichten zwar bedeckt. Mit Blick auf vertragsrechtliche Frage wolle er nicht weiter ins Detail gehen. Zumindest aber sagt er, dass ein Kauf der Immobilie durch die Stadt „eine Option darstellen könnte, die man diskutieren sollte“. Grund für diesen – wenn auch vorsichtigen – Vorstoß könnte sein, dass das Amtsgericht derzeit einen erneuten Zwangsversteigerungstermin des Gebäudekomplexes vorbereitet. Anfang des kommenden Jahres soll es so weit sein. Die Stadt hatte ein Verfahren beantragt, weil sie erneut über ausstehende Grundsteuern und Straßenreinigungsgebühren klagt. Zweimal war es in der Vergangenheit bereits zu Versteigerungsterminen gekommen. Beide Male wurden die ausstehenden Beträge in letzter Sekunde beglichen.

Diesmal hat das Amtsgericht parallel zur Vorbereitung des Termins zusätzlich ein neues Wertgutachten erstellen lassen. Dies liegt inzwischen zwar vor, konkrete Zahlen wollten die zuständigen Mitarbeiter jedoch noch nicht nennen. Laut SN-Informationen soll der Wert der Immobilie und des Grundstücks aber deutlich unter zwei Millionen Euro liegen. Eine Summe, die demnach auch deutlich niedriger ist, als die drei Millionen Euro, die die Firma CR Investment Management, die die leer stehenden Hertie-Häuser in Deutschland vermarktet, bislang von Kaufinteressen verlangen soll.

Der zuständige Direktor Sebastian Mogos-Lindemann bestätigt diese Summe zwar nicht. Er sagt aber auch: „Uns ist auch klar, dass der Preis schwer zu erzielen ist. Am Ende sind wir nur der Vermarkter. Es gibt aber auch Eigentümer – und die haben nun einmal ihre eigene Vorstellungen vom Verkaufswert.“ Da die Immobilie in Schleswig jedoch auch nach Jahren noch immer nicht an den Mann gebracht werden konnte, habe CR Investment die Eigentümer nun um die Neubewertung der Immobilie gebeten. Das Ergebnis liege zwar noch nicht vor. Insgesamt aber sei der Einzelhandels-Standort Schleswig, auch unabhängig vom Kaufpreis, äußerst schwierig. „Es gibt wenig Interessenten. Und wenn welche da sind, springen sie wieder ab“, sagt Mogos-Lindemann. Auch das Hamburger Unternehmen AVW Immobilien, das lange als möglicher Käufer gehandelt galt und in Schleswig bereits das Schlei-Center besitzt, habe inzwischen endgültig abgesagt. Dennoch hoffe er, dass auch das Schleswiger Hertie-Haus (es gehört neben Rendsburg zu den letzten sechs von 32 Häusern, die CR Investment bislang noch nicht verkauft hat) „irgendwann erfolgreich vermittelt wird“. Mogos-Lindemann: „Wir sind die Ersten, die sich freuen, wenn das Objekt einer neuen Nutzung zugeführt wird.“

Ob dies die Stadt übernehmen wird, darüber wird sich nun erst einmal die Politik Gedanken machen. CDU-Fraktionschef Holger Ley wollte sich gestern auf Nachfrage nicht zu dem Thema äußern. Auch sein Kollege Stephan Dose von der SPD hielt sich bedeckt. Zumindest aber sagte er, dass der Erwerb des Hertie-Hauses durch die Stadt „eventuell ja eine Option sein kann, um diesen Schandfleck endlich zu beseitigen“. Allerdings gab er auch zu bedenken, dass das die Stadt finanziell nicht auf Rosen gebettet sei.

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