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Aus dem Amtsgericht Schleswig : Heroin in der Post – Absender unbekannt

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

In einem Paket an einen Insassen der Schleswiger Forensik fanden die Pfleger eine Tüte mit Heroin - ein Fall für das Amtsgericht.

von
erstellt am 27.Apr.2016 | 11:30 Uhr

Am Ende stand ein Freispruch erster Klasse: Amtsrichterin Anna Gansel hielt die Unschuld des Angeklagten zwar nicht für wasserdicht erwiesen, aber sie bezeichnete es doch als eher unwahrscheinlich, dass er die Tat begangen haben könnte, die die Staatsanwaltschaft ihm vorgeworfen hatte.

Wie berichtet, war ein 45-jähriger Mann angeklagt, weil er versucht haben sollte, vier Gramm Heroin in die geschlossene Forensik der Helios-Fachklinik zu schmuggeln. Der Neffe seiner Lebensgefährtin verbüßt dort seit zwei Jahren eine Freiheitsstrafe und wird wegen seiner Drogen- und Alkoholsucht behandelt.

Vor gut einem Jahr erhielt er mit der Post ein Päckchen, in dem sich neben Süßigkeiten und Musik-CDs auch das Heroin befand. Ein Pfleger hatte es bei der Eingangskontrolle entdeckt – schlecht versteckt in einer nur notdürftig wieder verschlossenen Duschgel-Flasche. Für die Staatsanwaltschaft schien der Fall zunächst klar: Schließlich stand ein Absender auf dem Paket – der vollständige Name samt einer Anschrift in Neumünster.

Der Angeklagte hatte von Anfang an bestritten, mit der Sache etwas zu tun zu haben. Tatsächlich waren schon am ersten Verhandlungstag Zweifel an seiner Täterschaft aufgetaucht. Beim Fortsetzungstermin erhärteten sich diese Zweifel noch, so dass zum Schluss auch die Staatsanwaltschaft von ihrem Vorwurf abrückte und einen Freispruch beantragte. So stimmten auf der Absender-Adresse zwar Straße und Wohnort, aber sowohl die Hausnummer als auch die Postleitzahl waren falsch. Zudem war das Verhältnis des Forensik-Insassen zum Partner seiner Tante nicht gerade das beste. Dieser hatte ihn in der Vergangenheit sogar einmal wegen Diebstahls angezeigt.

„Die Umstände sprechen eher dagegen, dass der Angeklagte der Absender des Päckchens war“, sagte die Richterin in ihrer Urteilsbegründung. Die Aufklärung wurde dadurch erschwert, dass die Original-Paketverpackung im Müll landete, kurz nachdem das Heroin entdeckt worden war. Dass die Absender-Adresse fehlerhaft war, ließ sich nur indirekt ermitteln – anhand der Eintragung in einer Liste, in der die Forensik-Mitarbeiter alle eingegangenen Pakete verzeichnen.

„Wir haben nach diesem Vorfall noch einmal alle Mitarbeiter darauf hingewiesen, dass auffällige Pakete auf jeden Fall aufzubewahren sind“, erklärte der Sicherheitsbeauftragte der Klinik, der jetzt als Zeuge geladen war. Er räumte ein, dass es nicht immer gelinge zu verhindern, dass Drogen in die Forensik gelangen. „Wir würden gern jedes Paket kontrollieren“, sagte er. „Aber das lassen die gesetzlichen Bestimmungen für den Maßregelvollzug nicht zu. Die Vorschriften geben uns weniger Möglichkeiten als im normalen Strafvollzug.“ Pakete, die die suchtkranken Straftäter in der Fachklinik erhalten, werden nur dann durchsucht, wenn die Ärzte eine konkrete Gefahr ausgemacht haben, dass der Empfänger versuchen könnte, wieder zu Drogen zu greifen.

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