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Schleswig : Hertie-Brandstifter widersprechen sich

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Zwei junge Schleswiger sollen im September 2013 das leer stehende Kaufhaus angezündet haben – seit gestern stehen sie vor Gericht.

shz.de von
erstellt am 26.Nov.2014 | 07:21 Uhr

Grenzen überschritten hatten die beiden jungen Männer schon öfter. Was aber in der Nacht zum 8. Oktober 2013 geschah, war dann doch „eine Nummer zu groß für uns“. So beschrieb gestern der 20-jährige Hauptangeklagte vor dem Schleswiger Schöffengericht die Vorgänge in besagter Nacht, in der das Hertie-Gebäude plötzlich in Flammen stand. Allerdings war dieses Feuer offenbar nur der unrühmliche Höhepunkt einer ganzen Reihe von Straftaten, für die sich der Schleswiger und zum Teil auch sein 18-jähriger Komplize verantworten müssen. Mit noch offenem Ausgang. Denn mindestens einer, wahrscheinlich aber zwei Verhandlungstage werden noch folgen.

Ganz oben auf der Anklageliste steht dabei der Brand des Hertie-Hauses. Im hinteren Bereich des Gebäudes loderten damals meterhohe Flammen. Dunkler Rauch lag über der Innenstadt. Die Anwohner wurden übers Radio gebeten, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Die Straßen rund um das Hertie-Gebäude waren für Stunden gesperrt. Neben der Schleswiger Feuerwehr rückten auch die Wehren aus Fahrdorf, Busdorf, Jagel und Nübel aus. Insgesamt waren 85 Feuerwehrmänner im Einsatz. Alarmiert wurden sie damals von den beiden jungen Männern selbst. Wer von ihnen allerdings zu dieser Einsicht kam, darüber waren sie sich jetzt vor Gericht nicht mehr einig. Ohnehin haben die beiden ihre Freundschaft längst beendet, wahrscheinlich auch deshalb, weil sie sich gegenseitig mehr oder weniger stark belasten.

So sprach der Hauptangeklagte davon, dass er gemeinsam mit seinem Kumpel durch die unverschlossene Tür in das leer stehende Kaufhaus eingedrungen sei. Als sie dort einen großen Karton mit Müllsäcken fanden, habe ihn der damals noch 17-Jährige angestachelt, sie anzuzünden. „Er meinte, dass ich mich das bestimmt nicht trauen würde. Dann habe ich es gemacht, ich wollte ja kein Feigling sein“, gab er nun zu Protokoll. Aus dem Mund des jüngeren Komplizen klang die Geschichte derweil ganz anders. Demnach sei er gar nicht mit ins Gebäude gegangen. Und er sei es auch gewesen, der gegen den ausdrücklichen Wunsch seines Freundes die Feuerwehr alarmiert habe.

Auch was den Rest des Abends betrifft, widersprachen sich die beiden Männer mehrfach. Fest steht allerdings, dass sie sich bei dem jüngeren der beiden getroffen hatten und dann – alkoholisiert – durch die Stadt gezogen waren. „Ich musste Frust abbauen“, meinte der Hauptangeklagte. Denn zuvor habe er erfahren, dass ihn seine damalige Freundin, die Schwester seines Komplizen, betrogen habe. Gemeinsam gingen die beiden zunächst Richtung St.-Jürgen-Schule. Dort steckten sie einen Müllcontainer in Brand. Das gleiche machten sie an der Warenannahme des Kaufhauses Strauss am Schlei-Center. Es folgte das Feuer bei Hertie.

Damit aber nicht genug: Bereits in der Nacht zum 7. September 2009 waren die beiden, gemeinsam mit einem anderen Freund sowie dem Vater des Jüngeren, von der Husumer Richtung Memeler Straße gezogen. Dabei war auf dem Michaelisfriedhof ein Schuppen aufgebrochen und ein Müllcontainer in Brand gesetzt worden. Später gingen ein Mülleimer an der Flensburger Straße und ein Container an der Schule Nord in Flammen auf. Weitere Fälle werden an den kommenden Verhandlungstagen aufgearbeitet. Am heftigsten wiegt dabei wohl eine schwere Körperverletzung und Bedrohung. So sollen die beiden jungen Männer am 28. September 2013 gemeinsam in die Wohnung eines Bekannten in der Schubystraße eingedrungen sein. Dort sollen sie diesen mit Schlägen schwer verletzt und mit der Drohung „beim nächsten Mal stechen wir Dich ab“ auf dem Boden liegen gelassen haben. Eine weitere Brandstiftung, ein vorgetäuschter Notruf und mehrere Betrugsfälle kommen – unter anderem – hinzu.

Einfluss auf das Urteil wird am Ende sicherlich auch der jeweils schwierige familiäre Hintergrund der jungen Männer, die beide arbeitslos sind, nehmen. Das gilt insbesondere für den Hauptangeklagten, der immer wieder starke Konzentrationsschwächen offenbarte. Er wurde schon als Dreijähriger seiner drogensüchtigen Mutter weggenommen, wuchs in mehreren Pflegefamilien und Heimen auf.

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