zur Navigation springen
Schleswiger Nachrichten

12. Dezember 2017 | 02:28 Uhr

Schleswig : Herrenstall wird Kulturdenkmal

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Das Land stellt die Parkanlage vor dem Oberlandesgericht unter Schutz. Bürgermeister Arthr Christiansen sieht eine „Aufwertung für den gesamten Friedrichsberg“.

von
erstellt am 06.Aug.2015 | 15:15 Uhr

Der Herrenstall gewinnt an Bedeutung. Er ist in die Liste der geschützten Kulturdenkmale des Landes aufgenommen worden. Das hat das Landesamt für Denkmalpflege in Kiel der Stadt Schleswig und dem Kreis als Untere Denkmalschutzbehörde offiziell mitgeteilt. Der Herrenstall – das ist die Grünanlage vor dem Oberlandesgericht und die Häuserzeile vis-à-vis, auf der östlichen Seite. Neben der Grünanlage mit dem Kriegerdenkmal für die gefallenen Husaren von 1914 bis 1918 handelt es sich dabei um die sechs Wohnhäuser aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Das gesamte Herrenstall-Ensemble sei von geschichtlicher und städtebaulicher Bedeutung, heißt es im Schreiben der Kieler Denkmalschützer.

Die Beförderung des Herrenstalls zum Kulturgut – was bedeutet das in der Praxis? Ulrich Schwarz, Fachdienstleiter für Bauaufsicht in der Kreisverwaltung, sagt dazu auf SN-Anfrage: „Zunächst einmal hat es einen rein deklaratorischen Charakter. Grundsätzlich ist es so, dass wir bei Kulturdenkmalen im Falle von Sanierungen oder sonstigen Änderungen Genehmigungen zu erteilen haben. Gleichzeitig bieten wir dabei den Eigentümern auch Beratungen an.“ Dieses sowohl in baulicher als auch in finanzieller Hinsicht, denn es gebe neben der steuerlichen Abschreibung auch verschiedene Töpfe mit staatlichen Zuschüssen, erklärt Schwarz.

Kreis-Denkmalpflegerin Cristina Vesperinas y Jänsch fügt hinzu: „In der Regel klappt die Zusammenarbeit zwischen Behörde und den Eigentümern völlig reibungslos.“ Die meisten Besitzer seien stolz darauf, in einem geschichtsträchtigen Haus zu leben. Und sie bemühten sich, dieses Gebäude dann auch möglichst detailgetreu zu erhalten. Kulturdenkmale dokumentierten historische Ereignisse und Entwicklungen, künstlerische Leistungen oder technische Errungenschaften.

Zum Herrenstall – schon der ungewöhnlich klingende Name lässt erahnen, dass eine besondere Geschichte mit diesem Fleckchen Erde im Friedrichsberg verbunden ist. Eine Geschichte mit fürstlichem Flair, denn Gottorf liegt gleich nebenan. Und tatsächlich existierte im Herrenstall ursprünglich ein Stall für Herren, und zwar für diejenigen, die zur Leibgarde des Herzogs gehörten. Ursprünglich wurde dieser Ort daher „Langer Stall“ genannt, weil dort ein langgestrecktes Stallgebäude stand, in dem die Pferde der herzoglichen Leibgarde untergestellt waren. Doch im Jahre 1765 kaufte der Schleswiger Bürger Steffen Benneick dieses Stallgebäude. Laut Kaufvertrag war er verpflichtet, „zur Zierde der Gegend vor dem Schlosse“ neue Gebäude zu errichten: Das war die Geburtstunde vom Herrenstall. Später kamen weitere Häuser hinzu.

Der Schleswiger Stadtchronist Heinrich Philippsen beschreibt in seinem 1924 erschienenen Buch „Alt-Schleswig“ den Herrenstall als „ein anziehendes Stadtbild“. Denn da, wo sich heute die Grünanlage mit dem Husarendenkmal befindet, war damals Wasser. Ein großer Teich, auf dem weiße Schwäne und schnatternde Enten schwammen. Dieser Gottorfer Mühlenteich war der letzte von vier Teichen, die es im Friedrichsberg vor der Trockenlegung gab und die noch zu Herzogszeiten als Fischteiche dienten.

Das Schwanen-Enten-Idyll auf spiegelglatter Wasserfläche zwischen dem damaligen Regierungsgebäude (OLG) und der Häuserzeile am Herrenstall zeigt sich auf Schleswiger Postkarten von damals. Doch nur bis 1906. Denn der Mühlenteich war so verschlammt, dass die Stadtverwaltung den Teich zuschütten ließ – stattdessen wurde eine Grünanlage gebaut, nur der Oerbach floss in einer steinernen Rinne an der Gottorfstraße entlang. Weiß gestrichene Brücken führten die Spaziergänger damals über diesen Bach – von der Straße hin zur Grünanlage. Aber auch der Bach wurde verrohrt.

Bürgermeister Arthur Christiansen freut sich, wie er auf SN-Anfrage erklärt, über den Eintrag in die Liste der Kulturdenkmale: „Es bedeutet eine Aufwertung für den gesamten Friedrichsberg.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen