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Schleswiger Nachrichten

12. Dezember 2017 | 12:02 Uhr

Schleswig : Hertie-Abriss auf November verschoben

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Eigentlich sollte das alte Hertie-Kaufhaus im Stadtweg im August abgerissen werden. Nun hat man im Bauamt neue Schwierigkeiten entdeckt.

von
erstellt am 28.Jul.2017 | 07:36 Uhr

Zunächst war vom ersten Halbjahr 2017 die Rede, dann von August. Jetzt soll der Abriss der Hertie-Ruine im Stadtweg ab November in Angriff genommen werden, spätestens im Winter soll es dann richtig zur Sache gehen. Das erklärten gestern die zuständigen Mitarbeiter des Bauamtes gegenüber den SN.

Die Gründe für die erneute Verschiebung des Termins, den viele Schleswiger schon lange herbeisehnen, sind dabei äußerst vielschichtig, wie die beiden Stadtplaner Uwe Harms und Robert Schulze sowie Uwe Ströh, zuständig für das Gebäude-Management, erläuterten. „Der Abriss wird deutlich schwieriger, als es sich alle Fachleute vorgestellt haben. Da kann man nicht einfach mit der Birne kommen, alles weghauen und den Schutt danach sortieren“, sagte Harms. Durch die besondere Lage des Gebäudekomplexes sei dessen Rückbau vielmehr ein „technisch ausgesprochen kompliziertes Unterfangen“, meinte er und schob dann noch einmal kurz und knapp auf Deutsch gesagt hinzu: „Das ist schon eine besondere Nummer.“

Was den Zeitplan in erster Linie durcheinandergewirbelt hat, ist einerseits das Grundwasser, das dort relativ hoch steht, sowie die Hanglage des Grundstücks. „Wir haben zwischen der Michaelisallee und dem Stadtweg einen Höhenunterschied von sieben Metern. Wenn wir jetzt einfach das ganze Gebäude wegreißen würden, könnte uns der ganze Hang abrutschen“, sagte Ströh. Ebenso würde dann das Grundwasser hochdrücken (in den vergangenen Wochen wurden extra vier neue Grundwasser-Messstellen eingerichtet). Das werde jetzt noch durch das Gewicht des riesigen Gebäudes in Schach gehalten. Deswegen müsse man, so hätten neue Untersuchungen der beauftragten Abrissplaner ergeben, sowohl die rückwärtige Stützwand zur Allee als auch den Keller und die Bodenplatte erhalten. Während die Wand zusätzlich mit Ankern gesichert werden muss, damit sie auch während der Abbruchphase fest stehen bleibt, wird der Keller in dieser Zeit mit einem sogenannten Flüssigboden befüllt. Dies soll für zusätzliches Gewicht sorgen und so verhindern, dass das Grundwasser hochdrückt, wenn die oberen Stockwerke zurückgebaut werden. Damit aber noch immer nicht genug: Zusätzlich muss das Grundwasser während der Bauarbeiten mit Hilfe von Pumpen abgesenkt werden. Und auch dann kann oben drüber nicht einfach alles weggerissen werden. Vielmehr, so Harms, werde man den aus drei Häusern bestehenden Gebäudekomplex Stück für Stück zurückbauen müssen.

Im November, davon geht man nun also aus, werden die ersten Arbeiten innerhalb der Ruine beginnen (Fledermäuse, wie anfangs vermutet, wurden dort übrigens nicht nachgewiesen). Von außen werde man dann im Dezember oder Januar sehen, dass die letzte Stunde des alten Kaufhauses geschlagen hat. Ein halbes Jahr später, so erklärte Robert Schulze, sei das Gelände dann bereit für den Neubau.

Ein Grundstückstausch mit dem Apotheker Hermann Wighardt scheint indes vom Tisch. Er hatte 2014 den Waschsalon an der Ecke Moltkestraße/Stadtweg gekauft und wollte dort ein Ärztehaus bauen. Da an dieser Stelle nun ein Platz entstehen soll, hatte man im Rathaus zunächst angedacht, Wighardt im Tausch den östlichen Teil des Hertie-Grundstückes anzubieten. Inzwischen aber scheint es darauf hinauszulaufen, dass die Stadt ihm sein Grundstück abkauft.

Trotz all der Hürden blickt man im Bauamt dennoch voller Zuversicht auf den Abriss und das, was danach kommen soll. „Wir schlagen hier das erste Kapitel der Innenstadtsanierung auf, bei dem ein neues, attraktives Entree für die Ladenstraße entstehen wird“, betonte Harms. Schon jetzt gebe es zahlreiche Investoren, die ihr Interesse angemeldet hätten, den Neubau zu realisieren. „Es gibt Nachfragen, und zwar nicht zu knapp – obwohl wir ja noch nicht einmal abgerissen haben.“

Das wiederum ist auch Ingo Harder „Wurst“, wie er gestern erklärte. Er hat, nach der Ansage der Stadt, nächsten Monat mit dem Rückbau beginnen zu wollen, für den 4. und 5. August eine Abrissparty geplant. „Dabei bleibt es. Die Feier werde ich jetzt nicht mehr verschieben“, so Harder, der anfügte: „Und wenn die das Ding erst nächstes Jahr abreißen, gibt es halt eine zweite Party.“

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